Das sind die Pläne von Crowe SOT in Österreich

Anton Schmidl ©SOT / Daniela Vallant

Wirtschaftsprüfer / Steuerberater. Das internationale Berater-Netzwerk Crowe Horwath holt in Österreich große Teile der SOT Süd-Ost Treuhand an Bord und baut weiter aus: Für beide Seiten und auch Klienten ergeben sich Vorteile, sagt International Liaison Partner Anton Schmidl.

Schmidl ist Partner und Geschäftsführer der SOT in Kärnten und der SOT AAT in Wien und als International Liaison Partner für das Bündnis mit Crowe zuständig.

SOT bekomme mit Crowe Horwath International einen neuen internationalen Netzwerkpartner und verschaffe sich damit Zugang zu einem der weltweit größten Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsnetzwerke.

Die neue Konstellation in Österreich

Umgekehrt kann Crowe Horwath mit der SOT in Österreich wieder in die Offensive gehen: Die SOT ersetzt im Crowe-Netzwerk die TPA-Gruppe, die unlängst bei Baker Tilly angedockt hat. Und Crowe baut in Österreich auch noch weiter aus: Die Steuerberatungskanzlei Vanas & Partner – bisher Teil des Taxand-Netzwerks – wird ebenfalls an Bord geholt.

Ab 1.1.2018 wird damit zusätzlich zur Crowe SOT (die seit Anfang 2017 Mitglied ist) Vanas als weiterer strategischer Netzwerkpartner aufgenommen.

Die Bündnispartner

Derzeit hat SOT nach eigenen Angaben rund 100 Mitarbeiter und zählt damit zu den mittelständischen Unternehmen der österreichischen Steuerberater- und Wirtschaftsprüfer-Branche. Nun sind die SOT Standorte Wien, Eisenstadt, Klagenfurt und Innsbruck dem Netzwerk von Crowe Horwath International beigetreten.

Crowe ist ein attraktiver Partner für die SOT-Gesellschaften, sagt Schmidl: Betrachtet man den Markt für Wirtschaftsprüfung, so gibt es neben den vier weltgrößten Prüfgesellschaften („Big Four“) den „Second Tier“ – und Crowe Horwath die stolze Nr. 8 der Beraternetzwerke weltweit.

Dabei hat Crowe einen starken mittelständischen Fokus, sagt Schmidl: Weder die ganz kleinen noch die riesengroßen Klienten liegen dem Netzwerk am Herzen – sondern der Mittelstand. „Solche Unternehmen sind auch die typische Klientel der SOT und machen schließlich das Rückgrat der Wirtschaft in Österreich ebenso wie in den meisten europäischen Ländern aus“, sagt Schmidl: „Deshalb ist Crowe Horwath für uns ideal.“

Das zeige sich auch bereits im Umgang miteinander, in dem es auf unkomplizierte Problemlösungen und rasche Antworten bei Fragen ankomme.

Und natürlich bringt die internationale Verbindung durch Crowe Vorteile, etwa bei großen grenzüberschreitenden Wirtschaftsprüfungen, wo Expertise entsprechend gefragt ist. „Bis jetzt haben wir uns dann die nötigen Partner immer handverlesen zusammensuchen müssen“, sagt Schmidl: Nun hat man im Crowe-Netzwerk gute und schnelle Ansprechpartner dafür.

Dabei kommen zwei Aspekte zum Tragen, sagt Schmidl: „Outbound“, also wenn man SOT-Klienten bei ihren internationalen Engagements begleitet, ist das große Netzwerk nützlich. Und umgekehrt, nämlich bei „inbound referrals“ bringt das Netzwerk auch selbst die Kontakte zu guten Klienten, für die Österreich als Markt interessant ist.

„Inbound bringt einige Perspektiven, denn die Crowe-Klienten finden an Österreich insbesondere die Drehscheibenfunktion attraktiv“, so Schmidl.

Wer dabei ist

Auch Crowe SOT und Crowe Vanas „ergänzen sich strategisch perfekt – wir sind stark in der Wirtschaftsprüfung, der klassischen Steuerberatung und Bilanzerstellung verankert, Vanas & Partner haben neben der klassischen Steuerberatung einen Schwerpunkt im Transaktionsbereich und bei speziellen Steuerfragen“, sagt Schmidl.

