08. Mrz 2017   Business

Gründen Frauen wirklich mehr Unternehmen als Männer?

Boris Recsey ©CRIF

Wien. Mehr als die Hälfte der Einzelunternehmen wird von Frauen gegründet: Das stellt Wirtschaftsauskunftei CRIF zum Weltfrauentag fest. Allerdings scheint die Aussage nur für Einzelunternehmen zu gelten. Dafür glänzen sie mit anderen Rekorden.

CRIF Österreich hat sich den Internationalen Frauentag am 8. März zum Anlass genommen, um einen Blick hinter die Kulissen der österreichischen Gründerszene zu werfen und zu erheben, wie viele Unternehmen im Jahr 2016 von Frauen gegründet wurden.

Wie bereits 2015 hatten auch im Vorjahr Frauen bei der Gründung von Einzelunternehmen die Nase vorne, heißt es dazu zusammenfassend.

In harten Zahlen

  • Im vergangenen Jahr wurden in Österreich insgesamt rund 98.500 Einzelunternehmen und 18.500 Gesellschaften mit beschränkter Haftung gegründet.
  • Mehr als die Hälfte (55,6%) der Einzelunternehmen wurden dabei von Frauen gegründet – bei den GmbHs lag der Anteil der gegründeten Unternehmen mit Frauen in der Geschäftsführung bei 18,5%.
  • Im Vergleich zum Jahr 2015 stieg die Anzahl der von Frauen neu gegründeten Einzelunternehmen um 0,09% leicht nach oben.

Im Detail betrachtet

„Wenn man alle Rechtsformen zusammennimmt, sind Frauen unter den Gründern nach wie vor in der Minderheit auch wenn es natürlich erfreuliche Neuigkeiten sind, dass die Zahl der weiblich gegründeten Einzelunternehmen erneut leicht angestiegen ist“, so CRIF Österreich Geschäftsführer Boris Recsey.

Die Entscheidung für eine Selbstständigkeit falle in den meisten Fällen erst nachdem eine Ausbildung absolviert, Berufserfahrung gesammelt oder vielleicht sogar eine Familie gegründet wurde – „immerhin liegt das Durchschnittsalter der österreichischen Gründerinnen bei 41 Jahren“, so Recsey

Gründungsfreundlichstes Klima in Niederösterreich

  • Der Bundesländervergleich zeige, dass – so wie im Jahr zuvor – die Niederösterreicherinnen am gründungsfreudigsten waren. So wurden hier 2016 rund 6.290 von Frauen gegründete Einzelunternehmen in das Firmenbuch eingetragen. Das ist im Vergleich zu 2015 ein leichter Anstieg um 0,08%.
  • Auf Platz 2 folge die Steiermark mit rund 5.050 Neugründungen und einem Zuwachs von 5% im Vergleich zum Vorjahr.
  • Obwohl Wien jenes Bundesland ist, wo am dritthäufigsten Einzelunternehmen von Frauen gegründet wurden, ist die Tendenz leicht rückläufig (-6,8%).
  • Den prozentuell höchsten Anstieg bei Neugründungen durch Frauen gab es in Kärnten (+6%), den größten Rückgang hingegen in Vorarlberg (-13%).

Gründungen vor allem in traditionellen Frauendomänen

Der aktuellen CRIF-Erhebung zufolge wagen Frauen vermehrt in traditionell stark weiblich besetzten Branchen den Schritt in die Selbstständigkeit.

  • So gab es 2016 die meisten der von Frauen gegründeten Einzelunternehmen im Gesundheits- und Sozialwesen, wo rund 12.450 Gründungen verzeichneten wurden. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Rückgang um 3,99%.
  • Mit einem großen Abstand folgen danach der Handel mit rund 4.260 Neugründungen (+7,71%) sowie der Bereich sonstiger Dienstleistungen mit rund 3.110 durch Frauen gegründeten Einzelunternehmen (+0,99%).

Längere Lebensdauer von weiblich gegründeten Unternehmen

Tendenziell haben jene Einzelunternehmen, die von Frauen gegründet wurden, eine längere Lebensdauer als jene, die von Männern gegründet wurden, lobt CRIF:

  • So bestanden Einzelunternehmen, die im Jahr 2006 von Frauen gegründet wurden, im Durchschnitt 2.176 Tage – also knapp 6 Jahre. Im Vergleich zu den männlich gegründeten Unternehmen bedeutet dies eine um über ein Jahr (431 Tage) längere Lebensdauer.
  • 2007 von Frauen ins Leben gerufene Unternehmen hatten eine Bestandsdauer von 1.702 Tagen (1.581 Tage bei männlich gegründeten Firmen).

Recsey: „Der Unternehmensgeist und der Mut von selbstständigen Frauen muss weiter gefördert werden, um den Anteil weiblicher Gründerinnen kontinuierlich ausbauen zu können.“

Bei der Studie wurden laut den Angaben alle Einzelunternehmen berücksichtigt, die vom 01.01.2016 bis zum 31.12.2016 gegründet wurden. Zu diesen Firmen wurden die Geschlechter der Inhaber herangezogen, welche zum Zeitpunkt der Auswertung aktiv waren.

Link: CRIF

 

    Weitere Meldungen:

  1. Führung in der Krise: Eigenverantwortung oder Vorschriften?
  2. Zwei neue Chefinnen für Amrop in Österreich
  3. „Wise Women of WU“ als Karriere-Boost für Frauen
  4. Quality Austria richtet Kursprogramm 2023 neu aus