Steuerberater SOT fragt nach Recht des Marktes

Velden. Mit der provokanten Frage „Der Markt hat immer recht – Hat der Markt immer recht?“ eröffnete Anton Schmidl die 17. Sommergespräche der Süd-Ost Treuhand (SOT) am Wörther See. Proponenten des Manchester-Liberalismus trafen auf Profis, Praktiker und Politiker mit starken Wirtschaftswurzeln.

Rund 150 Personen aus Finanz, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik waren gekommen, so die Veranstalter. „Ziel dieser bereits traditionellen Veranstaltung der Süd-Ost Treuhand Gesellschaft ist es kontroversielle Gedanken zuzulassen, zu diskutieren und den Widerspruchsgeist zu fordern“, so Schmidl: „Denn ob freier Markt oder Marktbeschränkungen, viele unterschiedliche ökonomische Sichtweisen und Modelle sind im Laufe der Jahrhunderte entstanden, versunken oder hatten Bestand.  Welche nun die wirklich richtige ist? Das sollte diskutiert werden.“

Statements der Wissenschaft

  • Prof. Hans-Hermann Hoppe, Ökonom und Philosoph, provozierte mit der Ansage, dass der Markt immer recht hat, daher die Politik überflüssig wäre und setzt auch Politiker und jene die über staatliche Zuwendungen finanziert werden mit Kriminellen, bzw. Gaunern gleich. Weiters vertrat er die Meinung, dass nur die Existenz von Privateigentum Konflikte vermeiden könne. „In einer Demokratie“, so ergänzte Hoppe, der seine sehr provokante These – basierend auf den Erkenntnissen von Ludwig von Mises –  „enteignet die eine Gruppe die anderen durch Stimmzettel.“
  • Dem gegenüber setzte Ingolfur Blühdorn, Leiter des Instituts für Gesellschaftswandel und Nachhaltigkeit (IGN) an der WU Wien entgegen, dass der Markt nur unter Idealbedingungen recht haben könne, aber unter normalen Bedingungen nie. „Aber“ so Blühdorn, „der Markt erzeugt keine Werte. Märkte werden politisch geschaffen und müssen auch geregelt werden.“ Gerade die Auszehrung der gesellschaftlichen Grundlagen habe die Nachhaltigkeitskrise erst ermöglicht. Denn die Marktliberalisierung habe die Wirtschaft nicht auf ein stabileres Fundament gestellt. Probleme wie Arbeitslosigkeit, Migration, Klimawandel, etc. erzeugen Sehnsucht nach Orientierung gebenden Führern oder religiösen Fundamentalwahrheiten. „Wer nach mehr Privat ruft“, so Blühdorn „spielt mit dem Feuer“. Allerdings sieht er die derzeitige Politik überfordert, mit diesen überregionalen Problemen fertig werden zu können, da immer noch nur national gedacht werde.
  • Ökonom und Kulturwissenschafter Walter Ötsch betrachtete den Markt aus historischer Sicht. Er ist der Meinung, dass es den Markt gar nicht gäbe. Er mahnte auch ein, dass die Effizienzfrage in der Wirtschaft den Diskurs nicht dominieren darf und bemängelte, „dass nicht nur die Politik sondern auch die Wissenschaft kein Konzept des Neuen habe. Der Zukunftsdiskurs fehlt in Österreich total“.

Diskussionen der Profis

Am Nachmittag diskutierte Horst Peter Groß, Leiter des Institutes zur Förderung von Wissenschaft und Forschung (IFWF) der Kärntner Sparkassen AG mit Brigitte Ederer, ehemaliges Regierungsmitglied für die SPÖ und u.a. ehemaliges Vorstandsmitglied der Siemens AG Deutschland.

Isep, Ederer, Rohr ©SOT / Video - Film - Fritz
Isep, Ederer, Rohr ©SOT / Video – Film – Fritz

Ederer, die sowohl in der Politik, als auch auf der Unternehmensseite nicht nur Erfahrungen, sondern auch Karriere machte, kennt daher nicht nur die politisch-volkswirtschaftliche, sondern auch die unternehmerisch-betriebswirtschaftliche Seite. Für Ederer gibt es selbstverständlich Bereiche die nicht betriebswirtschaftlich geregelt werden können. „Gerade im Infrastrukturbereich ist der volkswirtschaftliche Aspekt ein sehr wichtiger. Sonst würde es z.B. in strukturschwachen Regionen weder Straßen noch Verkehrsmittel geben.“

Sie weise aber auch darauf hin, dass in der Politik andere Kompetenzen, als in der Wirtschaft nötig seien. „Denn in der Politik ist das Bohren harter Bretter vorrangig, da niemand wirklich etwas durchsetzen kann, sondern Überzeugungsarbeit auch in den eigenen Reihen mühsam erfolgen muss“. Die Politikverdrossenheit sieht Ederer auch darin begründet, dass die Effizienz in der Politik überschaubar sei. Darüber hinaus bemerkte sie sehr selbstkritisch an: „Die Sozialdemokratie hat die Menschen zu sehr verwöhnt und sie hin zur Anspruchsgesellschaft geführt. Wir haben viel zu wenig darauf hingewiesen, dass es auch Pflichten gibt.“ Das jetzt zu ändern sei dringend nötig, aber schwer.

Die Gästeliste

Nach ausgiebiger Diskussion und Zusammenfassung durch Andreas Maier, Partner der SOT Klagenfurt, endeten die 17. SOT Sommergespräche, mit dem Verweis, dass es am 25. August 2017 weitergeht, so die Veranstalter.

Gesichtet wurden laut den Angaben u.a.: Janko Arah, Arah Consulting; Otto Biedermann , Conviba Unternehmensberatung; Günter Bodner, Ics-Information Systems; Doris Burgstaller, Kärntner Landesregierung; Angelika Duckenfield, Hirsch Armbänder; Alix Frank Thomasser, Alix Frank Rechtsanwälte; Winfrid Haider, AK Kärnten; Erich Hartlieb, FH Kärnten; Christoph Herzog, Treibacher Industrie; Hubert Isopp, Bistum Gurk; Viktor König, BKS Bank; Peter Kraus, Hill International; Alexander Liaunig, Liaunig Industrie Holding; Reinhart Rohr, erster Präsident des Kärntner Landtags; Erwin Seeauer, Oberbank;

Außerdem: Gernot Stickler, Kärntner Gesundheitsfonds; Diethard Theuermann, Kärntner Sparkasse; Philip Verdino, SOT Libertas; Herwig Wetzlinger, AKH Wien; Thomas Wipfler, TMS Turnkey Manufactoring Solutions; sowie die SOT Partner: Philip Verdino, Ewald Klösch, Gerhard Draskovits, Manfred Kraner und Markus Brünner.

Link: SOT.

 

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