Alfred Dorfer nimmt die Verbotsgesellschaft ins Visier

Graz. Ist William Shakespeares Tragödie „Othello“ rassistisch? Ist Wolfgang Amadeus Mozarts Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ sexistisch oder gar islamophob? Sollen Kinderlieder wie „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ umgetextet werden? Kann es auch zuviel Binnen-I geben? Die politische Korrektheit ist Thema einer Lesung von Kabarettist Alfred Dorfer am 26. Mai 2017 an der Uni Graz.

Ist die politische Korrektheit ein sinnvolles Korrektiv alteingesessener Diskriminierungen oder schränkt sie Kunst, Kultur sowie das öffentliche Schreiben und Sprechen massiv ein? Diesen Fragen widmet sich Kabarettist, Autor und Theaterwissenschafter Dorfer in einer öffentlichen Seminarstunde und Lesung am 26. Mai 2017, um 11:30 Uhr an der Karl-Franzens-Universität.

Zum vierten Mal wirkt Dorfer auf Einladung der Germanistin Beatrix Müller-Kampel an einer Veranstaltung des fächerübergreifenden Forschungs-, Lehr- und Dokumentationsschwerpunkts „LiTheS. Literatur- und Theatersoziologie“ mit.

Die Lesung von Alfred Dorfer ist der Höhepunkt der dreitägigen Konferenz, die Manfred Prisching, Soziologe an der Universität Graz, am 25. Mai 2017 um 14:30 Uhr mit einem Vortrag zur heutigen „Verbotsgesellschaft“ eröffnet.

Weitere Vorträge von internationalen Forschern behandeln das alttestamentliche Bilderverbot oder die von der Zensur betroffenen Marionettenspieler in Deutschland von der Aufklärung bis zur DDR, so die Veranstalter.

Mit I oder nicht mit I?

Auch dem so genannten „Gendern“ wird nachgespürt: Sind Binnen-I und Co. moralisch korrekt und sprachpolitisch geboten, in der Ausführung jedoch fanatisch übertrieben? „Müssen wir uns heute mehr vor der politischen Korrektheit und ihren AnhängerInnen fürchten als die KünstlerInnen vergangener Zeit vor der Zensur, die Staat und Klerus ihnen aufzwangen?“, stellt Müller-Kampel die Gretchenfrage des Symposiums (mit allen I am korrekten Platz, Anm. d. Red.).

Die Tagung ist öffentlich, kostenlos und Teil des Bachelorseminars „Das Politische, das Korrekte und die Zensur. Beispiele aus der Neueren deutschen Literatur- und Theatergeschichte“ des Sommersemesters 2017.

Link: Uni Graz

 

    Weitere Meldungen:

  1. BDO holt Steuerkanzlei Baumgartner & Partner an Bord
  2. „Wise Women of WU“ als Karriere-Boost für Frauen
  3. Warum Gendern bei Google schadet – und was dagegen hilft
  4. EY: Frauenanteil in Österreichs Vorständen minimal gestiegen