Neue Österreich-Studien von Deloitte, EY und PwC

27. Nov 2018   Business Recht Steuer Tech
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Beratungsmultis. Eine Deloitte-Studie kritisiert Österreichs Rechnungswesen-Profis. Die Obrigkeit ist bei der IT weiter, glaubt EY. Und PwC lobt und warnt Familienunternehmen.

Die großen Zukunftsthemen im Rechnungswesen stehen laut einer Deloitte Studie in österreichischen Unternehmen eher selten auf der Agenda. Das zeige sich vor allem bei einem genauen Blick auf die Rechnungswesen-Abteilungen. Nur die wenigsten beschäftigen sich dort etwa mit Cloud-Lösungen. Der Fokus liege hierzulande noch vorrangig auf der weiteren Automatisierung der Verarbeitung der Eingangsrechnungen. Das Fazit der Experten lautet: Es gibt noch einiges zu tun, doch die Handlungsfelder wurden erkannt.

Bei der Studie wurden laut den Angaben zwischen Juni und September 2018 insgesamt 369 heimische Unternehmen befragt. „Bereits 43% der Unternehmen in Österreich haben eine Digitalisierungsstrategie entwickelt. Weitere 49% planen in den nächsten drei Jahren eine solche zu etablieren. Das ist in Anbetracht der rasant wachsenden technologischen Herausforderungen sehr erfreulich“, meint Gerald Vlk, Partner bei Deloitte Österreich.

Bei den großen Technologietrends – zumindest jenen, die Deloitte als solche identifiziert hat – gibt es laut Studie in Österreich noch Aufholbedarf:

  • Auf das Zukunftsthema Cloud setzen aktuell nur die wenigsten. 15% geben an, bereits Cloud-Lösungen für das Rechnungswesen zu nutzen. Sicherheitsbedenken und der erwartete hohe Kostenaufwand beim Umstieg halten die meisten Befragten bisher noch davon ab. „Sicherheitsbedenken sind meist unbegründet. Gerade die größeren Cloud-Anbieter halten sich an hohe Standards. Die Vorteile der Cloud überwiegen hier meist“, glaubt Vlk.
  • Robotergesteuerte Prozessautomatisierung ist lediglich bei 14% der Befragten im Einsatz. Über die Hälfte will diese Technologie aus heutiger Sicht gar nicht anwenden. Robotic Process Automation sei vor allem ein Thema für die größeren Unternehmen. Bei diesen könne eine Anwendung der Technologie Optimierungen bringen.
  • Statt auf neue Technologien fokussieren sich die heimischen Unternehmen noch auf Basisarbeiten wie die Automatisierung des Eingangsrechnungsprozesses. Die verschiedenen Rechnungsformate erschweren die automatische Verarbeitung. Mit 49% erhält der Großteil der Befragten seine Eingangsrechnungen zudem nach wie vor in Papierform. In 44% der Fälle kommen die eingehenden Rechnungen zwar bereits im PDF-Format an, strukturierte Formate wie XML-Dateien sind aber noch selten. Über die Hälfte der elektronischen Rechnungen wird nach Erhalt außerdem wieder ausgedruckt.

Die Obrigkeit und die braven Bürger sind schon weiter

Digitaler Wandel zieht sich aber nicht nur durch das Wirtschaftsleben und Privatleben der Österreicher, sondern ist auch im öffentlichen Sektor spürbar: Im EU-Vergleich nimmt Österreich einen Top-12-Platz unter jenen Ländern ein, die E-Government bereits umsetzen, heißt es beim Beratungsmulti EY – wie Deloitte ein Mitglied im Oligopol der vier großen Wirtschaftsprüfer („Big Four“).

Während in Österreich im Bereich der digitalen Post, eID, eDokumente und der Verfügbarkeit von vorgefertigten Formularen noch Aufholbedarf herrscht, erzielt die Alpenrepublik in puncto benutzerorientierter Regierung laut EY Top-Ergebnisse. Darunter fallen die Online-Verfügbarkeit von Dienstleistungen, Online-Support und Help Services.

