25. Aug 2016   Business Recht

Der größte Schuldner zahlt jetzt schneller, so KSV

Wien. Die öffentliche Hand lässt sich nicht lumpen: Besonders Gemeinden zahlen jetzt deutlich schneller als in den Vorjahren, zeigt eine Studie des KSV1870 zum Zahlungsverhalten. Das Bundesvergabegesetz wirke sich aus.

Grundsätzlich sei die Zahlungsmoral in Österreich intakt:

  • 82% der österreichischen Gemeinden begleichen ihre Rechnungen pünktlich
  • 80% der Bundesbehörden tun dies und
  • 79% der Länder

Damit liege die öffentliche Hand sogar schon vor den Unternehmen, von denen 76% innerhalb des vereinbarten Zahlungsziels überweisen. Österreichs Firmen zahlen im Durchschnitt spätestens nach 29 Tagen ihre Verbindlichkeiten.

Umdenken hatt stattgefunden

Bei den Zahlungsfristen zeige sich, dass der öffentlichen Hand mehr Spielraum gelassen wird: Sie hat im Schnitt 32 Tage Zeit, während man von Unternehmen die Begleichung in 24 Tagen erwartet. Dieser kleinere Spielraum verzerre natürlich das Bild etwas, jedoch streut Johannes Nejedlik, Vorstand der KSV1870 Holding AG, der öffentlichen Hand Rosen: „Ein Zahlungsverzug ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein Verlust für die Gläubiger, und der kann drastische Folgen haben. Das Bundesvergabegesetz mit seinen 30 Tagen Zahlungsfrist dürfte bei den öffentlichen Institutionen das Bewusstsein dafür geschärft haben, dass Dienstleister und Zulieferer ihrerseits ihre Mitarbeiter und Verbindlichkeiten bezahlen müssen.“

  • Auch die befragten Unternehmen gaben an, dass sie mit dem Zahlungsverhalten ihrer Firmenkunden zufrieden seien, 12% sprechen sogar von einer Verbesserung.
  • Bei den Privatkunden sei man diese Disziplin schon beinahe gewöhnt: Bei 72% ist die Zahlungsmoral gut, bei 9% hat sich diese sogar noch einmal verbessert.

Besser schnell mahnen

Besonders gut zahlt man im Westen, Richtung Osten nimmt die Zahlungsmoral etwas ab. Und was tun Gläubiger, um die Zahlungsmoral ihrer Schuldner anzukurbeln? Auch wenn diese in weiten Teilen gut ist, geben nur 18% der Befragten an, niemals Maßnahmen zur Forderungseinbringung ergreifen zu müssen. Die restlichen 82% setzen meist zuerst auf eigene Versuche, wie schriftliche, telefonische, sogar persönliche Mahnung. Das tun sie auch sehr schnell, in 31% aller Fälle bereits innerhalb von 7 bis 10 Tagen nach Fälligkeit.

Johannes Eibl, Geschäftsführer der KSV1870 Forderungsmanagement GmbH: „Die Chancen auf Bezahlung sinken mit jedem Tag nach Fälligkeit rapide. Daher raten wir keinesfalls dazu, abzuwarten. Nur schnelle und effiziente Betreibungsschritte führen zum Ziel“.

  • 28%, also mehr als ein Viertel aller offenen, fälligen Rechnungen, müssen extern zur Betreibung gegeben werden, so der KSV.
  • Die dabei eingeforderten Verzugszinsen sind gesetzlich geregelt und auch Mahnkosten werden gesetzlich als Schadenersatz gewertet. Trotzdem geben sich laut den Angaben 64% der Unternehmen bei Privat- und Firmenkunden letztlich mit der Bezahlung der Kapitalforderung zufrieden, bei öffentlichen Institutionen sind es sogar 72 %, die auf die ihnen zustehenden Zinsen und Spesen verzichten.
  • Der durchschnittliche Forderungsverlust betrug laut Umfrage 2% des Umsatzes.
  • Um diesen Verlust auszugleichen, stellen 50% der Unternehmen einzelne Kunden auf sichere Zahlungsarten, wie Vorauskassa oder Nachnahme, um.
  • 54% der Befragten versuchen, Forderungsverluste bereits im Vorfeld zu limitieren, indem sie gezielt Liefersperren setzen, 27% tauschen sich untereinander aus, indem sie Erfahrungen weitergeben, 15 % schließen Kreditversicherungen ab.

Zufriedenheit stimmt optimistisch

Waren es im Vorjahr noch weniger als 50%, die ihre momentane Geschäftslage positiv einschätzten, so sind es diesmal bereits 53%. Die befragten Unternehmen blicken auch optimistisch auf die kommenden Monate: 41% (+ 7%) erwarten eine gute Geschäftsentwicklung, 8% (+ 3%) sogar eine sehr gute. Und auch das Zahlungsverhalten der eigenen Kunden werde von 55% (+ 8%) entsprechend positiv erwartet, fast 4% prognostizieren sogar weitere Verbesserungen, heißt es.

Link: KSV1870

 

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