16. Jun 2016   Business Recht Veranstaltung

Finance Karriere-Talk: Gesundheit, Sicherheit im Job

Kraus, Heidinger, Frank-Thomasser, Stradner, Mahlodji ©www.financekarriere.at
Kraus, Heidinger, Frank-Thomasser, Stradner, Mahlodji ©www.financekarriere.at

Wien. Hill Woltron-Senior Partner Peter Kraus lud zum Finance Karriere-Talk: Im Zentrum standen Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz. Anwältin Alix Frank-Thomasser und whatchado-Gründer Ali Mahlodji beleuchteten das Thema. Das Spannungsfeld reicht von der gesetzlichen Fürsorgepflicht des Arbeitgebers bis zum Spaß an der Arbeit als Gewinnbringer.

Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung sind in vielen österreichischen Unternehmen längst große Themen, heißt es: Immerhin lohnen sich Investitionen in die Gesundheit der Mitarbeiter nicht nur für sie selbst – auch die Unternehmen profitieren. Krankheitsbedingte Fehlzeiten und die damit verbundenen Kosten können um fast 30 Prozent reduziert werden, so die Personalexperten.

Auch die Mitarbeiterfluktuation in Unternehmen mit umfassenden Maßnahmen zur physischen und psychischen Gesundheitsförderung sinke deutlich. Peter Kraus – Senior Partner von Hill Woltron und Gründer der fachspezifischen Networking- und Kommunikationsplattform Finance Karriere Österreich – lud Unternehmer, HR-Verantwortliche und Arbeitnehmer in die Räumlichkeiten der Allianz Versicherung zu einem Talk zum Themenkomplex.

Gesetzliche Fürsorgepflicht als Herausforderung und Chance

Alix Frank-Thomasser, Geschäftsführerin der Alix Frank Rechtsanwälte GmbH beleuchtete die rechtlichen Aspekte und die Aufgabe und Verpflichtungen von Unternehmen und Unternehmern, Mitarbeiter in die Lage zu versetzen auf körperlicher, geistiger, sozialer und psychischer Ebene ihre Arbeit zu bewältigen.

„Im Bereich des Arbeitsrechtes kommen jene Menschen zu uns, deren negative Stresssituation dadurch hervorgerufen wird, dass das Arbeitsklima für sie aus den unterschiedlichsten Gründen einfach unerträglich ist. Der Wohlfühlfaktor beginnt bereits bei der Einstellung“, so Frank-Thomasser.

Die davon betroffenen Bereiche reichen von der Überwachung der privaten Nutzung von Kommunikationsmitteln bis hin zum Umgang mit Mitarbeitern in einem Umfeld von großer Diversität, in der wir im heutige Arbeitsumfeld agiere, so Frank-Thomasser. Auch Mobbing sei ein Gegenstand, den es in vielfacher Ausgestaltung gibt – sowohl seitens der Mitarbeiter, als auch vom Arbeitgeber selber ausgehend.

Zusammengefasst könne und soll die gesetzliche Fürsorgepflicht, die ein Unternehmen für seine Mitarbeiter trägt, auch dazu beitragen, dass diese wertschöpfend zum Unternehmen beitragen und nicht schon in jungen Jahren in einem Burnout landen.

Es zahlt sich für das Unternehmen aus

Ali Mahlodji, Gründer der Video-Berufs- und Lebensberatungsplattform whatchado hat selbst einen Lebenslauf, wie er in der klassischen Personalberatung wohl nicht so gerne gesehen wird. Aus einer Idee und einem Projekt unter vier Freunden hat er in wenigen Jahren ein Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern aus 15 Nationen entwickelt.

In Österreich nehmen 10% der Menschen Antidepressiva. Das sind 800.000 Menschen und die Zahlen steigen. Zugleich sinken aber die Krankenstandszeiten. „Das passt nicht zusammen. Die Leute stehen nicht mehr zu sich selbst und zu ihren Problemen. Die Menschen haben Angst zu sagen: >Ich kann nicht mehr<“, so Ali Mahlodji.

Er selber hat einen Führungsstil geprägt, den er Human Focused Management nennt. „Denn wir können es uns nicht leisten Geld zu verschwenden, weil wir uns nicht auf die Menschen fokussieren.“ Die fünf Säulen dafür sind Sinn, Selbstverantwortung, Spaß, Körper und >Gesehen werden<.

Von Vorschriften, die dazu führen, dass Mitarbeiter die Selbstverantwortung an der Eingangstür zum Büro abgegeben hält Ali Mahlodji wenig: „Wir dürfen Kinder in die Welt setzen, wir dürfen eine Bundesregierung wählen, wir dürfen ein Auto lenken. Und dann kommst Du in eine Firma und man sagt Dir: Mittagessen nur zwischen 13 und 14 Uhr, und bitte keine privaten Telefonate führen. Das ist doch verrückt!“

Bei whatchado werde den Mitarbeitern ab dem ersten Tag an ein hohes Maß an Selbstverantwortung übertragen. Es werden klare Ziele formuliert – den Weg dorthin wähle der Mitarbeiter selber.

Im whatchado-Team werde der Geburtstag jedes Mitarbeiters richtig gefeiert, nach den ersten drei Monaten bekommt jeder neue Mitarbeiter weiße Turnschuhe, konnte ein neuer Kunde gewonnen werden läuft der Salesleiter mit einer Kuhglocke durch das Büro und lässt alle an diesem Erfolg teilhaben und mitfeiern. Einmal im Jahr fährt das gesamte Team einige Tage gemeinsam auf Urlaub. „Das alles kostet Geld, ja. Aber wenn du weißt wie das Gehirn funktioniert ist es ganz klar, dass du Spaß in dein Unternehmen und die Arbeit der Menschen bringen musst.“

Eine gewisse Hierarchie, Strukturen, Prozesse, Zeitaufzeichnungen, das alles ist wichtig – viel wichtiger aber sei es Ziele zu haben, die klar an die Mitarbeiter kommuniziert werden. Warum Unternehmen so häufig den Fehler machen ihre Mitarbeiter nicht als das größte und wichtigste Potential sehen, sie dementsprechend behandeln und ihnen das zu geben, kann Ali Mahlodji nicht verstehen: „Sie würden doch Ihren Benziner auch nicht mit Diesel betanken, oder?“

Link: Finance Karriere Österreich

Link: Alix Frank

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