Studie: Protektionismus, der Umwelt zuliebe?

06. Jul 2018   Business

Böses Einweggeschirr. Wie Umweltargumente zu Protektionismus führen, möchte Marktforscher Kreutzer Fischer & Partner anhand einer Studie zeigen.

Die EU-Kommission plant verschiedene Kunststoffprodukte zu verbieten, darunter etwa Einweggeschirr sowie Trinkhalme. Schönheitsfehler – oder vielleicht auch typisch, in Zeiten wachsender Handelsstreitigkeiten: Die geplanten Maßnahmen treffen primär Importe aus Asien und ebnen gleichzeitig den Weg für europäische Anbieter gleichartiger Produkte aus Pappe und Fasern.

Das ist jedenfalls die Essenz einer aktuellen Marktanalyse, die das Beratungsunternehmen Kreutzer Fischer & Partner veröffentlicht hat. Und was noch hinzugefügt wird: Bis jetzt war der Erfolg der umweltfreundlichen europäischen Anbieter eher bescheiden – nun dürften sie jubeln.

Helden der Umwelt oder Kreuzritter des Protektionismus?

Ursprünglich wollte die Europäische Kommission überhaupt gleich eine „Plastik-Steuer“ einführen. Für jeden nicht wiederverwerteten Kilo Kunststoffmüll sollten 80 Cent ins EU-Budget fließen. Doch dagegen gab es aus einigen Mitgliedsländern bekanntlich massiven Widerstand.

Nun ventiliert man eine Idee, mit der man zumindest die vermeintlich umweltrelevanten Aspekte einer Vermeidung von Kunststoff retten will. Geplant ist das Verbot von fünf Produktgruppen, weitere fünf sollen stark reguliert werden.

Zu den künftig möglicherweise verbotenen Kunststoffprodukten zählen neben Wattestäbchen mit Kunststoffhalmen und Haltern für Luftballons auch Einweggeschirr, Trinkhalme und Getränkerührstäbchen aus Plastik, führt Kreuzer Fischer & Partner an.

Und nennt einige Zahlen:

  • Der europäische Markt für Einweggeschirr (inklusive Besteck und Getränkerührstäbchen) und Trinkhalme lag im Jahr 2017 bei rund 350 Millionen Euro.
  • In den letzten drei Jahren wuchs der Markt jährlich um etwas mehr als zwei Prozent pro Jahr.
  • Rund 83 Prozent des Marktes entfielen im vergangenen Jahr auf Kunststoffprodukte. Etwa zwei Drittel davon kamen aus Asien, hauptsächlich von den Philippinen.
  • Produkte aus Pappe, Waben und Fasern werden indessen nahezu zur Gänze in Europa hergestellt. Die wichtigsten Anbieter kommen aus Deutschland. Allerdings hielt das Segment Pappe/Fasern zuletzt nur einen Marktanteil von erlösseitig 17 Prozent, obgleich es preislich deutlich höher angesiedelt ist, heißt es weiter.

Noch im Jahr 2015 wuchs das Segment Pappe/Fasern mit fünf Prozent gegenüber Vorjahr rascher als der Gesamtmarkt, mittlerweile sei die Dynamik aber deutlich abgeflacht. In den beiden letzten Jahren gab es gegenüber Kunststoff keine Marktanteilsgewinne mehr.

„Bei Umsetzung der EU-Verordnung hätte man auf einen Schlag wieder freie Fahrt“, formuliert es die Marktanalyse.

Inwieweit dieser Umstand die Entscheidung der Kommission bei der Erstellung der Verbotsliste beeinflusste sei natürlich ungewiss. Tatsache ist aber laut den Marktforschern, dass in der Vergangenheit immer wieder Richtlinien und Verordnungen auch aus einem wirtschaftspolitischen Blickpunkt getroffen wurden. Denn Protektionismus sei der EU grundsätzlich nicht fremd – auch wenn sie zur Zeit vor allem gegen die USA wettert.

Link: Kreutzer Fischer & Partner

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlauben Sie Cookies, indem Sie auf Übernehmen im Banner klicken.

    Weitere Meldungen:

  1. Heißes Eisen Wasserrecht: Kommentar aktualisiert
  2. Umweltschützer klagen erfolgreich: Diesel-Verbot in Frankfurt
  3. Standortgesetz: Umweltprüfungen ausgebremst?
  4. Update zum Umweltrecht: Neue Projekt-Regeln