12. Aug 2015   Business

Gefahr aus dem Internet! Deloitte-Studie zieht den Schluss: Chefetage unterschätzt Cyber-Risiken

Bernhard Gröhs ©APA-Fotoservice / Hinterramskogler
Bernhard Gröhs ©APA-Fotoservice / Hinterramskogler

Wien. Aufsichtsräte in Österreich haben Datensicherheits-Risiken noch zu wenig auf ihrer Agenda, obwohl sie die Bedeutung einer Risikostrategie im Unternehmen insgesamt als hoch einstufen. Österreichische Aufsichtsräte sind außerdem mit neuen Technologien zu wenig vertraut. Dies ergab die Studie „Director 360°“, für die 336 Aufsichtsräte in 16 Ländern von Deloitte befragt wurden.

Wie die aktuelle Studie unter österreichischen und internationalen Aufsichtsräten verdeutlicht, sind Risiken, die mit der Nutzung von neuen Technologien einhergehen, für 42 Prozent der Befragten in Österreich bisher noch kein Thema, so eine Aussendung.

Österreich hinkt nach

Zum Vergleich: von den internationalen Aufsichtsräten geben nur 30 % an, sich bisher mit diesen Themen noch nicht beschäftigt zu haben. Dieses Ergebnis überrasche vor allem deshalb, weil 90 Prozent der Befragten in Österreich dem Aufsichtsrat eine aktive Rolle in der Risikopolitik zusprechen.

Weiters wurden technologische Risiken in erster Linie mit sozialen Medien (26 %; international: 31 %) und Cyber Security (21 %; international: 52 %) in Zusammenhang gebracht. Datenschutz sowie Data Warehousing waren selten ein Thema (jeweils 5 %; international: Datenschutz 58 %, Data Warehousing: 39 %).

Stiefkind internationaler Datenaustausch

Der internationale Datentransfer steht laut der Umfrage (noch) gar nicht auf der Aufsichtsrats-Agenda: international haben sich erst 21 % der Aufsichtsräte mit diesem Thema beschäftigt. „Bedenkt man die heutige Abhängigkeit der Unternehmen von Technologie und die zunehmende Raffinesse der Cyber-Kriminalität, ist es auch in Österreich höchste Zeit, Datensicherheit und -schutz zur Chefsache zu erklären“, empfiehlt Bernhard Gröhs, Managing Partner Deloitte Österreich.

Korruption auf der Agenda

Die globalen Umfrageergebnisse offenbaren weiters Veränderungen in der Governance sowie Bedenken gegen Regulatorien und Compliance-Vorschriften, mit denen sich Unternehmen im täglichen Geschäft auseinandersetzen müssen. Sowohl in Österreich als auch global hat die Strategie Top-Priorität (63 Prozent), gefolgt von Organisationsstruktur (26 Prozent) und Risikomanagement (21 Prozent), nicht mehr Leistung und Leistungsbeurteilung.

Auffällig dabei sei, dass sich die Aufsichtsräte mehr mit der Bekämpfung von Korruption als in den vergangenen Jahren befassen. Dieser Aussage stimmten die meisten Befragten in Österreich voll und ganz zu, gefolgt von Irland, Indien und den Philippinen.

Nachholbedarf bei sozialen Medien

Der Nutzen von sozialen Medien ist ebenfalls bei den Aufsichtsräten in Österreich noch nicht angekommen, bzw. ist es noch nicht gelungen, diesen für die Unternehmen zu quantifizieren. Während rund die Hälfte der befragten Aufsichtsräte in Deutschland soziale Medien für sich nutzen, vor allem um herauszufinden, in welchen Bereichen sich ihr Unternehmen verbessern kann, geben 63 Prozent der befragten österreichischen Aufsichtsräte an, soziale Medien überhaupt nicht zu verwenden.

Diversity und Nachfolgeplanung

In Österreich geben weiters 74 Prozent der Befragten an, keine Diversity-Maßnahmen zur Zusammenstellung des Aufsichtsrats eingeführt zu haben. Damit liegen die Österreicher deutlich über dem globalen Durchschnitt von 63 Prozent. Auch in puncto CEO-Nachfolgeplanung hinkt Österreich im internationalen Vergleich hinterher. Die Vorreiter in diesem Bereich sind Finnland (66 Prozent), Nigeria (55 Prozent), Schweden (54 Prozent), Deutschland und die USA (jeweils 50 Prozent).

Link: Deloitte

 

 

    Weitere Meldungen:

  1. Compliance der Versicherer: Neues Fachbuch
  2. Compliance Solutions Day 2022: Es lebe die Vorbeugung
  3. Führung in der Krise: Eigenverantwortung oder Vorschriften?
  4. Zwei neue Chefinnen für Amrop in Österreich