26. Apr 2016   Business Veranstaltung

CFO-Forum tagt: Von Free Cashflow bis China-Konjunktur

Hans Jörg Schelling ©Sabine Klimpt / Business Circle
Hans Jörg Schelling ©Sabine Klimpt / Business Circle

Stegersbach. Das CFO-Forum versammelte rund 200 CFOs und Finanzexperten für zwei Tage in Stegersbach. Finanzminister Hans Jörg Schelling folgte der Einladung von Gastgeber Gerhard Pichler (Business Circle) und beleuchtete in seinem Eröffnungsvortrag den Finanz- und Wirtschaftsstandort Österreich.

„Österreich und Europa sind auf dem Wachstumskurs zurück, doch die Staatsschulden sind noch nicht stabilisiert. Um die Staatsschuldenquote nachhaltig zu senken, brauche es ein wesentliches stärkeres Wachstum jenseits der Drei-Prozent-Marke. 2015 ist das Budget wesentlich besser gelaufen als geplant, doch es gab auch Mehrbelastungen, etwa durch die Bewältigung der Flüchtlingsströme. Bis 2020 soll die Finanzverwaltung noch einfacher, effizienter und elektronischer werden und damit zu den besten in Europa zählen“, so Schelling.

Abschließend wünschte sich der Finanzminister: „Wenn wir die gleiche Energie in Optimismus statt in Raunzen investieren würden, hätten wir vier Prozent Wirtschaftswachstum und in weniger als zehn Jahren eine Staatsschuldenquote von unter 60 Prozent.“

Von Free Cashflow bis China-Wachstum

Es folgte die CFO-Agenda mit den Finanzvorständen Alexander Koch (Bramac), Willy Van Riet (Wienerberger), Barbara Potisk (RHI) und David Davies (OMV). Ergebnisabsicherung, systematische Digitalisierung, Free Cashflow, Cash-Reserven, EBITDA-Management und Rating waren dabei die meistgenannten Prioritäten der Finanzverantwortlichen.

Prof. Xuewu Gu, Chinaexperte der Universität Bonn, analysierte die aktuellen Entwicklungen in China: Das Wachstum hat sich im Reich der Mitte um 40 Prozent verlangsamt. 2015 sind die Exporte um 25,4% und die Importe Chinas um 13,8% geschrumpft. Während es in den Branchen Stahl, Eisen und Textil massive Überkapazitäten gebe, sehe er große Marktchancen im Bereich sicherer Lebensmittel und in der Abdeckung der Bedürfnisse von Neureichen etwa durch Privatkindergärten und andere Dienstleistungen für Jungfamilien. Gu forderte mehr Mut für ein Engagement in China: „Das Risiko ist größer, nicht nach China zu gehen und stattdessen zu Hause zu bleiben.“

Next Generation CFOs im Rampenlicht

Alfred Luger (Runtastic) und Christoph Schnedlitz (Pioneers) zeigten auf, wie sie als CFOs von jungen, stark wachsenden Unternehmen mit Planungsunsicherheit und disruptiven Technologien umgehen. Nach ihrer Ansicht habe EBITDA als Kennzahl zugunsten von z.B. User-Wachstum und der Verbreitungsrate neuer Technologien ausgedient. Evelyne Freitag (Goodyear Dunlop) und Walter Oblin (Österreichische Post) gaben Einblicke, wie sie als Finanzvorstände von Traditionsunternehmen den digitalen Wandel vorantreiben.

In der Diskussionsrunde mit Robert Ottel (voestalpine), Werner Muhm (Arbeiterkammer Wien) und Peter Lennkh (RBI) wurde der Wirtschaftsstandort Österreich zwischen Anspruch und Wirklichkeit heftig debattiert. Während Muhm das Glas halb voll sieht, monierte Ottel das Schwinden der Wettbewerbsfähigkeit Österreichs durch überbordende Bürokratie und Auflagen. Lennkh wies auf das Abfallen in internationalen Rankings hin und er vermisse weit und breit eine Trendumkehr.

Für Ottel ist der Verteilungskampf ausgereizt, während Lennkh die hohen Arbeitskosten mit 30 Prozent über dem EU-Durchschnitt als kritisch betrachte. Trotz der hohen Abgabenquote haben sich die Staatsschulden seit dem Jahr 1980 auf rund 300 Milliarden Euro verzehnfacht. Einigkeit herrschte, dass es Österreich nach dem EU-Beitritt verabsäumte, die Gesetzgebungs-Kompetenz der Bundesländer einzuschränken.

Abschließend gaben die Ökonomen Peter Brezinschek (RBI) und Christian Helmenstein (Industriellenvereinigung) einen Konjunkturausblick. Für Helmenstein laufe die Wirtschaft momentan „besser als es die Kapitalmärkte suggerieren. Der Containerumschlag-Index und Einkaufsmanager-Index steigen.“ Brenzinschek warnte: „Die Geldpolitik ist kein gutes Mittel für die Realwirtschaft. Fehlende Flexibilität, Überregulierung und Überadministrierung machen dem heimischen Standort zu schaffen.“

Link: Business Circle

 

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