05. Apr 2016   Business

Banken bleiben trotz Sparwelle zuversichtlich, so EY

Wien. Europas Banken planen einen weiteren Stellenabbau, geben sich bei der eigenen Geschäftsentwicklung aber durchaus zuversichtlich, so das neue „EY European Banking Barometer 2016“.

  • Mehr als die Hälfte (54%) der europäischen Kreditinstitute will ihren Personalbestand in den kommenden zwölf Monaten zu reduzieren, nur 26 Prozent rechnen mit zusätzlichen Neueinstellungen. Damit sollen die geplanten Einschnitte noch drastischer ausfallen als vor einem Jahr – damals gingen 43 Prozent von Personalkürzungen aus, so EY.
  • In Österreich steht sogar bei 60 Prozent der Banken ein „leichter oder deutlicher“ Stellenabbau auf dem Plan – 2015 war es die Hälfte (50%).
  • Nur in Spanien, den Niederlanden (jeweils 67%) und Deutschland (61%) sollen die Personaleinschnitte noch tiefer ausfallen.

Das sind Ergebnisse des aktuellen European Banking Barometers der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die 250 Banken in Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, den Niederlanden, Österreich, Polen, den skandinavischen Ländern, Schweiz und Spanien befragt wurden.

Niedriges Zinsniveau und strengere Regularien verstärken Sparkurs

Hauptgründe für den Sparkurs der Banken seien zum einen das historisch niedrige Zinsniveau, das die Zinseinnahmen schrumpfen lässt, zum anderen hohe regulatorische Anforderungen an Eigenkapital, Liquidität und Risikovorsorge, die die Gewinnmargen belasten, kommentiert Georg von Pföstl, Leiter Financial Services Advisory bei EY Österreich: „Im aktuellen Niedrigzinsumfeld gibt es für die Banken im klassischen Kreditgeschäft kaum noch etwas zu verdienen.“

Vorerst sei keine Besserung in Sicht, im Gegenteil: „Die Eurozone lockert ihre Geldpolitik weiter und die schwache Entwicklung an den Kapitalmärkten führt zu sinkenden Einnahmen aus dem Wertpapierhandel“, so Georg von Pföstl. Gleichzeitig drängen immer neue Wettbewerber auf den Markt und verstärken den ohnehin hohen Preisdruck.

Die Beschäftigungslage im gesamteuropäischen und österreichischen Bankensektor bleibe daher angespannt: Die Personalausgaben machen knapp über die Hälfte der operativen Kosten der Branche aus.

Immerhin: Zumindest im europäischen Durchschnitt dürfen sich die verbleibenden Mitarbeiter nach mehreren mageren Jahren auf ein leichtes Gehaltsplus freuen, so EY: Mehr als ein Fünftel (22%) will die Gesamtvergütung in diesem Jahr erhöhen, allerdings planen auch 17 Prozent Einschnitte.

In Österreich müssen Mitarbeiter hingegen eher den Gürtel enger schnallen: Hierzulande wollen nur zehn Prozent die Gesamtvergütung anheben, doppelt so viele (20%) planen eine Reduktion.

Konsolidierungswelle in Österreich erwartet

In keinem anderen Land erwarten so viele Banker eine Konsolidierungswelle wie in Österreich:

  • Für die kommenden zwölf Monate rechnen vier von fünf (80%) Befragten – und damit europaweit die meisten – mit einer „mittleren“ oder sogar „erheblichen“ Konsolidierung im heimischen Bankensektor.
  • In Bezug auf die kommenden drei Jahre erwarten dies sogar fast alle Institute (90 Prozent).

Angesichts der aktuell schwierigen Situation vieler Banken rechnen Bankmanager mit einer spürbaren Marktbereinigung: Viele Banken werden auf sich allein gestellt nicht in der Lage sein, sich dafür mit den notwendigen Investitionen, beispielsweise in die Digitalisierung, zu rüsten und gleichzeitig einen Sparkurs einzuschlagen, heißt es.

Stimmungslage trotz schwieriger Rahmenbedingungen positiv

Dem schwierigen Marktumfeld und geplanten Einschnitten zum Trotz überwiegt der Optimismus bei Europas Bankmanagern: Immerhin 52 Prozent – und damit nur knapp weniger als vor einem Jahr (56%) – erwarten, dass sich ihr operatives Geschäft in den kommenden zwölf Monaten verbessern wird, weniger als jede vierte Bank (23%) erwartet eine Eintrübung. In Österreich rechnen sogar sechs von zehn Banken mit besseren Geschäften in den kommenden zwölf Monaten (2015: 50%). Nur Banker in Irland (76%), Großbritannien (68%) und Spanien (66%) sind noch zuversichtlicher.

Im Durchschnitt gehen auch 43 Prozent der europäischen Banken (Österreich: 30%) von einem Anstieg der Eigenkapitalrendite aus, nur 18 Prozent (Ö: 20%) rechnen mit einem Absinken.

Besonders gut sind nach Ansicht der meisten Banken europaweit (63%) die Perspektiven für das gehobene Privatkundengeschäft. Außerdem setzen sie stark auf das Firmenkundengeschäft (59%). In Österreich liegt der Fokus ebenfalls auf dem gehobenen Privatkundengeschäft sowie Retail Banking, Wertpapierdienstleistungen und Transaktionsberatung.

Ein Austritt Großbritanniens aus der EU würde europaweit bei fast jeder vierten Bank (23%) nach eigener Einschätzung zu einer starken Beeinträchtigung der Geschäftstätigkeit führen. Besonders betroffen von einem Brexit wären britische und irische Banken, bei denen sogar 53 bzw. 48 Prozent mit erheblichen Problemen rechnen.

Österreichische Institute sehen einen möglichen Austritt Großbritanniens vergleichsweise sehr gelassen: Hierzulande sehen vier von zehn Banken keinerlei negative Auswirkungen im Fall eines Brexit, kein Institut rechnet mit stark negativen Folgen für das eigene Geschäft. 40 Prozent rechnen mit „mittleren“ Auswirkungen im Fall eines EU-Austritts von Großbritannien.

Banken wollen mehr Kredite vergeben – vor allem an den Mittelstand

Trotz durchwachsener Konjunkturaussichten gehen die Banken von einer Lockerung ihrer Kreditvergabepolitik für die meisten Branchen aus. Davon sollte vor allem der Mittelstand profitieren: 49 Prozent  der europäischen und immerhin 38 Prozent der österreichischen Bankmanager geben an, mehr Kredite an kleine und mittelständische Unternehmen vergeben zu wollen.

In Österreich soll die Kreditvergabe außerdem vor allem in der Gesundheitsbranche (50%) sowie im Bereich der gewerblichen und professionellen Dienste (38%) gelockert werden. Europaweit profitieren neben Mittelstandsunternehmen ebenfalls die Gesundheitsbranche (43%) sowie Industrieunternehmen (38%). Betroffen dürften in Österreich hingegen vor allem Finanzdienstleister bzw. europaweit die Energiebranche sein: Für diese Branchen rechnen die Banken mit einer tendenziell restriktiveren Kreditvergabe.

Link: EY

 

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