13. Jan 2017   Finanz Recht Tipps

Bawag-Bankomatgebühr: Dringender Handlungsbedarf laut VKI

Wien. Jene Bawag-Kunden, deren Konten von der Bank gekündigt wurden, haben jetzt dringenden Handlungsbedarf: In zweieinhalb Wochen stehen sie ohne Konto da. Bei der Verbandsklage gegen die Bawag heißt es laut VKI warten.

Die Bawag P.S.K. hat wie berichtet im Oktober 2016 tausende ihrer Kunden angeschrieben und ihnen die Kündigung ihres Girokontos angekündigt, wenn sie nicht auf ein neues Kontomodell umsteigen. Bei diesem werden – je nach Produkt – auch die heiß umstrittenen Bankomatgebühren verrechnet.

Diese Form der Umstellung sei abgesehen von der Kundenfeindlichkeit auch rechtlich fragwürdig, zürnte damals das Sozialministerium – und beauftragte den Verein für Konsumenteninformation (VKI) damit, dagegen eine Verbandsklage einzubringen.

Diese Verbandsklage soll die Zulässigkeit der Vorgangsweise der Bank bei der Kontoumstellung klären; sie wurde laut VKI-Rechtsabteilung im November 2016 von VKI-Vertrauensanwalt Stefan Langer (Kanzlei Kosesnik-Wehlre & Langer) eingebracht. Langer hat erst vor wenigen Tagen ein Verfahren gegen die Landeshypo Steiermark zum Thema Verzugszinsen für den VKI gewonnen (nicht rechtskräftig).

Ist die aktuelle Verbandsklage gegen die Bawag erfolgreich, könnte die Bank bei den umgestellten Konten die neuen bzw geänderten Entgelte wahrscheinlich nicht mehr verrechnen und müsste die bereits geleisteten Entgelte zurückzahlen, heißt es. Doch wird eine Entscheidung erst in einiger Zeit – vermutlich Monaten – erwartet.

Die Suche nach Alternativen

Wollen die von der Bank gekündigten Kunden nicht Gefahr laufen, ab Februar ohne Giro- oder gar Gehaltskonto dazustehen, so müssen sie sich jetzt kurzfristig um eine neue Bankverbindung umsehen, sofern sie das noch nicht getan haben. Dabei ist es besonders wichtig, auf regelmäßige Zahlungen per Lastschrift, Dauerauftrag usw. zu achten, damit man z.B. nicht mit der Miete ungewollt ins Hintertreffen gerät: Zwar sind die Banken gesetzlich neuerdings verpfllichtet, ihren Kunden beim Wechsel zu einem anderen Kreditinstitut zu helfen, doch kann dieser Service mehrere Wochen beanspruchen.

In der Geldbranche ist sogar von Banken die Rede, bei denen es Monate dauern kann, bis sie alle nötigen Unterlagen an die neue kontoführende Bank übergeben haben. Der VKI hat zum Bankwechsel eigene Infoseiten eingerichtet.

Aufmarsch der Girokonto-Konkurrenz

Die Konkurrenz umwirbt die Bawag-Kunden bereits seit etlichen Wochen intensiv: Gerade Direktbanken wie easybank, hello Bank oder ING-DiBa sind glücklich über die öffentliche Diskussion um die zwangsweise Umstellung auf andere Kontoprodukte, haben sie doch inzwischen eigene Girokonto-Angebote eingeführt.

Im dem damaligen Schreiben der Bawag wurde für den Umstieg vom alten, oft günstigeren zu einem neuen Kontopaket – in der einfachsten Form inklusive Bankomatgebühren – eine Frist bis spätestens 31.12.2016 gesetzt. Andernfalls wird das bestehende Konto per 31.01.2017 beendet.

Die Bawag legt dabei übrigens Wert auf die Feststellung, dass es sich nicht um eine zwangsweise Umstellung handelt, sondern lediglich um die Auflassung eines aus ihrer Sicht veralteten Kontomodells, verbunden mit dem Angebot von Alternativen.

Link: VKI

Link: Bawag P.S.K.

 

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