19. Aug 2015   Business

OeKB Versicherung: Exportländer im Vergleich – wer lässt sich mit Zahlungen die meiste Zeit?

Karolina Offterdinger ©Martina Draper / OeKB Versicherung
Karolina Offterdinger ©Martina Draper / OeKB Versicherung

Wien. Die OeKB Versicherung veröffentlicht erneut die wichtigsten Exportländer, in denen die Zahlungen an ihre Kunden am häufigsten ausbleiben. Russland steht an der Spitze der Länder mit den höchsten Zahlungsverzügen, gefolgt von der Türkei und Indien. Neue Geschäftschancen kündigen sich dagegen etwa in Mittelamerika an. Verglichen wurden die Werte zum Ende des zweiten Quartals mit den Vorjahreszahlen.

Im Vergleich zum Vorjahr haben die Kreditversicherungskunden der OeKB Versicherung sowohl bei den Zahlungsverzügen als auch bei den aktuell eingetretenen Schäden einen Anstieg gemeldet. In 75 Prozent der Fälle ist ein Verzug Vorläufer eines Schadensfalles und daher eine wichtige Kennzahl. Das restliche Viertel resultiert aus der Insolvenz von Abnehmern.

„Wenn unsere Versicherungsnehmer steigende Verzüge melden, dann ist das für uns ein wichtiger Indikator für die zukünftige Entwicklung. Denn genau in diesen Ländern werden auch die Schäden steigen“, erklärt Karolina Offterdinger, Vorstand der OeKB Versicherung.

BRIC-Staaten: Schäden niedrig, Verzüge steigend

Die Schwellenländer sorgten in der Krise für einen Aufschwung der Weltwirtschaft, heißt es weiter. Die Versicherungsnehmer der OeKB Versicherung profitieren nach wie vor von der Hochkonjunktur vergangener Tage. Daher sind auch die Schäden durch Forderungsausfälle noch immer auf niedrigem Niveau. Aktuell melden die Exporteure allerdings in allen BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) steigende Zahlungsverzüge. Dies wird sich auch auf die in den kommenden Monaten eintretenden Schäden auswirken. Russland und Brasilien rutschen außerdem in die Rezession.

China in Turbulenzen

Chinas Wachstum verlangsamt sich 2015 auf etwa 6,5 Prozent. Das ist zwar noch immer ein Vielfaches vom österreichischen BIP Wachstum (0,9 Prozent), aber wenig, wenn man bedenkt, dass China infolge von Bevölkerungswachstum und Landflucht jährlich rund zehn Millionen Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft schaffen will. Indien ist der einzige BRIC-Staat, dessen Wirtschaftswachstum mit 4,9 Prozent zuletzt an Dynamik gewonnen hat. Die große Herausforderung des Landes bleibt die Armutsbekämpfung.

Türkei: Anstieg bei Verzügen und Schäden

Die Türkei galt als Hoffnungsmarkt. Viele Exporteure nutzten die neuen Geschäftschancen. Heute ist die Türkei ein weiteres Schwellenland, dessen Wachstumsraten drastisch zurückgingen – laut Statistikamt in Ankara von über 9 auf 2,9 Prozent. Die Arbeitslosigkeit ist laut Wirtschaftskammer Österreich (WKO) mit 9,9 Prozent auf sehr hohem Niveau, die Inflation beträgt 8,9 Prozent und auch die Wachstumsaussichten sind getrübt. Die geplante Anhebung des Leitzinses der Federal Reserve Bank im kommenden September lässt Experten weitere Turbulenzen in der Türkei erwarten. Einer der Gründe dieser Annahme ist das hohe Leistungsbilanzdefizit des Landes.

Hoffnungsmärkte: Mexiko, Ecuador und Peru

Die drei Länder scheinen erstmals in der Liste der Top 10-Verzüge der OeKB Versicherung auf. Hier seien die steigenden Zahlungsverzüge aber ein gutes Zeichen. „In Mexiko, Ecuador und Peru machen unsere Kunden verstärkt Geschäfte. Wir sehen das an der jeweils steigenden Deckungssumme. Das liegt wohl zum Teil daran, dass die BRIC-Länder schwächeln und sich die Exporteure mit unserer Unterstützung jetzt auf neue Märkte wagen“, erklärt Offterdinger den neuen Trend.

Die Zahlen des World Economic Outlook vom Internationalen Währungsfonds (IMF) bestätigen diesen Trend. Die Wachstumsraten von Mexiko (3 Prozent), Ecuador (1,9 Prozent) und Peru (3,8 Prozent) liegen jeweils über dem lateinamerikanischen Durchschnitt von 0,9 Prozent.

Ukraine: Verzüge wurden zu Schäden

Derzeit wird nur noch im bescheidenen Ausmaß in die Ukraine geliefert. Durch den anhaltenden Konflikt mit Russland sind die Zahlungsverzüge im ersten Quartal des Jahres um ein Vielfaches gestiegen. Im zweiten Quartal meldeten die Exporteure der OeKB Versicherung vermehrt, dass ihre Forderungen uneinbringlich sind. Aus den Verzügen wurden Zahlungsausfälle. Damit ist der aktuell starke Anstieg der Schäden in der Ukraine eine direkte Folge der hohen Zahlungsverzüge aus dem Vorquartal.

Link: OeKB Versicherung

 

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