24. Mrz 2017   Business Tech

Roland Berger sieht Wien als Smart City vorne

Wiens Seestadt Aspern ©ejn

Wien. Auf dem „Smart City Index“ hat Wien für den „ganzheitlichen Ansatz“ Platz 1 erobert, so Berater Roland Berger. Der Dienstleistungsmarkt für Smart Cities biete großes Potenzial. 

Eine „Smart City“, eine „intelligente Stadt“ zu definieren, ist nicht leicht, denn dazu gehören viele Elemente, die digital miteinander verbunden sind und zu einem besseren Lebensraum beitragen – von den öffentlichen Transportmitteln über Schulen bis hin zu öffentlichen Ämtern und Energiesystemen.

Für ihren „Smart City Index“ haben Roland Berger-Experten laut eigenen Angaben die wichtigsten Bausteine einer Smart City-Strategie in die drei Hauptbereiche Anwendungsfelder, strategische Planung und IT-Infrastruktur sowie eine Vielzahl von Einzelaspekten zusammengefasst. Besondere Bedeutung haben dabei die sechs ineinandergreifenden Anwendungsfelder öffentliche Verwaltung, Gesundheit, Bildung, Energie und Umwelt, Gebäude sowie Mobilität.

Nach diesen Aspekten wurden 87 Großstädte weltweit unter die Lupe genommen und analysiert, wie sie für den Weg zur Smart City strategisch aufgestellt sind. Das Ergebnis: Wien, Chicago und Singapur schneiden im Ranking am besten ab – drei Städte auf drei verschiedenen Kontinenten.

„Die Zahl der Städte, die einen strategischen Ansatz in Richtung Smart City verfolgen, nimmt seit einigen Jahren deutlich zu“, meint Prof. Roland Falb, Partner von Roland Berger Wien. „Allerdings tun sich die meisten Städte noch sehr schwer, wenn es darum geht, hinreichend integrierte und umfassende Strategien zu definieren.“

Verschiedene Städte, unterschiedliche Strategien

Die Städte, die im „Smart City Index“ gut abschneiden, sind weder besonders groß noch besonders wohlhabend, heißt es.

  • Wien könne punkten, weil es eine breit und sehr grundsätzlich angelegte Smart City-Strategie ausgearbeitet hat, die auf den Kriterien Lebensqualität, Ressourcenschonung und Innovation basiert.
  • Chicago, auf Platz zwei des Rankings, zeichnet sich unter anderem durch seinen Bildungsansatz aus: Die Stadt setzt auf die Vermittlung digitaler Kompetenz und unterhält ein Netzwerk von 250 kostenlosen Computerlaboren im gesamten Stadtgebiet.
  • Am anderen Ende der Größenskala verfolgen Städte wie etwa das spanische Santander ausgewogene Strategien, die zeigen, dass auch kleinere Städte umfassende Strategien entwickeln können.

Smart City-Lösungen auf Wachstumskurs

Der weltweite Markt für Smart City-Lösungen hat laut Roland Berger viel Potenzial. Bis 2023 werde sein Volumen voraussichtlich bei rund 28 Milliarden Dollar liegen; derzeit seien es 13 Milliarden Dollar.

Auch die Stadt Wien selbst setzt übrigens auf das Smart City-Konzept und erhofft sich von entsprechenden Betriebsansiedlungen u.a. in der in Bau befindlichen Seestadt Aspern (einem Stadtentwicklungsgebiet nördlich der Donau) zukunftsfähige Arbeitsplätze.

„Firmen, die die erforderlichen Technologien und Dienstleistungen für den Betrieb von intelligenten Prozessen anbieten, können von dem Smart Cities-Trend profitieren“, meint Falb. „Wichtige Voraussetzung ist allerdings, dass auch sie einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen. Komplettlösungen aus einer Hand statt fragmentierter Geschäftsansätze sind hier entscheidend.“

Die Bausteine einer erfolgreichen Smart City-Strategie

  • Auf dem Weg zur optimalen Strategie sollten Großstädte in erster Linie verstehen, was die Bürger tatsächlich wollen, und die in einer Stadt angebotenen Dienstleistungen grundsätzlich überdenken, den Nutzen auf Bürger und Unternehmen ausrichten und diese auch in die Strategieentwicklung einzubeziehen, wird empfohlen.
  • Inhaltlich sei es wichtig, dass Smart City Ansätze nicht in einzelnen, unverbundenen Lösungen stecken bleiben, sondern die Breite der öffentlichen Daseinsvorsorge adressieren und die entsprechenden Anwendungen auch untereinander verknüpfen.
  • Daneben brauchen Städte ein Konzept zum Umgang mit und zur Verknüpfung von Daten und idealerweise eine offene Datenpolitik. Daraus folge allerdings auch, dass die Städte über ein IT-Sicherheitskonzept verfügen müssen.
  • Schließlich ist es laut Falb ein wichtiger Erfolgsfaktor, dass Städte ihre Strategie „möglichst zentral und ressortübergreifend koordinieren und klare Umsetzungspläne aufsetzen.“
  • Private und öffentliche Unternehmen, etwa Infrastrukturbetreiber wie Stadtwerke, sollten aktiv in die Gestaltung, Finanzierung und Umsetzung einer Smart City eingebunden werden, genauso wie die Öffentlichkeit.

„Nur wenn all diese Aspekte berücksichtigt werden und die Städte einen permanenten Dialog mit der Öffentlichkeit pflegen, können Smart City-Strategien erfolgreich werden und zu einem besseren Lebensraum in den Ballungszentren der Welt beitragen“, meint Falb.

Link: Roland Berger

 

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