
Wien. Die Jugendarbeitslosigkeit in Österreich und im EU-Durchschnitt ist auf Rekordhoch, Arbeitsverträge unsicherer als früher. Wie reagiert die österreichische Jugend? Beratungsriese Deloitte hat der „Generation Y“ bzw. den „Millennials“ gerade eine Studie gewidmet. Darin ist von Selbstverwirklichung und hohen Ansprüchen die Rede – und nicht von Existenzangst oder befristeten Verträgen. Wurde aus Versehen das falsche Land untersucht, oder sind es bloß zwei Seiten derselben Medaille? Extrajournal.Net auf Spurensuche.
Rund die Hälfte der ArbeitnehmerInnen gehört heute der „Generation Y“ oder „Millennials“ an. Auf Unternehmen wirkt diese Generation durchaus fordernd, denn sie stellt sowohl hohe Erwartungen an ihren (potenziellen) Arbeitgeber als auch an die Art und den Inhalt ihrer Tätigkeit, heißt es bei Deloitte.
So habe eine kürzlich von dem internationalen Beratungsmulti durchgeführte Studie gezeigt, dass sechs von zehn Millennials (Menschen die von etwa 1990 bis 2010 noch zu den Teenagern zählten) ihren Arbeitgeber nach dem strategischen Ziel und Zweck des Unternehmens auswählen. Für junge Mitarbeiter werde es demnach also immer wichtiger, durch ihre Tätigkeit positiven Einfluss zu nehmen und einer sinnstiftenden Arbeit nachzugehen.
„Benutzte“ Generation?
Studien wie die von Deloitte legen also ein hohes ethisches Bewusstsein der jungen Generation nahe. Wie passt das mit den schwierigen Arbeitsmarktbedingungen, geringerem Gehalt, befristeten Verträgen zusammen – wird die edle Einstellung manchmal von den Arbeitgebern ausgenutzt, bleibt den Jungen letztlich gar keine Wahl? Ein dazu geplantes Interview mit den Deloitte-Experten kam leider dann doch nicht zustande. Immerhin gab es dann schriftliche Antworten von Elisa Aichinger: Sie ist bei Deloitte Human Capital tätig, und beschäftigt sich vor allem mit Fragen der unternehmensnahen Arbeitsmarktpolitik.
„Eigene Potenziale ausschöpfen“
Aichinger meint, dass Millennials nicht nur hohe Ansprüche an Unternehmen sondern auch an sich selbst stellen: „Die begleitende Berufstätigkeit während der post-sekundären Ausbildung ist heute keine Seltenheit mehr, nach erfolgreichem Studienabschluss sind die Hauptmotivatoren in den ersten Jahren der Berufstätigkeit fachliche und persönliche (Weiter-)Entwicklung sowie die Möglichkeit, die eigenen Potenziale voll auszuschöpfen.“
Millenials wollen laut der Expertin also gefordert werden, sie wollen lernen und sich weiterentwickeln. „Hinter diesem Bedürfnis steckt aber nicht unbedingt nur der Wunsch nach einer vertikalen Karriereentwicklung. Planungssicherheit und finanzielle Stabilität sind sehr wichtige Attribute für die Generation Y, jedoch nur unter Bedingungen die für sie Sinn machen“, so Aichinger.
Flatterhaft und unloyal?
„Junge ArbeitnehmerInnen starten die berufliche Zusammenarbeit nicht mehr mit der Vorstellung, ihre Karriere in dem Unternehmen zu beenden, in welchem sie gestartet hat. Auch stellen sie sehr früh fest, dass neben dem beruflichen Erfolg und finanzieller Sicherheit auch Raum für Freunde, Familie und individuelle Entwicklung bleiben muss. Für Unternehmen bestätigt dieses Verhalten oftmals den Vorbehalt dieser Generation gegenüber, dass sie flatterhaft und ihrem Arbeitgeber gegenüber unloyal ist“, fährt Aichinger fort.
Diese empfundene mangelnde Loyalität entstehe aber oftmals auch daraus, dass Unternehmen auf die Bedürfnisse nach Sicherheit und finanzieller Stabilität ihrer MitarbeiterInnen nicht immer adäquat reagieren können. Aichinger: „In einem instabilen wirtschaftlichen Umfeld liegt der Fokus von Unternehmen im Erhalt und in der bestmöglichen Durchführung des Kerngeschäfts, Arbeitsverhältnisse sind keine Pakte auf Lebenszeit mehr und können in wirtschaftlich dynamischen Zeiten von Unternehmen auch nicht mehr als solche garantiert werden.“
„Spezielle Ansprüche erfüllen“
Dennoch bleibt der Expertin zufolge das Halten von qualifizierten MitarbeiterInnen für Unternehmen eine zentrale Aufgabe, um im globalen Umfeld wettbewerbsfähig zu bleiben: „Eine langfristig für beide Seiten zufriedenstellende Zusammenarbeit hängt davon ab, ob es Unternehmen gelingt, die Bedürfnisse der Generation Y zu verstehen und darauf zu reagieren, denn: Solange ihre Ansprüche erfüllt werden sind Millennials ihren Arbeitgebern gegenüber zu 100 Prozent loyal. Genügt ein Arbeitgeber ihren Anforderungen allerdings nicht mehr, gehen sie schnell und auch ohne Schmerz“, so Aichinger.
Der wesentliche Nachteil von mangelndem Engagement sei zumindest langfristig finanzieller Natur: „Vom Wissen und der Erfahrung, in welche der Arbeitgeber in hohem Ausmaß mitinvestiert hat, profitiert mittelfristig der Mitbewerb“, meint Aichinger.
Link: Deloitte
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