Im Überblick. Bei der TPA Veranstaltung „Face to Face“ trat Justizminister Josef Moser auf. Und Deloitte sieht Arbeitgeber bei jüngeren Mitarbeitern schlecht angeschrieben.
Zum 7. Mal lud das Beratungsunternehmen TPA am 7. Mai 2018 zur Veranstaltungsreihe „Face to Face“. Rund 80 Gäste folgten laut Veranstalter der Einladung ins Wiener Park Hyatt Hotel und verfolgten die Diskussion zu Zukunftsthemen des Landes mit Josef Moser, Minister für Verfassung, Reformen, Deregulierung und Justiz. TPA Partner Leopold Brunner: „Er steht an vorderster Front, wenn es um die Durch- und Umsetzung von Reformen geht und scheut dabei keine sachliche Konfrontation.“
Österreich habe kein Föderalismus- sondern ein Strukturproblem – „mittlerweile auch bestätigt von Institutionen wie der OECD oder der Europäischen Kommission“, so Moser im Gespräch mit Rainer Nowak, Herausgeber und Chefredakteur der Tageszeitung Die Presse. „Wir wissen auch genau, wo im Land zu viel Geld versickert – nun ist der politische Wille zu Reformen gefragt.“
Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr
„Unser Land ist in den letzten Jahren bei der internationalen Wettbewerbsfähigkeit stark zurückgefallen. Seit 2012 liegt Österreich beim Wirtschaftswachstum stets hinter Deutschland, das gab es davor nie“, so Moser. Der Grund liege auch in der überbordenden Bürokratie, die die Wirtschaft schwächt.
Besonders dringenden Reformbedarf sieht Moser in den Bereichen Gesundheit, Pflege, Bildung und Verwaltung. Rasch angehen will er aber auch Erleichterungen für Unternehmen, vor allem bei Betriebsanlagengenehmigungen und in der Gewerbeordnung sieht Moser einen dringenden Bedarf für weitere Vereinfachungen.
Kompetenzen klar verteilen
Einen Hemmschuh für Veränderungen sieht der Minister in den Kompetenzunklarheiten, die vielfach noch gegeben seien. „Besonders dann, wenn Bund, Länder und Gemeinden zusammenwirken sollen, war die Bereitschaft zu Reformen in der Vergangenheit sehr gering.“ Allein im Förderwesen gebe es 216 zuständige Stellen in Österreich, 24 Einrichtungen verteilen das Geld.
Die wichtigsten Schritte, um gegenzusteuern und Reformen tatsächlich umzusetzen, sind laut Josef Moser bereits auf den Weg gebracht: Die Rechtsbereinigung sei fixiert und werde noch im ersten Halbjahr 2018 beschlossen. Dafür wurden Gesetze und Verordnungen, die vor dem 1. Jänner 2000 beschlossen wurden, auf Gültigkeit und Anwendbarkeit überprüft. 2.500 von insgesamt 5.000 Rechtsvorschriften wurden als nicht mehr notwendig gemeldet.
Auch beim „Gold plating“ – also der Übererfüllung von EU-Vorgaben durch Österreich – will der Justizminister ansetzen und im zweiten Halbjahr 2018 konkrete Schritte zur Eindämmung setzen. „Bei Prüf- und Mitteilungsverpflichtungen legt Österreich noch einiges mehr drauf, als die EU fordert“, nennt Moser ein Beispiel. Das schwäche die Wirtschaft und bringe volkswirtschaftlichen Schaden.
Weiters sollen Gesetzesmaterien einfacher und verständlicher gemacht werden – konkret nannte Josef Moser das ASVG und das Einkommensteuergesetz. Letzteres sei äußerst kompliziert und unlesbar geworden, es überfordere so teilweise sogar Experten. Hier soll es unter anderem zu einer Neukodifizierung und zu einer massiven Reduktion der Beitragsgruppen kommen.
Zum Thema Mietrecht kündigt Moser konkrete Weiterentwicklungen an, die noch im ersten Halbjahr 2018 präsentiert werden sollen.