  • Vier von zehn Österreichern interagieren in etwa alle drei Monate mit Behörden. Ein Drittel davon führt die Behördenwege online durch, jeder Zweite entscheidet sich für eine persönliche Abwicklung.
  • Zufrieden mit den Online-Behördenwegen sind hierzulande 64 Prozent, das sind neun Prozent weniger als 2012. Trotzdem steigt die E-Government-Nutzung in Österreich – von 2012 auf 2017 konnte ein Plus von 7 Prozent (von 67% auf 74%) erzielt werden. Die größten Barrieren bleiben freilich dieselben: An erster Stelle rangiert geringes Wissen über die bestehenden Angebote, gefolgt von der Anschaffung zusätzlicher Hardware und mangelnder Durchgängigkeit.
  • Besonders häufig werden Anliegen des Finanzamts online erledigt: 47 Prozent entscheiden sich für eine digitale Abwicklung, durchgeführt werden dabei beispielsweise Lohnsteuer-Bescheinigungen und Einkommenssteuer-Erklärungen.

Zu diesen Ergebnissen kommt die EY-Studie Smart Country Österreich 2018. Dafür hat die Prüfungs- und Beratungsorganisation EY laut den Angaben rund 20 Führungskräfte aus Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung in Österreich persönlich in Form von qualitativen Interviews und 1.000 Österreicherinnen und Österreicher mittels Fragebogen befragt.

Die Studie beleuchte aus mehreren Perspektiven den Stand und die Entwicklungstrends von Smart Country und E-Government in Österreich und beziehe auch internationale Studien auf EU- und DACH-Ebene mit ein.

Die Situation der Familienunternehmen

Österreichische Familienunternehmen blicken optimistisch in die Zukunft: 82 Prozent sind laut eigenen Angaben in den vergangenen zwölf Monaten gewachsen, ein Viertel der Unternehmen (25 Prozent) konnten sogar ein zweistelliges Wachstum verzeichnen. Das sind die Ergebnisse der Family Business Survey 2018 von PwC.

Dabei wurde auch österreichische Familienunternehmen betrachtet, und die sind im Vergleich zur Family Business Survey 2016 nicht nur stärker gewachsen, sondern liegen auch über dem globalen Durchschnitt (2016 waren es nur 60 Prozent; global sind es 69 Prozent), so PwC.

Fachkräfte als Herausforderung

Auch wenn sich heimische Familienunternehmen positiv hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Entwicklung zeigen, äußern sie gleichzeitig Bedenken in Bezug auf sich verändernde Geschäftsmodelle, Regulierungen und Protektionismus. Vor allem der Fachkräftemangel gebe Anlass zur Sorge: Für 95 Prozent der Unternehmen ist die Fähigkeit, die besten Talente anziehen und halten zu können, entscheidend.

„Österreichs Familienunternehmen stellen sich erfolgreich dem internationalen Wettbewerb und befinden sich weiter auf einem positiven Wachstumspfad. Trotzdem dürfen sie sich nicht auf ihrem Erfolg ausruhen“, so Rudolf Krickl, Partner bei PwC Österreich. „Wirtschaftliche Umbrüche stellen die Unternehmen vor große Herausforderungen. In den nächsten zwei Jahren liegen diese vor allem im Zugang zu den benötigten Fachkräften, in der Entwicklung ausreichender Innovationskraft sowie in der Bewältigung der digitalen Transformation.“

  • Zwei Drittel (66 Prozent) der österreichischen Familienunternehmen sind der Meinung, dass sie in den nächsten zwei Jahren deutliche Fortschritte bei den digitalen Fähigkeiten machen werden, während dies weltweit nur 57 Prozent angaben.
  • 16 Prozent der Unternehmen glauben, dass sie digitalen Umbrüchen ausgesetzt sein werden (global: 30 Prozent). Nur 2 Prozent von Österreichs Familienunternehmen erwarten eine Änderung ihres Geschäftsmodells in den nächsten zwei Jahren (gegenüber 20 Prozent weltweit).
  • 23 Prozent der befragten Unternehmen sehen sich anfällig für einen Cyber-Angriff (weltweit sind es 40 Prozent).

Einfach besser oder bloß naiv?

Diese sehr positive Einschätzung – im Vergleich zu den weltweit erhobenen Zahlen – liege unter Umständen aber auch darin begründet, dass sich österreichische Familienunternehmen dem vollen Ausmaß der Herausforderungen, die sich durch die Digitalisierung ergeben werden, noch nicht bewusst sind, fürchtet Krickl. Er empfehle daher einen „Digital Health Check“.

Womit PwC ein wenig an den alten Ausdruck vom Steuerberater als Hausarzt der Wirtschaft erinnert, bloß dass der Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsmulti – ebenfalls ein Big Four-Mitglied – über eine deutlich größere Praxis verfügt als die typische Kanzlei ums Eck.

Link: Deloitte

Link: EY

Link: PwC

 

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