18. Okt 2016   Bildung & Uni Steuer

Respekt.net und WU orten Flat Tax in Österreich

Wien. Neue Fakten für die Steuerpolitik soll eine Studie liefern, die der Verein Respekt.net mit Experten von WU Wien und JKU Linz erstellt hat: Man lege erstmals eine detaillierte Berechnung der Gesamtabgabenlast für Einzelpersonen und Haushalte vor.

Was das Finanzministerium nicht veröffentlicht, schaffen der Verein Respekt.net und die WU Wien im Teamwork, heißt es provokant bei den Veranstaltern: Erstmals gebe es umfangreiche Berechnungen zu den Einkommensquellen, Konsumausgaben und insgesamt gezahlten Abgaben nach Perzentilen der österreichischen Haushalte und Einzelpersonen.

Die neue Datenbasis ermögliche eine fundierte, faktenbasierte steuerpolitische Diskussion frei von Klischees und Vorurteilen. Die Ergebnisse zeigen: Die Abgabenlast in der mittleren Einkommensschicht gleicht einer Flat Tax. Die hohe Steuer- und Abgabenbelastung auf Arbeitseinkommen ist für eine breite Bevölkerungsschicht spürbar.

Die Studie „Integrierte Steuer- und Abgabenstatistik der privaten Haushalte in Österreich“ verbinde bestehende Befragungsdaten (die Vermögenserhebung der Österreichischen Nationalbank und die Konsumerhebung der Statistik Austria) mit den Daten von steuernzahlen.at des Vereins Respekt.net.

Steuerpolitik muss auf Fakten basieren

„Eine seriöse Steuerpolitik muss auf Fakten basieren, nicht auf Klischees. Eine faktenbasierte Debatte kann es nur geben, wenn die relevanten Daten öffentlich transparent gemacht werden. Da es jedoch in Österreich eine Informations-Lücke seitens des Finanzministeriums gibt, musste die Zivilgesellschaft in die Bresche springen, um zu zeigen, dass eine umfassende Steuer- und Abgabenstatistik möglich ist“, erklärt Sepp Vinatzer, Präsident vom Verein Respekt.net die Beweggründe. „Erstmals werden auch die Einkommen der obersten zehn Prozent sowie deren Steuern und Abgaben aussagekräftig abgebildet“, so Vinatzer weiter.

Das oberste Prozent der Personen und Haushalte unterscheide sich in nahezu allen Einkommenskategorien vom Trend der restlichen 99 Prozent, in denen meist mäßig und linear wachsende Einkommen beobachtet werden können. „Die Einkommen des Top-Prozents sind in der Regel doppelt so hoch wie die im Perzentil darunter und stehen somit im Widerspruch zu der sonst relativ egalitären Einkommensverteilung in Österreich“, analysiert Mathias Moser vom Institut für die Gesamtanalyse der Wirtschaft (ICAE) der JKU Linz, der diese Studie im Rahmen seiner Tätigkeit am INEQ mitverfasst hat, die Dynamik am oberen Einkommensrand.

Flat Tax im mittleren Einkommensbereich

Beim Blick auf die Abgabenlast der Haushalte werde klar: Die Konsumausgaben und Sozialversicherungsbeiträge reduzieren das progressive Element der Einkommensteuer deutlich. „Wir können daher im mittleren Einkommensbereich, also vom 30. bis 80. Perzentil, annähernd von einer Flat Tax sprechen“, zeigt Stefan Humer vom Forschungsinstitut INEQ der WU Wien anhand der durchgeführten Berechnungen. Auch hier fällt das oberste Prozent der Haushalte aus der Reihe, allerdings durch eine fallende Abgabenquote.

Die Studie betont außerdem, dass die hohe Steuer- und Abgabenbelastung auf Arbeitseinkommen für eine breite Bevölkerungsschicht spürbar ist. Die im internationalen Vergleich hohe und progressive Einkommenssteuer sei für einen Großteil der Haushalte relevant. Lediglich die obersten 5% profitieren von endbesteuerten Kapitalerträgen, welche nicht progressiv, sondern über die Kapitalertragssteuer (KESt) mit 27,5% proportional besteuert werden.

„Die neu gewonnenen Erkenntnisse bestärken uns darin, von der Republik eine umfassende und transparente Steuer- und Abgabenstatistik zu fordern. Nur so können politische Entscheidungen auf Basis realer Fakten getroffen werden“, so Vinatzer.

Link: Respekt.net

Link: www.steuernzahlen.at (Studie)

 

    Weitere Meldungen:

  1. WU Wien: Regeln für die Sharing Economy unter der Lupe
  2. „Kids aufklären, bevor sie mit Strafrecht in Berührung kommen“
  3. Gewalt-Prävention an Schulen: Anwälte sollen aufklären
  4. Neue Chefs für Wien Holding, DDSG und Wiener Stadthalle