Fanatischer Biker gründet eigenen Autokonzern

24. Nov 2018   Business Motor Nova
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Vaclav Klement ©Skoda

Historische Wirtschaft. Autobauer Škoda feiert den 150. Geburtstag von Mitgründer Václav Klement. Er war innovativ und fleißig, heißt es. Doch der Auto-Pionier war vor allem auch ein Biker.

Vor 150 Jahren wurde im mittelböhmischen Velvary einer der Gründer des Automobilherstellers Škoda Auto geboren, Václav Klement (1868 – 1938). Seine Nachfolger im VW-Konzern, zu dem Škoda heute gehört, zollen ihm Tribut: Zu den größten Verdiensten von Klement zähle die strategische Ausrichtung, die er dem Unternehmen gegeben habe, und natürlich die erfolgreiche Expansion im In- und Ausland.

Auch bescheiden, fleißig und ein fähiger Unternehmer sei er gewesen. Doch in der Öffentlichkeit wurde er vor allem in zwei Rollen bekannt: als begeisterter – und erfolgreicher – Rennfahrer und als Mäzen.

Vom Buchhändler zum Rennfahrer

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Vaclav Klement ©Skoda

Václav Klement kam am 16. Oktober 1868 zur Welt. Nachdem er fünf Jahre lang die Volksschule besucht hatte, begann Klement eine Lehre zum Buchhändler. Bereits zu dieser Zeit begeisterte er sich für flottes Tempo auf Rädern – und das waren, dem Stand der Technik entsprechend, Fahrräder.

Um 1883 begann Klement als Handelsgehilfe in einer Buchhandlung in Mladá Boleslav zu arbeiten – acht Jahre später übernahm er das Geschäft. Sein Hobby, das Radfahren, und der Handel mit Fahrrädern diente ihm damals noch als Zubrot: Er verkaufte Fahrräder österreichischer, englischer und deutscher Marken.

Zusammen mit dem gelernten Mechaniker Václav Laurin aus Turnau (der sich gerade mit seinem bisherigen Geschäftspartner zerstritten hatte) gründete Klement im Dezember 1895 eine Firma für Fahrzeugreparaturen. Die 120 Quadratmeter große Werkstatt lag in der Straße Benátská 149/III im Stadtteil „Na Hejtmance“ von Mladá Boleslav. Bereits im Frühling 1896 begannen Laurin und Klement dann auch mit der Produktion von Fahrrädern, die sie unter dem Markennamen „Slavia“ anboten.

Klement steuerte den Geschäftssinn bei und kümmerte sich vornehmlich um die unternehmerischen Aufgaben. Zu seinen erfolgreichen Ideen zählte zum Beispiel die Einführung von Ratenzahlungen im Oktober 1896. Es wird von ihm überliefert, dass er stets hochmotiviert und ausgesprochen fleißig war: Oft stand Klement von fünf Uhr morgens bis 23 Uhr nachts in der Werkstatt und kümmerte sich nebenbei auch noch um die Werbung für die Produkte und das Marketing. Seine Frau Antonie übernahm in den ersten drei Jahren des Betriebs sämtliche administrativen Arbeiten.

Der Motor für die Räder

Einige Jahre nach der Gründung folgte der nächste große Schritt: Laurin & Klement (L&K) betätigte sich als Pionier modern konstruierter Motorräder und stellte am 18. November 1899 die ersten zwei Modelle der Marke Slavia in Prag-Bubny vor. Weitere Präsentationen im Ausland folgten.

Klement galt aber nicht nur als Innovator, er zählte vor allem zu den erfolgreichsten Rennfahrern seiner Zeit. Einer seiner größten Erfolge gelang ihm am 11. Mai 1902 mit dem Triumph beim Exelbergrennen bei Wien, dem größten Motorsportereignis seiner Zeit im Kaiserreich Österreich-Ungarn. Darüber hinaus leitete Klement das erfolgreiche Werksteam aus Mladá Boleslav: Sein Mitarbeiter Václav Vondřich siegte am 25. Juni 1905 bei der inoffiziellen Motorrad-Weltmeisterschaft im französischen Dourdan.

Den Verkäufen seines Unternehmens hat es nicht geschadet: Bald produzierte L&K weit mehr Motor- als Fahrräder. Schließlich stellte das Unternehmen deren Fertigung im März 1905 ganz ein und konzentrierte sich auf die Entwicklung des ersten eigenen Automobils, das bereits gegen Ende desselben Jahres der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Da waren seit der Gründung des Unternehmens als Fahrradwerkstatt erst zehn Jahre vergangen.

Der Nationalitätenstreit

Václav Klement war seiner Heimat sehr verbunden, heißt es in der heutigen Laudatio aus dem VW-Konzern. Mehr ins Detail geht man nicht, denn die Geschichte eignet sich kaum für die Heile-Welt-Stimmung einer Presseaussendung: Heimatverbundenheit bedeutete damals nämlich vor allem Konflikt.

In der Donaumonarchie kämpften die Nationalitäten um die Vorherrschaft, slawische Völker wie die Tschechen sahen sich von deutschsprachigen Österreichern – und auch Ungarn – unterdrückt. So wird von Škoda folgende Gründungslegende überliefert (Wikipedia): Der technisch begeisterte tschechische Buchhändler Klement habe sich 1894 eigentlich nur ein Fahrrad kaufen wollen. Als dies dann jedoch repariert werden musste, wandte er sich an den Dresdner Hersteller Seidel & Naumann. Er schrieb einen Brief in seiner Muttersprache Tschechisch an die Hersteller (Anm.: Und zwar wohl an deren Büro in Böhmen, s. Kommentar unten). Diese antworteten ihm: „Wenn Sie von uns eine Antwort haben wollen, dann verlangen wir Ihre Mitteilung in einer für uns verständlichen Sprache“.

