Gastbeitrag: Digitalisierung darf kein Feindbild sein

31. Jul 2018   Business Recht Tech
Andreas Hladky Credit point of origin
Andreas Hladky ©point of origin

Digitalisierung verändert alles. Und was tut Österreich? Wir klagen gegen Ideen wie die von Uber – statt selber welche zu haben, kritisiert Andreas Hladky, Gründer von point of origin, in seinem Gastbeitrag. 

An Schreckensszenarien mangelt es nicht. Schwarzmalen hat beim Thema Digitalisierung Hochsaison. Eines der aufgebauten Angst-Bilder: Roboter nehmen unsere Jobs weg. Daher sollten wir eine neue Steuer einführen und den nun ja leider arbeitslos Gewordenen ein staatliches Einkommen bezahlen. Sonst noch was?

Silicon Valley hat unserem Land eine Innovation gebracht, die wir gerne willkommen heißen: den ultimativen Grund, uns nicht mehr anstrengen zu müssen und uns ab nach der Matura strukturbedingt in die staatliche Grundeinkommens-Pension zu verabschieden.

Sonst noch was? Ach ja: in vielen Ländern entwickelten sich seit über 15 Jahren digitale Cluster, Startup-Kulturen, Ausbildungsinitiativen und – mit etwas Glück: Weltkonzerne. Jugendliche und Arbeitslose werden zu Programmierern umgeschult und schaffen mit Spezialisierung auf bestimmte Technologien problemlos hohe Einkommen. Digitalisierung heißt, dass Kompetenzen weltweit gefragt sind.

Die Karten werden neu gemischt

Auf Unternehmensebene werden in allen Branchen Marktanteile neu gemischt, denn Digitalisierung bedeutet, dass Unternehmen ihre Services von überall weltweit ausrollen können. Bei Erfolg mit Jobgarantie für Zehntausende. Auch jeder Einzelne von uns könnte das, wenn eine gute Idee von Usern und potentiellen Kunden aufgegriffen wird. Die Tools dafür, eine Idee vom Keller in Kapfenberg aus in die Welt zu setzen, sind längst da und kosten nichts.

Bei uns hingegen werden Unternehmen als digitale Champions bejubelt, wenn sie eine neue Weboberfläche für Kontoführung anbieten. Mit zwanzigjähriger Verspätung entdecken wir Start-ups und die Bedeutung von „Design Thinking“. Wundern wir uns, dass die großen digitalen Unternehmen nicht aus unserem Land kommen?

Es wird alles anders sein

Die Digitalisierung ist wie der Buchdruck eine Revolution, die alles verändern wird und nicht mehr rückgängig zu machen ist. Anstatt zu überlegen, was es bedeutet, Buchstaben zu drucken und reproduzieren zu können, sind unsere Strukturen darauf ausgerichtet, den Minnesänger per Verordnung zu schützen und ihm irgendwie arbeitsloses Einkommen zu verschaffen.

Noch immer gibt es Vorstände, die das Internet für eine vorübergehende Erscheinung halten und Sekretärinnen, die beim AMS zur Eventmanagerin umgeschult werden. Wie sinnvoll ist das?

Länder, die sich dermaßen defensiv mit einer radikalen Erneuerung auseinander setzen, hängen sich selbst ab. Noch immer gibt es in Österreich keine drei Fachhochschulen, die dezidiert und vollinhaltlich auf Technologie ausgerichtet sind. Brauchen würden wir 30.

Wir bejammern das Aussterben des Greißlers, verfluchen den Siegeszug von Amazon und klagen Uber. Gegen eine Idee zu klagen, anstatt selbst eine zu haben: die Ironie darin fällt nicht mal auf.

In einer Kultur des Verhinderns und Verleugnens werden Politiker bald Wahlkämpfe damit gewinnen, gegen böse Bits zu wettern. Der neue IT-Populismus wird Regulierung für Konzerne verlangen und die eigene Bevölkerung damit nur noch stärker an den Rand drücken.

Ideen statt Unwillen?

Umwelt, Gesundheit, Soziales, Banking, Handel, Pflege, Sicherheit – wer einen Blick über den Tellerrand wirft, wird feststellen, dass Millionen von Menschen Technologie zum Anlass nehmen, ein Geschäft zu eröffnen oder die Welt mit einer neuen Idee zu einem besseren Ort zu machen.

Sich nur auf die negativen Aspekte der Digitalisierung zu konzentrieren sagt viel über unseren Unwillen aus, die Welt überhaupt aktiv gestalten zu wollen. Die österreichische Mentalität hat historische Ereignisse schon oft mit einem trägen soziokulturellen Lehm zur Seite gewälzt. Bei der Digitalisierung wird uns das nicht gelingen. Wenn wir Technologie nicht aktiv verändern und nützen, werden wir das als Gesellschaft teuer bezahlen.

Der Autor

Andreas Hladky (44) ist Gründer und Geschäftsführer von point of origin. Das Unternehmen mit Stammsitz in Wien berät Kunden zu den Themen Digitalisierung und Wandel.

Link: point of origin

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