Die Gästeliste
Unter den Gästen waren laut Veranstaltern Cornelius Grupp, CAG Holding, Andreas Ittner, Vize-Gouverneur der OeNB, Brigitte Jank, Jank und Partner Real Estate Services, Franz Semmernegg, Vorstand der Kapsch AG, Jasmin Soravia, Geschäftsführerin Soravia Gruppe, Peter Umundum, Vorstand Österreichische Post, Armenak Utudjian, Vizepräsident der ÖRAK, Graf & Pitkowitz Rechtsanwälte, Andreas Grünbichler, Vorstandsdirektor Wüstenrot Gruppe, Andreas Zahradnik, Dorda Rechtsanwälte und Christian Klausegger, Kanzlei Binder Grösswang.
Deloitte und die Millennials
Im Zuge einer weltweiten Befragung hat Beratungsmulti Deloitte jetzt die Stimmungslage unter Millennials und der Generation Z erhoben. Ergebnis: Die meisten Unternehmen werden den Ansprüchen der jungen Befragten auf mehreren Ebenen nicht gerecht, wie es heißt.
Laut der aktuellen Trendanalyse werde es für Unternehmen immer wichtiger, ihre soziale Verantwortung ernst zu nehmen. Die Millennials (zwischen 1983 und 1994 geboren) zeigen sich in diesem Punkt zunehmend skeptisch. Während 2017 noch 65% vom ethischen Handeln der Unternehmen überzeugt waren, seien es aktuell nur mehr 48%. Lediglich 47% sind außerdem der Meinung, dass Unternehmen einen positiven Beitrag für die Gesellschaft leisten.
„Millennials erwarten sich von den Unternehmen, dass soziale Themen eine zentrale Rolle einnehmen. Beim eigenen Arbeitgeber steht aber laut den meisten Befragten die Gewinnmaximierung an erster Stelle“, analysiert Elisa Aichinger, Senior Managerin bei Deloitte Österreich.
Arbeitgeber müssen überzeugen
Das zunehmende Misstrauen der Millennials wirke sich auch auf deren Jobzufriedenheit aus. Insgesamt geben nur 28% an, über fünf Jahre bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber bleiben zu wollen. 43% der Befragten wollen ihren Job bereits in den nächsten zwei Jahren wechseln.
„Die Umfrage zeigt: Die meisten Unternehmen können ihre Angestellten nicht langfristig überzeugen. Bezahlung und Karrierechancen sind zwar wichtige Kriterien bei der Jobwahl. Um Mitarbeiter aber dann auch halten zu können, müssen Unternehmen verstärkt auf Diversität von Teams und mehr Flexibilität setzen“, so Aichinger.
Gig Economy macht Unternehmen Konkurrenz
Selbstbestimmtes Arbeiten gewinne bei jungen Arbeitnehmern zunehmend an Bedeutung. Von jenen Millennials, die ihren Job in den nächsten zwei Jahren wechseln möchten, sehen 78% im Konzept der Gig Economy eine attraktive zusätzliche Einnahmequelle neben einer Vollzeitanstellung. 43% können sich vorstellen, sich vollständig auf das neue Arbeitsmodell einzulassen.
Als Hauptargument nennen fast zwei Drittel den finanziellen Anreiz. Flexiblere Arbeitszeiten sind ebenfalls ein häufig genannter Grund. Den Wünschen der Mitarbeiter nach mehr Flexibilität sollte daher unbedingt nachgekommen werden, rät Anna Nowshad, Senior Managerin bei Deloitte Österreich.
Fehlende Unterstützung im digitalen Wandel
70% der Millennials rechnen mit großen Veränderungen aufgrund des digitalen Wandels. Das führt bei vielen zu Verunsicherung. 17% fürchten, dass ihre Jobs durch neue Technologien ersetzt werden könnten. Lediglich 36% fühlen sich auf künftige Entwicklungen gut vorbereitet.
„82% wünschen sich On-The-Job-Trainings, um sich in der digitalisierten Welt zurecht zu finden. Der Großteil der befragten Millennials gibt jedoch an, von ihrem Arbeitgeber keine Unterstützung zu erhalten. Um die Mitarbeiter zukunftsfit zu machen, müssen jetzt dringend entsprechende Angebote geschaffen werden“, so Nowshad.
Für die siebte Ausgabe des Deloitte Millennial Survey wurden laut den Angaben 10.455 Personen aus insgesamt 36 Ländern befragt, die zwischen 1983 und 1994 geboren sind. Auch die Generation Z war mit 1.844 Umfrageteilnehmern aus sechs Ländern vertreten. Dazu zählen Personen mit Geburtsjahr zwischen 1995 bis 1999.
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