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Tatort Arbeitsplatz – Weisser Ring startet Offensive gegen Gewalt

Wien. Gewalt im Berufsalltag nimmt zu: Nahezu jeder zweite Arbeitnehmer hat in Österreich schon einmal eine Gewalterfahrung am Arbeitsplatz gemacht. Dienstleistungssektor, Gastronomie, medizinische und soziale Berufe sowie der Sicherheits- und Verkehrsbereich sind besonders betroffen. Die Opferhilfeorganisation Weisser Ring will per Kooperationsvertrag mit Gewerkschaften gegensteuern.

Allgemein nehme die Gewaltbereitschaft in der Öffentlichkeit zu. „Unzureichende Information der Gewaltopfer über ihre Rechte und Unterstützungsmöglichkeiten ist das größte Problem im Bereich der Opferhilfe“, betont Udo Jesionek, Präsident des Weissen Ringes. „Vielen Menschen könnte durch rechtzeitige psychologische und juristische Unterstützung größeres Leid, manchen sogar die Berufsunfähigkeit, erspart werden.“

Unterschätzte Risiken

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion von Experten/-innen bei der Tagung „Tatort Arbeitsplatz“ im Innenministerium wurden weitere Schwierigkeiten angesprochen: zu wenig Verständnis und kaum Krisenpläne vonseiten der Betriebsführungen, Unterschätzung der Folgen und Risiken für Arbeitsfähigkeit und Gesundheit der Betroffenen, unklare Haftungssituationen – vor allem bei prekären Arbeitsverhältnissen – und vieles mehr.

ÖGB-Präsident Erich Foglar im Rahmen der Veranstaltung: „Es gibt Instrumente zur Gewaltprävention, es gibt Möglichkeiten zur Deeskalation und es gibt vielfältige Angebote zur Unterstützung. Ich denke, dass Information und Klarheit dazu beitragen, Gewalt am Arbeitsplatz aus der Tabuecke zu holen.“ Jesionek ergänzte: „Jedes Gewaltopfer hat ein Recht auf bestmögliche Unterstützung. Das heißt: rasche, unbürokratische und vor allem nachhaltige Hilfe. Gemeinsam können wir mehr erreichen!“

Forderungen des Weissen Ringes

  • Verpflichtung für Arbeitgeber/innen Betroffene, über Opferschutzeinrichtungen und Hilfsmöglichkeiten zu informieren
  • Verstärkung der Präventionsarbeit durch regelmäßige Schulungen unter Einbeziehung von Opferhilfeeinrichtungen
  • Bewusstseinsbildung und Verbesserung des Schutzes von Personen in prekären Arbeitsverhältnissen
  • Ernennung einer/s Opferbeauftragten in Betrieben über 100 Mitarbeiter/innen
  • Recht auf Versetzung innerhalb eines Betriebes, wenn das Opfer bestimmte Tätigkeiten nicht mehr ausüben kann
  • Zeitlich begrenzter Kündigungsschutz nach einer Gewalttat
  • Die Zuerkennung von besonderer Schutzbedürftigkeit im Strafverfahren

Gewerkschaft und Weisser Ring verständigen sich auf eine Intensivierung der gemeinsamen Lobbying-Arbeit. So wurde ein Kooperationsvertrag zwischen den Gewerkschaften vida und younion mit dem Weissen Ring abgeschlossen.

Link: Weisser Ring

 

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