28. Okt 2016   Recht

Allen & Overy sieht starkes deutsches Transaktionsquartal

Frankfurt. Der deutsche M&A-Markt zeigte sich im 3. Quartal 2016 auch nach der Brexit-Entscheidung stark: Allen & Overy sieht weiterhin Potenzial zum Rekordjahr.

Den aktuellen „M&A-Insights“ von Allen & Overy zufolge zeigte der deutsche M&A-Markt im dritten Quartal 2016 erneut seine Stärke. Bemerkenswert sei die Zahl milliardenschwerer Übernahmen deutscher Unternehmen im Ausland. Daneben blieben deutsche Unternehmen gesuchte Akquisitionsziele für ausländische Investoren. Auch chinesische Unternehmen waren in Deutschland nach wie vor sehr aktiv, so die Wirtschaftskanzlei. Was das Transaktionsvolumen angeht, könne das Jahr 2016 ein Rekordjahr werden.

Expansionsdrang deutscher Unternehmen

Bemerkenswert sei der anhaltende Expansionsdrang deutscher Unternehmen ins Ausland: Für das größte Aufsehen im deutschen M&A-Markt sorgte die Einigung von Bayer und dem Management der US-amerikanischen Agrarchemie-Gruppe Monsanto auf einen 66 Milliarden US-Dollar schweren Zusammenschluss. Ein Weltrekord: Noch nie zuvor hat ein Unternehmen gewagt, eine so große Cash-Übernahme zu stemmen. Gleichzeitig sei die Transaktion die größte Auslandsinvestition, die ein deutsches Unternehmen jemals getätigt hat.

Auch andere namhafte deutsche Adressen tätigten milliardenschwere Akquisitionen im Ausland: So erwarb etwa Fresenius den spanischen Klinikbetreiber Quironsalud für 5,76 Milliarden Euro, Hapag Lloyd und die United Arab Sipping Company (UASC) schlossen eine Zusammenschlussvereinbarung im Wert von 5,4 Milliarden US-Dollar und Deutschlands größter Vermieter Vonovia bietet 2,9 Milliarden Euro für den österreichischen Rivalen conwert.

Deutsche Unternehmen blieben im dritten Quartal aber auch gesuchte Akquisitionsziele. Die Zahl der Inbound- und Outbund-Transaktionen hielt sich in etwa die Waage. Angesichts der großen, mehrere Milliarden schweren Übernahmen deutscher Unternehmen im Ausland überrasche es nicht, dass das Gesamtvolumen der M&A-Transaktionen mit inländischen Zielunternehmen deutlich hinter dem Volumen der Auslandsakquisitionen deutscher Unternehmen zurückblieb.

Chinesische Investoren weiter auf dem Vormarsch

„Im Übrigen sehen wir, dass der Kapitalmarkt die Börsengänge von Uniper und Innogy gut aufgenommen hat. Dies ist ein klares Zeichen der Stärke. Verschiedene Käufer möchten ihre Transaktionen und deren Finanzierung noch vor den Präsidentschaftswahlen in den USA und möglichen geldpolitischen Änderungen unter Dach und Fach bekommen. Chinesische Investoren haben weiterhin viel Geld zur Verfügung und sind bereit, hohe Kaufpreise zu bezahlen“, so Corporate/M&A-Partner Hartmut Krause.

Dies zeige sich auch im anhaltenden Interesse chinesischer Käufer an deutschen Unternehmen. Schon im ersten Quartal 2016 hatte das Volumen chinesischer Akquisitionen in Deutschland den Wert des gesamten Vorjahres überstiegen – die im zweiten Quartal 2016 angekündigte Übernahme von KUKA durch den Haushaltsgerätehersteller Midea noch nicht einmal eingerechnet.

Zu den im dritten Quartal 2016 bekannt gegebenen Transaktionen chinesischer Unternehmen zählen u.a. die Übernahme der auf Produktion und Vertrieb medizinischer Pflaster mit Tiefenwirkung spezialisierten Sparte des Medikamentenherstellers Acino durch den in Hongkong börsennotierten chinesischen Pharmahersteller Luye für 245 Millionen Euro oder die Übernahme des Luftfahrtindustrie-Zulieferer Broetje durch den Mischkonzern Shanghai Electric für 173, 5 Millionen Euro.

Und was passiert nach dem Brexit-Brief?

Wie sich das Marktgeschehen weiterentwickelt, bleibe abzuwarten. Mit der Brexit-Enscheidung hat eine neue Epoche begonnen. Die Auswirkungen des Referendums sind weder in politischer noch in wirtschaftlicher Hinsicht abzusehen. Für den traditionell von Transaktionen unter US-amerikanischer Beteiligung geprägten und nun ins Visier chinesischer Investoren genommenen deutschen M&A-Markt müsse das nicht notwendigerweise nachteilig sein, heißt es.

Krause: „Die Gefahr, dass das Vereinigte Königreich den Zugang zum europäischen Binnenmarkt verlieren könnte, motiviert nicht nur Banken und Finanzdienstleister zur Gründung kontinentaleuropäischer Tochtergesellschaften. Auch Industrieunternehmen sind bestrebt, ihre Lieferketten so zu gestalten, dass mit Einfuhrzöllen belastete Lieferungen über den Kanal künftig unterbleiben. Diese Optimierungsbemühungen dürften M&A-Transaktionen zur Folge haben.“

Link: Allen & Overy

 

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