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Business

Nachfolge im Familienbetrieb: Nein danke, sagen die Kinder

St. Gallen. Die meisten Studierenden aus Unternehmerfamilien wollen nicht in die Fußstapfen ihrer Eltern treten: Sie haben andere Karrierepläne. Die Nachfolgeabsichten von Unternehmerkindern in der deutschsprachigen Region liegen unter dem internationalen Durchschnitt, so eine Untersuchung des Center for Family Business der Uni St. Gallen (HSG) und von EY – die auch ein Rezept zur Motivation beibringen.

Das Interesse an einer Nachfolge hat in den vergangenen drei Jahren demnach weiter abgenommen. Befragt wurden über 34.000 Unternehmerkinder in 34 Ländern.

Die Ausgangslage

Familienunternehmen stehen vor einem Nachfolgeproblem, vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz:

  • Von 100 Studierenden in der Schweiz, deren Eltern ein Familienunternehmen besitzen, wollen nur 3,9% innerhalb von fünf Jahren nach Abschluss des Studiums Nachfolger werden.
  • Ungefähr jedes zehnte Unternehmerkind kann sich grundsätzlich vorstellen, irgendwann einmal die Nachfolge anzutreten (10,4%).
  • Die Zahlen für Deutschland und Österreich sind sehr ähnlich: 4,2% bzw. 11,2% in Deutschland und 3,4% bzw. 12,6% in Österreich).

Ist es woanders besser?

In England ist der Anteil derjenigen, die sich «Nachfolger werden» prinzipiell vorstellen können, deutlich höher (20,9%), dennoch geben auch dort nur 3,9% der Befragten an, in den fünf Jahren nach Studienabschluss Nachfolger werden zu wollen.

Die Länder der DACH-Region liegen damit deutlich unter dem globalen Schnitt, welcher bei 4,9% (Anteil der Unternehmerkinder mit festen Nachfolgeabsichten innerhalb von 5 Jahren nach Studienabschluss) beziehungsweise 19,8% (grundsätzlich bereite Nachfolger) liegt.

„Dass Nachfolgeabsichten bei Unternehmerkindern gering sind, haben wir bereits in der im Jahr 2012 publizierten Vorgängerstudie festgestellt“, sagt Prof. Philipp Sieger, Projektleiter der Studie.

Zu den Gründen gehören vor allem

  • die zahlreichen attraktiven Alternativen auf dem Arbeitsmarkt (fast 60% aller Unternehmerkinder streben eine Angestelltenlaufbahn an) sowie
  • der Wunsch, sich anderweitig unternehmerisch auszuleben (über ein Drittel aller Unternehmerkinder wollen ihr eigenes Unternehmen gründen).

„Dies zeigt, dass es nicht primär am fehlenden Unternehmergeist der nächsten Generation liegt“, ergänzt Prof. Thomas Zellweger, Mitautor der Studie. „Viele Unternehmerkinder wollen unternehmerisch aktiv werden, aber eben meist nicht im elterlichen Unternehmen“, so Peter Englisch, Global Leader des EY Family Business Center of Excellence: „Unternehmerfamilien stehen vor der Herausforderung, die jüngeren Familienmitglieder davon zu überzeugen, dass ihre langfristige Zukunft in ihrem Unternehmen liegen kann.“

Sich die Sporen verdienen

Die Nachfolgeabsichten sind in den vergangen Jahren schwächer geworden. Bei Studierenden von Hochschulen, welche sowohl an der Vorgänger- als auch an der aktuellen Studie teilgenommen haben, zeige sich weltweit ein Rückgang der Nachfolgeabsichten um etwa 30%. In Deutschland beträgt der Rückgang 46%, in Österreich 31%, und in der Schweiz 6%.

Eine mögliche Erklärung ist, dass die Alternativen auf dem Arbeitsmarkt zum Zeitpunkt der aktuellen Befragung noch zahlreicher und attraktiver sind als bei der ersten Befragung, heißt es. „Ausserdem sind Quantität und Qualität zwei verschiedene Dinge“, sagt Philipp Sieger.

Durch die umfassendere und verbesserte Lehre im Bereich Unternehmertum und Familienunternehmen sei zu erwarten, dass diejenigen Unternehmerkinder, welche bewusst und explizit Nachfolger werden wollen, deutlich besser vorbereitet und qualifiziert sind.

Töchter und Söhne

Unabhängig von Studienfach, Kultur und Geburtenreihenfolge weisen Töchter im Durchschnitt um 25% geringere Nachfolgeabsichten auf als Söhne. Dies sei auch der Fall, wenn das Familienunternehmen von der Mutter gehalten wird. „Es zeigt sich, dass Töchter eine unternehmerische Laufbahn als riskanter erachten als Söhne; ausserdem sind Söhne überzeugter von ihren eigenen unternehmerischen Fähigkeiten als Töchter“, so Zellweger.

„Prinzipiell ist anzuraten, Kinder Erfahrung im Familienunternehmen sammeln zu lassen“, sagt Sieger. Nachfolgeabsichten seien grundsätzlich stärker, wenn bereits erste Einsichten gewonnen wurden. Dabei spiele es keine Rolle, in welchem Alter Kinder das erste Mal ins Unternehmen „hineingeschnuppert“ haben.

Es zeige sich jedoch, dass man auch zu viel im elterlichen Unternehmen arbeiten kann: Mehr kumulierte Arbeitserfahrung sorgt zunächst für sich verstärkende Nachfolgeabsichten; findet an einem gewissen Punkt jedoch keine Nachfolge statt, schwächen sich die Nachfolgeabsichten wieder ab.

Der richtige Zeitpunkt

Es gibt also einen verhältnismässig günstigen Zeitpunkt für eine Nachfolgelösung, sagt Philipp Sieger: „Wird einem Unternehmerkind jedoch zu lange die eigentliche Nachfolge verwehrt, kann dies als fehlendes Vertrauen interpretiert werden, was andere Karriereoptionen wiederum attraktiver erscheinen lässt.“

Link: Uni St. Gallen

 

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