Nicht im Bund mit Crowe sind allerdings noch einige Teile der SOT-Gruppe: Der aktuelle Beitritt zum Crowe-Netzwerk betrifft viele, aber nicht alle Gesellschaften. Nicht dabei sind insbesondere SOT Graz bzw. Libertas: Diese beiden großen Gesellschaften sind Teil des Nexia-Netzwerks.

Die übrigen nunmehrigen Crowe SOT-Gesellschaften hätten dort zwar auch Mitglied werden können, doch Nexia ist auch mit großen österreichischen Playern des Prüfungs- und Beratungsmarktes wie Consultatio und Treuhand Union im Bund. Bei Crowe dagegen hat man laut Schmidl nun Exklusivität für Österreich.

Die Zukunft der Steuerberater- & Wirtschaftsprüferbranche

Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung haben ein deutliches Profil am Markt – und das könnte auch noch weiter zunehmen, wenn die Auswirkungen der vor kurzem beschlossenen Reform der Ausbildung greifen, sagt Crowe Horwath Liaison Partner Schmidl.

Denn bekanntlich war es bisher so, dass die Wirtschaftsprüfer-Ausbildung prinzipiell auf der Steuerberater-Ausbildung aufbaute. „Im mittelständischen Bereich sind natürlich beiderlei Qualifikationen innerhalb einer Kanzlei wichtig“, so Schmidl. Aber man habe in der Branche beim Nachwuchs deutlich den Effekt gespürt, dass die lange Ausbildung zum Wirtschaftsprüfer abschreckend wirkte. Die Drop-out-Quote war zu groß.

Jetzt ist das nicht mehr so: Nun entscheidet man sich am Anfang des Ausbildungs- bzw. Berufswegs für eines der beiden Zertifikate und kann die andere Prüfung dann wenn gewünscht später dazumachen.

„Ein Effekt davon ist, dass die jungen Leute sich früher Gedanken über ihre Interessen machen – und im mittelständischen Bereich werden die Rollen von Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern ohnehin nicht eindeutig zu trennen sein.“, sagt Schmidl.

Mehr Nachwuchs für Wirtschaftsprüfer

Schmidl sieht durch die Ausbildungsreform den Beruf des Wirtschaftsprüfers nun wieder attraktiver werden. Was übrigens noch einen weiteren Grund habe: Haftungsfragen.

Zunächst klingt es für Nicht-Branchenangehörige ja paradox: In den letzten Jahren herrschte ein deutlicher Trend dazu, den Wirtschaftsprüfer in die Haftung zu nehmen, wenn das von ihm oder ihr geprüfte Unternehmen kurz danach durch eine Insolvenz oder ein anderes grobes Missgeschick auffiel. Zwar gibt es Versicherungslösungen für die Prüfer, doch die Klagsflut wurde vom Berufsstand dennoch zunehmend als Bedrohung angesehen.

Doch seit der Entscheidung IX ZR 285/14 des deutschen Bundesgerichtshofs im Jänner 2017 sieht die Branche laut Schmidl die Sache nun differenzierter: Dort verurteilte ein Gericht einen Berufskollegen zu Schadenersatz, weil das Unternehmen, für das er die Bilanz erstellt hatte, kurz darauf Pleite gegangen war.

Es ging dabei um die problematische Frage des „Going Concern“ (Fortführungsprinzip), nämlich wie die Lebensfähigkeit des betreffenden Unternehmens – und davon abhängig seine Aktiva und Passiva – zu bewerten waren.

„Aber“, sagt Schmidl, „in dem konkreten Fall ging es nicht um den Wirtschaftsprüfer, der die Bilanz geprüft, sondern um den Steuerberater, der sie erstellt hat.“ Woraus folgt, dass die Beschäftigung mit komplexen Themen wie Going Concern nun also auch Steuerberatern nicht erspart bleibt, so Schmidl: „Und daraus wiederum folgt, dass das Dasein als Steuerberater sich von dem des Wirtschaftsprüfers in dieser Hinsicht nicht mehr so gravierend zu unterscheiden scheint. Eine intensive Beschäftigung mit dem Thema und hohes fachliches Wissen wird von beiden Berufen verlangt.“

Link: Crowe SOT

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