Recht, Veranstaltung

Binder Grösswang: Beziehungskiste USA – Europa – China

Wien. Die Weltwirtschaft ist im Umbruch, auch eine Neuordnung der Beziehungen Europa – USA – Asien bahnt sich an, hieß es jetzt bei der Talkreihe Binder Grösswang impulse.

Die Wirtschaftskanzlei lud am 29. Mai 2017 zum Diskussionsabend: Managing Partner Michael Kutschera begrüßte als Speaker Stefan Doboczky (Vorstandsvorsitzender Lenzing AG), Martin Kocher (Wissenschaftlicher Leiter Institut für Höhere Studien), Robert Machtlinger (Vorstandsvorsitzender FACC) und Johann Sollgruber, Berater für Handelsfragen der Europäischen Kommission – Vertretung in Österreich. Rund 120 Gäste folgten der Einladung, so die Kanzlei.

Die Statements

Stefan Doboczky, Vorstandsvorsitzender des global tätigen Faserkonzerns Lenzing AG betonte, dass Freihandel und Globalisierung insgesamt für die Menschheit Wohlstandsgewinne und Frieden brachte. „Wer miteinander fairen Handel treibt bekriegt sich nicht“, so Doboczky.

Notwendig sei mehr und nicht weniger internationaler Wettbewerb. Aber ein „Race to the Bottom“ zwischen den Nationalstaaten, sei es bei Steuern, sei es bei Umweltnormen, müsse verhindert werden, denn der gesellschaftliche Schaden, der damit angerichtet wird, ist höher als die ursprünglichen Einsparungen. „Die Umsetzung von fairen Wettbewerbsbedingungen ist die Aufgabe von internationalen Institutionen und der EU, die dafür auch gestärkt werden sollten. Gerade jetzt, da die USA offenbar in Richtung mehr Abschottung gehen, sollte die EU die ausgestreckte Hand Chinas für mehr Freihandel und fairen Wettbewerb für Europa aktiv nutzen“, so Doboczky.

Martin Kocher, Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Höhere Studien: „Für eine kleine, offene Volkswirtschaft wie Österreich sind Handelsabkommen enorm wichtig. Ein Umkehren der Globalisierung würde uns einen Teil unseres Wohlstandes kosten; die Verluste wären aber nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich spürbar. Negative Effekte der Globalisierung, z.B. am Arbeitsmarkt für Geringqualifizierte, muss die österreichische Politik ausgleichen.“

Robert Machtlinger, Vorstandsvorsitzender der FACC (Haupteigentümer ist der chinesischen Flugzeugbauer Xi’an Aircraft, XAC): „Die USA drohen mit Protektionismus, China will den freien Handel ausbauen: In Zeiten möglicher handelspolitischer Veränderungen ist mehr denn je wichtig, dass Europa vereint auftritt. Die wirtschaftlich positive Entwicklung Europas und damit auch Österreichs steht und fällt mit einem funktionierenden Welthandel. Ein breiterer Zugang zum asiatischen Markt ist anzustreben, aber auch die Weiterentwicklung der Handelsbeziehung mit den USA ist zu gewährleisten. Europa muss es gelingen, in bilateralen, konstruktiven Verhandlungen und durch das Zustandekommen von Handelsabkommen einen regelbasierten Handel sicherzustellen.“

Johann Sollgruber, Berater für Handelsfragen der Europäischen Kommission – Vertretung in Österreich: „Die EU verhandelt zurzeit mehr als 20 Handelsabkommen mit verschiedenen Staaten und Handelsblöcken, wie etwa Japan, Vietnam, Mexiko und Mercosur und vielen ASEAN-Staaten wie Malaysien, den Philippinen, Thailand und Indonesien, wichtige Wachstumsmärkte in Südostasien. Ein Abkommen mit Japan könnte noch heuer abgeschlossen werden. Das Abkommen mit Kanada, CETA, dient vielfach als ein Beispiel für ein weitreichendes, modernes und ausgewogenen Handelsabkommen. Die Europäische Union steht für freie Märkte und wird protektionistischen Tendenzen entgegentreten bei gleichzeitiger Beachtung der Rechte von Arbeitnehmern und Konsumenten und der Beachtung der Prinzipien der Nachhaltigkeit. Das liegt in ihrem ureigenen Interesse. Der Außenhandel spielt seit vielen Jahrzehnten eine dynamische Rolle bei der Ankurbelung des Wirtschaftswachstums und stellt 35% des gesamten Bruttoinlandproduktes der EU dar. Noch stärker ist diese Komponente in der österreichischen Exportwirtschaft. Österreich hat eine Exportquote von knapp 54 Prozent des BIP, das heißt Österreich erwirtschaftet fast sechs von zehn Euro durch den Export.“

Link: Binder Grösswang

 

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