16. Mai 2017   Business Jobs Steuer

Nirgends treten Chefs so selten ab wie bei uns

Management-Studie. Einheimische CEOs sitzen sicher im Sattel. Die Wechselquote beträgt in der DACH-Region nur 12,7%, das ist laut der 16. Ausgabe der Strategy& „CEO Success Study“ der niedrigste Wert weltweit.

Nach einer vergleichsweise starken CEO-Volatilität im Jahr 2015 (16,7% neu besetzte CEO-Posten) kehrte 2016 wieder mehr Kontinuität auf den Chefsesseln der 300 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH-Region) ein: Lediglich 12,7% der CEO-Posten wurden im vergangenen Jahr neu besetzt.

„In den 31 österreichischen Unternehmen, die zu den 300 deutschsprachigen Unternehmen mit der größten Marktkapitalisierung zählen, gab es nur vier neue Gesichter an der Spitze. Die niedrige Fluktuation in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist vor allem auf einen starken Rückgang der außerordentlichen Vertragsbeendigungen, beispielsweise aufgrund von schlechter wirtschaftlicher Performance, zurückzuführen“, so Harald Dutzler, Managing Partner beim Wiener Office von Strategy&. Und das wäre natürlich eine gute Nachricht, was die wirtschaftliche Entwicklung betrifft.

In den fünf österreichischen Unternehmen mit der größten Marktkapitalisierung fand 2016 kein einziger Wechsel statt.

Die Chefs bleiben wieder länger im Sessel…

Die DACH-Region wies auch im internationalen Vergleich die niedrigste Fluktuationsrate an der Unternehmensspitze auf. Zudem stieg die durchschnittliche Verweildauer im Amt im deutschsprachigen Raum von 6,6 Jahren in 2015 auf 7,8 Jahre. Weltweit mussten 14,9% der CEOs der 2.500 größten börsennotierten Unternehmen ihren Posten räumen, so die Studie.

Als besonders unbeständig erwiesen sich die Schwellenländer Brasilien, Russland und Indien mit einer Fluktuationsrate von 17,2%. Das sind einige der zentralen Ergebnisse der „2016 CEO Success Study“ von Strategy&, PwCs Strategieberatung. Die Studie, die in ihrer 16. Ausgabe erscheint, untersucht die Veränderungen an der Spitze der 2.500 größten börsennotierten Unternehmen weltweit.

Knapp 7 von 10 Verträgen regulär ausgelaufen

Während vorzeitige Demissionen 2015 noch knapp ein Drittel (31,7%) der CEO-Wechsel ausmachten, waren sie 2016 nur noch bei 18,1% der Fälle die Ursache. 68,5% der neu ernannten Vorstandsvorsitzenden gingen 2016 auf regulär auslaufende Verträge oder eine festgelegte Altersobergrenze zurück.

In 13,4% der Fälle lagen Fusionen bzw. Aufkäufe von Unternehmen zugrunde. „Trotz vieler externer Unsicherheitsfaktoren sehen wir in den C-Suites im deutschsprachigen Raum wieder mehr Stabilität. CEO-Wechsel scheinen von den Aufsichtsräten langfristig und strategisch geplant – mit Fokus auf dem Aufbau interner Kandidaten. So wurden im vergangenen Jahr gerade einmal 25% der neuen Vorstandsvorsitzenden in Deutschland, Österreich und der Schweiz extern rekrutiert, während es 2015 noch 36% waren“, kommentiert Dutzler.

Moralische Fehltritte werden CEOs häufiger zum Verhängnis

Mit Blick auf die weltweiten CEO-Wechsel decke die „2016 CEO Success Study“ einen massiven Anstieg außerplanmäßiger CEO-Demissionen aufgrund ethischer Verfehlungen in den letzten Jahren auf. Ethische Verfehlungen umfassen unangemessenes bzw. kriminelles Verhalten des CEOs oder von Mitarbeitern, darunter zum Beispiel Betrug, Bestechung, Insiderhandel, gefälschte Lebensläufe oder sexuelle Indiskretionen. Und so sieht das in Zahlen aus:

  • Während im Zeitraum zwischen 2007 und 2011 3,9% der CEOs ihren Posten wegen entsprechender Fehltritte räumen mussten, waren es in den Jahren zwischen 2012 und 2016 bereits 5,3%, was einem Zuwachs von mehr als einem Drittel (36%) entspricht.
  • In Westeuropa stieg der Anteil der wegen ethischer Verfehlungen vorzeitig entlassenen CEOs von 4,2% (2007-2011) sogar um 41% auf 5,9% (2012-2016).

„Unsere Analyse untersucht zwar nicht, ob es tatsächlich mehr ethische Fehltritte gibt oder ob solche einfach heutzutage härtere Konsequenzen nach sich ziehen. Laut unserer Einschätzung, basierend auf unseren persönlichen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit hunderten Unternehmen, ist es aber ganz klar, dass sich nicht das Verhalten der CEOs grundlegend geändert hat, sondern das Umfeld, in dem sie agieren: Kritischere Beobachtung durch die Öffentlichkeit und dadurch bedingt auch schärfere Regulatorien, Hand in Hand mit digitaler Vernetzung und Echtzeit-Publizität, zum Beispiel in sozialen Medien“, erklärt Dutzler.

Männer dominieren die DACH-Vorstandsetagen

Trotz des zunehmenden politischen Drucks bleiben die Führungsetagen der untersuchten Unternehmen meist eine reine Männerdomäne:

  • So lag der Frauenanteil unter den in der DACH-Region 2016 neu angetretenen CEOs mit 3,0% sogar unter dem globalen Schnitt (3,6%), womit das Ziel einer stärkeren Geschlechterdiversität an der Spitze der Unternehmen erneut massiv verfehlt wurde. „Mit Elisabeth Stadler von der Vienna Insurance Group AG ging der einzige neu weiblich besetzte CEO-Posten im deutschsprachigen Raum an eine Österreicherin“, sagt Dutzler.
  • Besonders im Regionenvergleich zeige sich, dass der deutschsprachige Raum in diesem Bereich weit hinterherhinkt. So wurden 2016 etwa in den USA und Kanada bereits 5,7% weibliche CEOs berufen, der höchste Anteil aller Weltregionen.

Internationalität verliert an Bedeutung

Die neuen CEOs in Deutschland, Österreich und der Schweiz verfügen mit einem Anteil von 57% mehr als doppelt so häufig über internationale Arbeitserfahrung als der globale Schnitt. Dort steht bei gerade einmal 24% der 2016 neu berufenen CEOs eine Karrierestation im Ausland im Lebenslauf.

Mit einem Anteil von 68% stammt jedoch die überwiegende Mehrheit der DACH-CEOs auch weiterhin aus dem Land ihres jeweiligen Unternehmens. 29% kommen aus einem anderen Land derselben Weltregion und nur 4% der neuen DACH-CEOs stammen aus einer anderen Weltregion als das von ihnen geleitete Unternehmen.

Über die Studie

Strategy& untersuchte laut den Angaben die 2.500 weltweit größten börsennotierten Unternehmen. Für den deutschsprachigen Raum wurden ergänzend die 300 größten Unternehmen in dieser Region analysiert.

Link: PwC (Strategy&)

 

    Weitere Meldungen:

  1. Führung in der Krise: Eigenverantwortung oder Vorschriften?
  2. Zwei neue Chefinnen für Amrop in Österreich
  3. „Wise Women of WU“ als Karriere-Boost für Frauen
  4. Quality Austria richtet Kursprogramm 2023 neu aus