Baker & McKenzie zu Legal Tech: Uber-Effekt bei Anwälten?

Clemens Wass ©Baker & McKenzie

Cle­mens Wass ©Bak­er & McKen­zie

Wien. Beim 1. Mee­tUp von Wirt­schafts­kanz­lei Bak­er & McKen­zie zu Legal Tech – den Aus­wir­kun­gen der Digi­ta­li­sie­rung auf die Rechts­be­ru­fe – dis­ku­tier­ten die Pro­fis: Droht der Anwalts­bran­che der Uber-Effekt? 

Die Fra­ge nach dem Uber-Effekt stell­te Hariolf Wenz­ler den rund 50 Teil­neh­mern des Events in Wien: Der Chief Stra­te­gy Offi­cer von Bak­er & McKen­zie in Deutsch­land und Öster­reich ist gleich­zei­tig Vor­stands­vor­sit­zen­der der „Euro­pean Legal Tech Asso­cia­ti­on“ (ELTA).

Kurzfristig nicht so dramatisch, aber dann…

„Die tech­ni­sche Unter­stüt­zung juris­ti­scher Arbeit hat mit ein­fa­chen Sup­port­pro­zes­sen begon­nen, aber heu­te ist klar, dass Legal Tech dort nicht ste­hen blei­ben wird“, berich­te­te Wenz­ler anhand von zahl­rei­chen Fall­bei­spie­len. Immer mehr Lösun­gen mach­ten nicht nur inter­ne Abläu­fe effi­zi­en­ter, son­dern rich­te­ten sich auch direkt an den End­kun­den. „Für Legal Tech gilt aller­dings das­sel­be wie für fast alle Tech­no­lo­gi­en: Die kurz­fris­ti­gen Effek­te wer­den über­schätzt, die lang­fris­ti­gen wer­den unter­schätzt.“

Die Begrün­dung dafür lie­fer­te Cle­mens Wass, Geschäfts­füh­rer des Rechts­in­for­ma­ti­ons­sys­tems Open­laws: „Die Rechts­be­ra­tungs­bran­che macht einen jähr­li­chen, welt­wei­ten Umsatz von 800 Mil­li­ar­den US-Dollar – ver­gli­chen mit ande­ren Bran­chen ist das über­schau­bar.“ Dazu kom­me die Zer­split­te­rung nach Juris­dik­tio­nen und Spra­chen. Trotz­dem müs­se Öster­reich auf­pas­sen, bei Legal Tech den Anschluss nicht zu ver­lie­ren. „Die Anglo­ame­ri­ka­ner kochen zwar auch nur mit Was­ser, aber sie ver­kau­fen sich ver­dammt gut.“

„Legal Tech ist, was Anwälten bislang gefehlt hat“

Die Chan­cen für die Anwalts­bran­che hob Andre­as Ser­netz her­vor: „Legal Tech ist das, was den Anwäl­ten bis­lang gefehlt hat.“ Durch Pro­zess­fi­nan­zie­rer, die sich um die effi­zi­en­te Abwick­lung von Mas­sen­an­sprü­chen küm­mern, ent­ste­he für Anwäl­te ein Markt­seg­ment, das für sie son­st uner­reich­bar wäre. „Zur Gel­tend­ma­chung eines 250-Euro-Anspruches gegen eine Flug­li­nie pri­vat einen Anwalt auf­zu­su­chen, wäre voll­kom­men unwirt­schaft­li­ch“, berich­te­te der Geschäfts­füh­rer von Fair­Plane Öster­reich. „Erst die Kom­bi­na­ti­on aus Online-Convenience und dem Feh­len jeg­li­chen Kos­ten­ri­si­kos schafft einen kom­plett neu­en Markt.“ In 10 Jah­ren wer­de es für alle Mas­sen­an­sprü­che Online-Plattformen geben.

Den Abschluss bil­de­te Lukas Fei­ler. Der Lei­ter des IT-Rechts-Teams von Bak­er & McKen­zie in Wien hat­te eine kla­re Pro­gno­se parat: „Die digi­ta­le Wel­le rollt. Es liegt an jedem ein­zel­nen, ob man sie rei­tet oder lie­ber unter­geht.“ Er berich­te­te von erfolg­reich ein­ge­setz­ten Legal-Tech-Lösungen der Kanz­lei:

  • Mit dem „Glo­bal IP-Manager“ könn­ten Kli­en­ten ihre welt­wei­ten Mar­ken­rech­te ver­wal­ten.
  • Auf der inter­ak­ti­ven Kar­te von „Maps“ lie­ßen sich quer über den Glo­bus alle Fäl­le von Pro­dukt­pi­ra­te­rie ver­fol­gen.
  • Die Information-Governance-Plattform „iG360“ erleich­te­re den Man­dan­ten die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit der Kanz­lei und ermög­li­che, alle bis­her erstell­ten Unter­la­gen jeder­zeit abzu­ru­fen.

Als ers­te Anwalts­kanz­lei, die sich in Öster­reich auf die Digi­ta­li­sie­rung der Arbeits­welt spe­zia­li­siert habe, „haben wir vor weni­gen Wochen mit dem Online­ma­ga­zin ,Digi­tal Wave‘ einen ganz neu­en Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nal mit unse­ren Man­dan­ten eröff­net“, so Fei­ler.

Bei dem über die Online-Plattform Mee­tUp orga­ni­sier­ten Event dis­ku­tie­ren rund 50 Juris­ten aus Kanz­lei­en und Rechts­ab­tei­lun­gen sowie zahl­rei­che öster­rei­chi­sche Anbie­ter von Legal-Tech-Lösungen. Laut Kanz­lei wird die Ver­an­stal­tungs­rei­he fort­ge­setzt.

Link: Bak­er & McKen­zie