12. Okt 2016   Business Recht Veranstaltung

Die Strategien der Exportprofis nach dem Brexit

Julian Walton (ABCC), Mathilde Aureau (CCFC), Daniela Homan (AmCham), Céline Garaudy (CCFC), Denise Hamer, David Christian Bauer ©Anna Rauchensteiner / DLA Piper
©Anna Rauchensteiner / DLA Piper

Wien. Wirtschaftskanzlei DLA Piper erörterte im Hilton Vienna Plaza gemeinsam mit internatinalen Handelskammer-Vertretern erste Strategien, um rechtlich sicher durch den Brexit zu kommen. Gleichzeitig wollte man mit Mythen rund um den EU-Austritt Großbritanniens aufräumen.

Wohin geht die Reise nach dem Brexit? Die europäische Politik ist sich nicht einig, wie sich das Verhältnis zwischen dem Inselstaat und Kontinentaleuropa entwickeln soll und dementsprechend verunsichert zeigt sich auch die Wirtschaft in Anbetracht des volatilen Pfund-Kurses, heißt es bei der Kanzlei.

Um mit Mythen aufzuräumen und die Diskussion auf eine sachliche Ebene zu bringen, lud die Anwaltskanzlei DLA Piper Dienstagabend gemeinsam mit der American Chamber of Commerce in Austria (AmCham), der Austro-British Chamber of Commerce (ABCC) und der Chambre de Commerce Franco-Autrichienne (CCFA) zum informativen Austausch in das Hilton Vienna Plaza.

Im Bild: Julian Walton (ABCC), Mathilde Aureau (CCFC), Daniela Homan (AmCham), Céline Garaudy (CCFC) und Denise Hamer, David Christian Bauer (DLA Piper).

Vorteile durch Brexit, Druck durch engen Zeitplan

Der von Premierministerin Theresa May für März 2017 angekündigte Austrittsvorgang nach Artikel 50 könne auch Vorteile für die heimische Wirtschaft bringen, die bisher kaum Teil der öffentlichen Diskussion waren. Ob es zum Austrittsvorgang kommt, hänge jedoch noch von politischen Entscheidungen ab und kann zum Fall für den Europäischen Gerichtshof werden, da es an Präzedenzfällen für einen EU-Austritt fehlt.

„Es gibt Unterschiede zwischen der europäischen und britischen Rechtsprechung, die Auswirkungen auf die Gestaltung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit haben werden und individuellen Gestaltungsraum bieten. Ein Vereinigtes Königreich kann auch mit Steuervorteilen punkten. Allerdings ist der Zeitplan mit zwei Jahren sehr eng gesteckt, um alle Bereiche detailliert zu regeln“, sagt David Christian Bauer, DLA Piper Country Managing Partner.

DLA Piper geht davon aus, dass internationale Schiedsgerichte in den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen verstärkt zum Einsatz kommen werden. Für künftige Verträge raten die Experten der global tätigen Kanzlei, den Gerichtsstandort klar zu definieren, um allfällige Probleme im Vorfeld auszuschließen. Alternativ bieten sich Schiedsgerichte an, um die Vertragssicherheit zu gewährleisten.

„So unterschiedlich wie sich die Handelsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten, Österreich, Frankreich und Großbritannien gestalten, so vielfältig sind die Fragen, die sich in den Ländern durch den Brexit stellen. Als bilaterale Handelsorganisationen müssen wir gemeinsame Lösungen finden, um aus einem politischen kein ökonomisches Problem werden zu lassen“, kommentieren AmCham Austria-Präsident und Hilton Country General Manager Norbert B. Lessing, CCFA-Generaldirektorin Céline Garaudy und ABCC-Chairman Julian Walton.

Verschiebt die Reisefreiheit das Finanzzentrum Europas?

Rund 4.500 in der ganzen Union tätige Firmen haben ihren Sitz in London, um ihre Mitarbeiter mit etwa 35.000 Reisepässen auszustatten, mit denen sie sich frei in Europa bewegen können. Bei Wegfall der Reisefreiheit im Zuge eines „harten“ Brexits scheine die Ansiedlung eines neuen Finanzzentrums in Kontinentaleuropa wahrscheinlich.

Allerdings könnte Großbritannien der überregulierten Finanzindustrie nach einem Brexit auch neue, attraktive Spielregeln und Rahmenbedingungen bieten, um die Unternehmen am Standort zu halten.

„Die Etablierung eines neuen Finanzzentrums ist durch den aufwändigen bürokratischen Prozess in der EU sowohl kostspielig als auch zeitintensiv“, gibt DLA Piper Partnerin Denise R. Hamer zu bedenken.

Für Menschen, die aktuell in Großbritannien als Expats arbeiten, sieht DLA Piper wenige Veränderungen, da ihre Jobs auch künftig benötigt werden. Durch die Notwendigkeit von Arbeitsgenehmigungen wird die Flexibilisierung der Unternehmen bei der örtlichen Ansiedlung ihrer Mitarbeiter jedoch deutlich eingeschränkt, was letztlich die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts schwächen kann. Auch für Studenten können sich durch die Quotenregelung neue Herausforderungen ergeben, wenn das Vereinigte Königreich nicht mehr unter die EU-Quote fällt.

Der im internationalen Vergleich überdurchschnittlich strenge europäische Datenschutz könne zur Herausforderung für das Vereinigte Königreich werden. Damit drohe eine Einschränkung des freien Datenverkehrs zwischen Großbritannien und der EU, die weitreichende Auswirkungen auf den Finanzschauplatz haben kann.

Die DLA Piper-Experten gehen von einer Sonderregelung für Großbritannien aus, das wie heute schon Kanada als sicherer Staat eingestuft werden könne.

Link: DLA Piper

 

    Weitere Meldungen:

  1. Führung in der Krise: Eigenverantwortung oder Vorschriften?
  2. Zwei neue Chefinnen für Amrop in Österreich
  3. „Wise Women of WU“ als Karriere-Boost für Frauen
  4. Quality Austria richtet Kursprogramm 2023 neu aus