Privatkunden wollen Energie billiger einkaufen

12. Jun 2018   Business Tipps

Energiemarkt. Innerhalb von 12 Monaten haben über 341.000 Kunden den Strom- oder Gaslieferanten gewechselt – eine Zunahme um fast ein Fünftel, so die Energie-Control. 

Von einer weiteren Stärkung des Wettbewerbs auf dem heimischen Strom- und Gasmarkt mit positiven Auswirkungen für die Endkunden spricht konkret der Tätigkeitsbericht 2017 der Energie-Control Austria, der laut Parlamentskorrespondenz jetzt im Nationalrat vorgelegt wurde.

  • So haben 341.300 KonsumentInnen ihren Lieferanten gewechselt, was einer Zunahme um 19% gegenüber dem vorangegangenen Jahr entspreche.
  • Weiters gebe es nunmehr eine größere Anzahl von neuen Lieferanten, das Einsparpotenzial beim Wechsel habe sich erhöht, außerdem haben viele Anbieter ihre Preise gesenkt.
  • Gekennzeichnet war das Jahr 2017 aber auch durch die neuerliche Steigerung der Ökostromproduktion sowie durch eine Strompreisreduktion für die Haushalte.

Beigetragen haben die mittlerweile zahlreichen Tools und Initiativen, die Privatkunden beim Wechsel des Stromanbieters helfen wollen. So hat der Verein für Konsumenteninformation (VKI) auch 2017 seine Aktion „Energiekosten-Stop“ durchgeführt. Und die Energie-Control selbst bietet seit einiger Zeit einen offziellen Vergleichsrechner (Tarifkalkulator), mit der Haushalte den günstigsten Stromanbieter bzw. günstigsten Gasanbieter für ihr Versorgungsgebiet ermitteln können.

Die kleine Ökostromgesetznovelle 2017

Das Berichtsjahr war aber auch das erste unter vollständig neuer Führung der Energie-Control. Die Aufsichtsratsvorsitzende und CHSH-Wirtschaftsanwältin Edith Hlawati und die beiden Vorstände Wolfgang Urbantschitsch und Andreas Eigenbauer können zudem auf neue, geänderte gesetzliche Vorgaben zurückblicken, die es, wie der Bericht unterstreicht, den Konsumenten ermöglichen, stärker als bisher am Strommarkt teilzunehmen.

Einen wesentlichen Beitrag dazu habe die im Sommer 2017 beschlossene kleine Ökostromgesetznovelle geleistet, heißt es. Seit dieser Novelle sei es für Mieter bzw. Wohnungseigentümer wesentlich einfacher, selbst Strom zu erzeugen und im eigenen Haus an die teilnehmenden Bewohner zu verteilen.

Die Energie-Control erwartet sich davon vor allem für den Neubau großes Potenzial und rechnet bereits 2018 mit ersten messbaren Erfolgen. Tatsächlich haben bereits Bauherren mit dem Start von Wohnbauprojekten begonnen, die mit einer hausweiten Photovoltaikanlage ausgerüstet werden.

Neuerliche Zunahme beim geförderten Ökostrom

Was nun die Ökostromerzeugung betrifft, kam es 2016 – die endgültigen Zahlen für 2017 lagen dem Bericht noch nicht vor – nicht nur zu einem Anstieg des geförderten Ökostroms, auch der Ökostromanteil am gesamten Endverbrauch konnte anscheinend recht deutlich weiter gesteigert werden.

Konkret erhöhte sich der Anteil des geförderten Ökostroms von 16,0% im Jahr 2015 auf 16,7% 2016. Die Erzeugung aus gefördertem Ökostrom konnte im Jahr 2016 um 6,6% angehoben werden.

Die Aufteilung des Ökostroms auf die einzelnen Technologien zeigt ein ähnliches Bild wie in den vorangegangenen Jahren: Die größten Zuwächse gab es auch 2016 bei der Kleinwasserkraft, der Photovoltaik und der Windkraft. Im Bereich der rohstoffabhängigen Technologien, etwa bei der Biomasse, kam es hingegen zu einem leichten Rückgang.

Die bereits vorliegenden Werte des ersten Halbjahrs 2017 lassen nun für das Gesamtjahr eine weitere Steigerung des Ökostromanteils erwarten. Der Bericht gibt allerdings zu bedenken, dass vermehrt Anlagen aus dem Fördersystem herausfallen, wodurch sich im Bereich der installierten Leistung eine Stagnation bei Verträgen mit der Ökostromabwicklungsstelle ergeben könne.

Erstmals seit fünf Jahren sank Strompreis für Haushalte

In Sachen Strompreis für Endkunden kann der Bericht mit einer positiven Nachricht aufwarten. Erstmals seit fünf Jahren sind Anfang 2017 die Gesamt-Stromkosten für Haushalte gesunken. Der gewichtete Durchschnittspreis für einen Musterhaushalt reduzierte sich um 3,6% von 20,77 Cent/kWh im Dezember 2016 auf 20,25 Cent/kWh im Jänner 2017.

Diese Kostenreduktion sei vor allem auf die Senkung der Ökostromförderkosten zurückzuführen, heißt es dazu. Diese Kosten sind für einen Musterhaushalt von 120 € brutto im Jahr 2016 auf 99 € brutto im Jahr 2017 gesunken. Auch die Energiepreise reduzierten sich in diesem Zeitraum um 2%, die Netzkosten hingegen stiegen geringfügig um 0,36% an.

Über 360.000 Anbieterwechsel seit der Gasmarktliberalisierung

Auf dem Gassektor wiederum ist der Gesamtpreis für Endkunden im gewichteten Durchschnitt real um 5% gesunken. Die Reduktion ist hier vor allem auf den Rückgang des Energiepreises und teilweise auf die Senkung der Netzkosten in einzelnen Gebieten zurückzuführen.

  • 2017 konnte überdies das 15-jährige Jubiläum der Gasmarktliberalisierung gefeiert werden. Seit 2002 haben bisher 336.000 Haushalte und 32.000 Unternehmen einen neuen Gaslieferanten gewählt.
  • Insgesamt ist auch die Auswahl für die Kunden größer geworden. Gab es zu Beginn der Liberalisierung nur vier Gaslieferanten, die österreichweit angeboten haben, waren es Ende 2017 bereits 25 Anbieter im Marktgebiet Ost und 20 im Marktgebiet Tirol und Vorarlberg.

Und was ist mit dem Streit um die deutsch-österreichische Strompreiszone?

Positiv bewertet der Bericht die Ergebnisse im Konflikt um die deutsch-österreichische Strompreiszone. Der Handel am deutsch-österreichischen Strommarkt werde trotz einer Beschränkung ab 1. Oktober 2018 auch künftig in großem Umfang möglich sein, heißt es.

Im Einzelnen können 4,9 Gigawatt Strom durch Langfristkapazitäten vergeben werden, was in etwa der Hälfte des österreichischen Verbrauchs zu Spitzenzeiten entspreche. Der Stromhandel zwischen den beiden Staaten bleibe somit weitgehend in dem vom Markt benötigten Ausmaß offen, betont der Bericht.

Link: Parlament

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