Klement sei daraufhin so verärgert gewesen, dass er kurzerhand beschloss, zusammen mit Václav Laurin künftig selbst Fahrräder herzustellen. Der Markenname dieser seiner ersten Produkte – „Slavia“ – spricht dafür. Es war nicht zuletzt auch ein Hinweis darauf, dass die Kunden mit der Firma tschechisch korrespondieren konnten: Mit deutschsprachigen Unternehmen auch innerhalb der Donaumonarchie – und auch mit k.u.k. Behörden – konnten sie es meist nicht.

Toleranz im Team

Doch Klement legte auch großen Wert auf ein internationales Expertenteam. So engagierte er beispielsweise den deutsch-österreichischen Topkonstrukteur und Rennfahrer Otto Hieronymus. In den Jahren nach dem Start der Autoproduktion entwickelte sich L&K zum größten Automobilbauer in Österreich-Ungarn und etablierte sich auf zahlreichen ausländischen Märkten, heißt es: 1907 stammten bereits 70 Prozent des Firmenumsatzes aus dem Export.

Der Unternehmer Václav Klement wird als anspruchsvoll geschildert: Zwar sei er privat bescheiden gewesen, im Berufsleben habe er aber hohe Ansprüche an seine Mitarbeiter (und sich selbst) gestellt. Sein Unternehmen war aber auch für etliche soziale Aktivitäten bekannt.

In den Jahren des Ersten Weltkriegs gelang es Klement, die meisten seiner vom Militär eingezogenen Mitarbeiter zurück ins Werk zu holen. Produziert wurde jetzt Kriegsgerät. Laurin & Klement unterstützte Soldatenfamilien und half der Belegschaft auch mit Lebensmitteln aus – denn mit dem Fortschreiten des Krieges wurde die Versorgung in der Donaumonarchie immer kritischer.

Das Ende des Krieges brachte den Zerfall der Monarchie. Klement musste nun das Scheitern auf den traditionellen Exportmärkten verhindern – auch von Österreich und Ungarn trennte ihn jetzt eine Grenze. Zu den neuen Maßnahmen gehörte die Produktion von Flugmotoren.

Im Sommer 1924 zerstörte ein verheerender Brand die Fabrik. Um das Unternehmen anschließend wieder zu stabilisieren und auf Erfolgskurs zu bleiben, stimmte Laurin & Klement notgedrungen dem Einstieg eines starken strategischen Partners zu – der Pilsener Škoda Werke. Die Škoda Werke, ein Maschinenbauer, waren in den Zeiten der Monarchie der größte Waffenhersteller des Kaisers gewesen. Einige Jahre später benannte sich das gemeinsame Unternehmen ganz in Škoda um, der Autopionier erhielt also den Namen, unter dem er heute bekannt ist.

Fließbänder und neuer Krieg

Klement erkannte auch weiterhin die Trends in der internationalen Automobilindustrie. Mit den Erfahrungen und seinen Kontakten, die er 1927 von einer Studienreise in die USA mitbrachte, trug er wesentlich zum Aufbau der seinerzeit hochmodernen Fabrik in Mladá Boleslav bei. Fortan setzte das Unternehmen auf Fließbandproduktion – und auch auf moderne Werbung.

Am Lebensabend seines Mitbegründers etablierte sich Škoda als größter Automobilhersteller in der damaligen Tschechoslowakei. Am 13. August 1938, kurz vor seinem 70. Geburtstag, starb Václav Klement. Seinen Geschäftspartner und Freund Václav Laurin überlebte er um fast acht Jahre.

Das Ende der Tschechoslowakei erlebte Klement nicht mehr: Einige Wochen nach seinem Tod führte das Münchner Abkommen zur Abtretung des Sudetenlandes an Hitlerdeutschland, weitere Gebiete gingen kurz danach an Ungarn. Im Zweiten Weltkrieg war das Land besetzt, Škoda Auto in die deutsche Rüstungsindustrie integriert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Škoda verstaatlicht, die Automobilsparte als AZNP planwirtschaftlich betrieben.

Die neuen Zeiten

Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Samtenen Revolution in Tschechien wurde, um eine Privatisierung zu ermöglichen, der staatliche Autobauer 1990 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die Volkswagen AG übernahm einen Minderheitsanteil. 1991 hieß der traditionsreiche tschechische Autohersteller schließlich auch wieder Škoda.

In den Folgejahren baute VW seinen Anteil an Škoda Auto immer weiter aus. Seit dem Jahr 2000 hält man die Mehrheit. Die neue Ära der friedlichen europäischen Zusammenarbeit brachte auch noch einen weiteren Meilenstein: 2014, fast genau 110 Jahre nach dem Start des Automobilbaus, stellte Škoda erstmals mehr als eine Million Autos pro Jahr her.

Link: Škoda Auto (Unternehmensseite)

Link: Škoda Auto (Wikipedia)

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Ein Gedanke zu „Fanatischer Biker gründet eigenen Autokonzern“

  1. Klement schrieb damals an die Filiale von Seidel & Naumann in Aussig (Usti nad Labem) und nicht nach Dresden. Im Text ist das falsch dargestellt. Aussig liegt in Böhmen und da hätte Klement schon erwarten können, dass Tschechisch „akzeptiert“ wird.

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