Gastbeitrag: Wirksamkeit und Vorgehensweise von Litigation PR

21. Mrz 2017   Business Recht
Alexander Gendlin ©Alexandra Langeder

Kommunikation. Aber was bringt das denn?“. Wie bei jeder Kommunikationsmaßnahme wird auch bei Litigation-PR diese Frage mit großer Vorliebe gestellt. Gastautor Alexander Gendlin, Managing Partner von Law Business, will in seinem Gastbeitrag die Antwort geben. 

Von den zahlreichen Quellen möchte ich gerne die am meisten verbreitete, Wikipedia, hernehmen und auf diesen Link verweisen: https://de.wikipedia.org/wiki/Litigation-PR.

Jede Kanzlei die Litigation-PR – und externe Kommunikation generell – für wenig sinnvoll hält, sei dieser Link dringend ans Herz gelegt. Denn laut einer Befragung in Deutschland gaben 37 % der Richter und 54 % der Staatsanwälte an die Berichterstattung über Strafverfahren, an denen sie beteiligt sind, aktiv zu verfolgen. Nur 5 % der Richter und nur 1 % der Staatsanwälte vermeiden mediale Berichterstattung der eignen Fälle gezielt.

Der Einfluss der Öffentlichkeit

Aber es kommt noch härter. Obwohl bei der Entscheidung über Schuld oder Unschuld es kaum eine Beeinflussung durch die Medien gibt, gaben 25 % der Richter und 37 % der Staatsanwälte an, dass sie bei der Festsetzung des Strafausmaßes sich von der Medienberichterstattung beeinflussen lassen. Das ist insofern auch kaum überraschend, wenn 58 % der Richter und 42 % der Staatsanwälte bei ihrem Strafantrag an das mediale Echo denken, welches das Urteil in Bezug auf die Höhe der Strafe auslöst.

Das bedeutet schlicht eines: Wenn Ihr Mandant durch falsche Informationen oder hetzerische Kampagnen vor allem in den Social Medias bereits vor Ende des Prozesses in ein bestimmtes Eck gestellt wird, so wird genau diese Fehlinformation für Ihren Mandanten negativ in das Urteil einfliessen. Es sei denn, Sie wirken bereits während des Prozesses aktiv solchen Fehlinformationen und Kampagnen mittels Litigation-PR entgegen.

Das sind auch genau die zwei Hauptziele von Litigation-PR:

  • Vermeidung einer Vorverurteilung.
  • Vermeidung von Reputationsschäden auch bei einem Freispruch.

Bei der Vorgehensweise von Litigation-PR ist zu beachten, dass diese Form der PR einen sehr hohen, strategischen Aspekt hat. Im Unterschied zu „normaler“ PR, bei der natürlich auch die planerische Komponente zu beachten ist, erfordert Litigation-PR eine viel umfassendere und tiefgehende Planung.

So müssen Sie unbedingt einen Krisenplan festlegen, der ganz klar Handlungsaktivitäten, Kommunikationsrollen und Szenarios festlegt. Letztere stellen dar, was in welchem Fall von wem in welchen Medien zu kommunizieren ist. Je umfassender Sie die Szenarios definieren, desto mehr sind Sie im Driver Seat der Kommunikation und können entsprechend schnell auf Entwicklungen reagieren. Sie können damit die Medienberichterstattung durch Fakten und Richtigstellungen von Unwahrheiten zugunsten Ihres Mandanten beeinflussen. Das Wort „beeinflussen“ ist dabei nicht negativ zu verstehen, da Sie ja in Wirklichkeit den Medien helfen falsche Darstellungen zu entkräften.

Wer macht was?

Nicht stark genug kann ich die Festlegung der Kommunikationsrollen betonen. Natürlich wird Ihr Mandant sowie auch Mitarbeiter seiner Firma durch zahlreiche Medien kontaktiert. Hier ist es nicht nur wichtig festzulegen wer etwas sagt, sondern auch wer nichts sagt. Mitarbeiter die z. B. gar nicht die vollständige Information besitzen können natürlich leicht etwas sagen, dass sofort eine falsche Perspektive auslösen kann. Das gilt natürlich auch für den Mandanten. Es ist daher absolut notwendig, dass Anwalt und Kommunikationskoordinator möglichst rechtzeitig alle Szenarien durchgehen und entsprechende Botschaften in verschiedenen Textformen (PR-Meldung, Blogs etc.) ausformulieren.

Die oben genannten Zahlen sind übrigens aus dem Jahr 2009 (!). Es ist ziemlich sicher, dass mit dem Aufkommen kollektiver Social Media Hysterien, diese Zahlen ganz sicher nicht kleiner geworden sind.

Mag. Alexander Gendlin ist Gründer und Managing Partner von Law Business – Unternehmensberatung für die Rechtsbranche.

Link: Law Business