31. Mai 2016   Business

IMD stuft Österreich hinauf, Industrie warnt trotzdem

Wien. Mitten in die Diskussion um den angeschlagenen Wirtschaftsstandort Österreich platzt das neue Schweizer IMD-Ranking – und wertet das Land auf. Österreich liegt nun unter den kompetitivsten Ländern der Erde auf Platz 24 statt 26. Doch in den Augen der Industriellenvereinigung ist das kein Ruhekissen.

Als „weiterhin beunruhigend“ bezeichnet der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Christoph Neumayer, konkret das Ergebnis des jüngsten „World Competitiveness Scoreboard 2016“ des renommierten Schweizer Instituts IMD, das mehrheitlich auf harten Fakten beruhe.

„Österreich hat sich in Sachen Standortqualität erfreulicherweise um zwei Plätze verbessert, damit aber bestenfalls auf mittelmäßigem Niveau eingependelt, zumal der geringe Aufstieg vor allem der Verschlechterung anderer Standorte (Mainland-China und Südkorea) geschuldet ist. Unser Land leidet an einer mittlerweile chronischen Investitionsschwäche, zählt zu den Wachstumsschlusslichtern in der EU und ist mit ständig weiter steigender Rekordarbeitslosigkeit konfrontiert“, so Neumayer.

Hoffnungsschimmer seien die jüngst erfolgten Ankündigungen der neu aufgestellten Bundesregierung, Prioritäten vor allem in den Bereichen Wirtschaft und Arbeitsmarkt, Innovation und Forschung, Entbürokratisierung sowie Bildungsreform und Integration zu setzen. „Positiv ist, dass die Probleme zunächst erkannt und benannt wurden. Entscheidend wird nun sein, dass Unternehmen rasch Signale erhalten und konkrete Maßnahmen umgesetzt werden, die das Vertrauen in den Standort wieder stärken und das Investitionsklima verbessern.“

Die Kritikpunkte

Auffällig sei, dass Österreich weiterhin vor allem im Bereich „Effizienz der Regierung“ schlecht beurteilt werde.

  • Angesichts der aktuell fünfthöchsten Steuer- und Abgabenbelastung in der EU bei einer gleichzeitigen Staatschuldenquote jenseits der 85 Prozent des BIP würden die „Hard Facts“ die Einschätzung eindrucksvoll bestätigen.
  • Im Ranking spiegeln sich die Reformversäumnisse der vergangenen Jahre etwa mit Rang 40 bei den öffentlichen Finanzen und gar nur Rang 60 bei der Fiskalpolitik unter insgesamt 61 untersuchten Staaten wider.
  • Im Gegensatz dazu schneidet Österreich in weiten Teilen der Bereiche „Infrastruktur“ (u.a. Rang 12 bei „Basic Infrastructure“) und „Effizienz der Wirtschaft“ (u.a. Rang 14 bei „International Trade“) überdurchschnittlich gut ab.

„Unter dem Motto ‚Entbürokratisierung jetzt‘ müssen die von der Bundesregierung vor nun fast einem Jahr beschlossenen Maßnahmen aus dem Reformdialog Verwaltungsvereinfachung schnell umgesetzt werden“, so Neumayer. Ebenso dringend sei die dringend notwendige Modernisierung der Arbeitszeitregelungen hin zu mehr Flexibilität für Menschen und Unternehmen.

Weiters müsse die enorm hohe Steuer- und Abgabenlast für die Unternehmen gesenkt werden: „Die von uns vorgeschlagene Halbierung der KÖSt auf nicht entnommene Gewinne sowie ein konkreter Pfad zur Lohnnebenkostensenkung in Richtung des deutschen Niveaus von rund 22 Prozent wären hier deutliche und positive Signale.“

Link: IMD

Link: Industriellenvereinigung

 

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