04. Jan 2017   Business Finanz

US-Konzerne an Weltbörsen stärker, Europa schwächer

Börsenwert-Studie. Apple, Alphabet (Google) und Microsoft sind die teuersten Unternehmen der Welt, Shell als teuerstes Unternehmen Europas schafft es nicht einmal in die Top-10: US-Konzerne dominieren mehr denn je die Weltbörsen, so EY. Unter den Aufsteigern sind vor allem Finanzwerte.

Die zehn wertvollsten Unternehmen der Welt kommen alle aus den Vereinigten Staaten. Und von den 100 höchstbewerteten Unternehmen der Welt haben deutlich mehr als die Hälfte (59) ihren Sitz in Nordamerika, nur 23 in Europa und 19 in Asien, heißt es weiter.

Immer dieser angebissene Apfel…

  • Das teuerste Unternehmen der Welt bleibt Apple: Der Börsenwert des iPhone-Herstellers ist seit Mitte des Jahres um mehr als 100 Milliarden US-Dollar bzw. 19 Prozent auf derzeit 625 Milliarden US-Dollar gestiegen, aktueller öffentlicher Kritik am Mangel an Neuigkeiten in der Produktpalette zum Trotz.
  • Auf Rang zwei der höchstbewerteten Unternehmen der Welt rangiert die Google-Holding Alphabet, deren Börsenwert im Lauf des vergangenen Halbjahres ebenfalls gestiegen ist – um 15 Prozent auf derzeit 552 Milliarden US-Dollar.
  • Auch das drittteuerstes Unternehmen ist ebenfalls ein US-Technologiekonzern: Microsoft ist derzeit 492 Milliarden US-Dollar wert – das sind 22 Prozent mehr als zur Jahresmitte.
  • Das wertvollste nicht-US-amerikanische Unternehmen ist Ölkonzern Royal Dutch Shell, der mit einer Marktkapitalisierung von 226 Milliarden US-Dollar den 15. Platz belegt. Aus Österreich ist kein Unternehmen unter den höchstbewerteten Unternehmen der Welt vertreten.

Das sind die Ergebnisse der Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, die die Marktkapitalisierung der 100 bzw. 300 am höchsten bewerteten Unternehmen weltweit untersucht hat.

„Europa fällt zurück“

Während die Zahl der nordamerikanischen Konzerne im Top-100-Ranking im Vergleich zum Vorjahr von 55 auf 59 stieg, sank die Zahl der europäischen Unternehmen von 26 auf 23.

Das schwache Abschneiden Europas führt Gerhard Schwartz, Partner und Leiter des Assurance-Bereichs bei EY Österreich, auf drei Faktoren zurück:

  • die Auswirkungen der europäischen Schulden- und Wirtschaftskrise,
  • den eher traditionellen Branchenmix in Europa und
  • den gesunkenen Eurokurs.

„Europa gibt zurzeit kein überzeugendes Bild ab: Der Kontinent ist politisch zerstritten, driftet wirtschaftlich weiter auseinander und kämpft nach wie vor mit der Staatsschuldenkrise, die immer wieder aufflammen kann und gerade den Finanzsektor belastet“, so Schwartz. Hinzu kämen die bekannten Probleme Europas: eine zu starke Abhängigkeit von klassischen Industriebranchen und ein Mangel an jungen Technologieunternehmen, die es bis an die Weltspitze schaffen.

In Europa spielen vor allem etablierte Auto-, Pharma- und Rohstoffkonzerne eine große Rolle, heißt es: Junge Unternehmen, die es hinsichtlich Umsatz und Marktkapitalisierung mit etablierten Großkonzernen aufnehmen können, sucht man in Europa weitgehend vergeblich. „In den USA schaffen es mit Apple, Alphabet, Microsoft, Amazon und Facebook gleich fünf derartige Unternehmen in die Top Ten“, so Schwartz.

Obendrein führe der Wertverlust wichtiger europäischer Währungen – insbesondere des Euro, des britischen Pfunds und des russischen Rubels – zu schlechteren Platzierungen der europäischen Unternehmen im Ranking, das in US-Dollar erstellt wird.

USA dominieren IT- und Finanzbranche

Eindeutiger Gewinner im aktuellen Ranking ist der Finanzsektor:

  • Die Zahl der Banken, Versicherungen und Investmentfirmen im Top-100-Ranking stieg von 15 zur Jahresmitte auf derzeit 20 – ihr Börsenwert schnellte im vergangenen Halbjahr um 21 Prozent nach oben.
  • Unter den Finanzkonzernen im Ranking sind acht US-amerikanische und sechs chinesische Unternehmen, aber nur zwei europäische: die britische Großbank HSBC und die französische BNP Paribas.
  • Noch mehr als in der Finanzbranche spielen US-Konzerne im IT-Sektor eine dominierende Rolle: Im Ranking der 300 teuersten Unternehmen der Welt können sich aktuell insgesamt 30 IT- bzw. Technologiekonzerne platzieren, von denen 18 ihren Sitz in den USA haben, neun stammen aus Asien und gerade einmal drei aus Europa.

„Die USA haben derzeit gerade in stark innovativen und technologiegetriebenen Branchen eindeutig die Nase vorn“, kommentiert Schwartz die Zahlen. Bezeichnend sei, dass mit Apple, Alphabet und Microsoft drei Technologieunternehmen das Ranking der teuersten Konzerne anführen, von denen das älteste (Microsoft) gerade einmal 41 Jahre alt sei. Zum Vergleich: Von den drei höchstbewerteten europäischen Unternehmen (Royal Dutch Shell, Nestlé und Anheuser-Busch InBev) wurde das jüngste – Nestlé – im Jahr 1905 gegründet, also vor 111 Jahren.

Die Dominanz der USA im IT-Bereich werde zunehmend zu einem ernsten Standortnachteil Europas, warnt Schwartz: „Die Digitalisierung revolutioniert nicht nur den Alltag der Menschen, sondern auch viele Branchen. Wir sind mitten in einer umwälzenden Entwicklung – und die USA haben hier eindeutig die bessere Startposition als Europa, weil dort die entscheidenden Player beheimatet sind. Wir müssen aufpassen, dass die europäische Wirtschaft von der digitalen Revolution nicht auf dem falschen Fuß erwischt wird und weiter an Bedeutung verliert.“

Auch Studienersteller EY ist übrigens stark US-dominiert: EY hat zwar das offizielle Hauptquartier in London, der derzeitige CEO und Chairman Mark A. Weinberger kommt aber aus der US-Partnerschaft und amtiert von Washington aus.

Zuvor war Weinberger u.a. Mitglied des Social Security Advisory Board (SSAB) unter US-Präsident Bill Clinton und später Assistant Secretary of the Treasury for Tax Policy im US-Finanzministerium.

Link: EY

 

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