Neues Jahr bringt Härten auf den Finanzmärkten?

27. Dez 2018   Finanz
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Alexander Eberan ©Thomas Raggam

Ausblicke. Nach dem enttäuschenden Börsenjahr 2018 bleibt Investoren für 2019 immerhin die Hoffnung, heißt es beim Bankhaus Krentschker.

So könnten einige belastende Faktoren wie Italien, Brexit und der US-China-Handelsstreit in den Kursen weitgehend eingepreist sein, heißt es. Dennoch falle die Prognose für 2019 recht verhalten aus.

Nach der zehn Jahre anhaltenden Aktien-Hausse werden zusätzlich zu politischen Ereignissen wie einem drohenden Hard Brexit oder dem möglichen Erstarken der Rechtspopulisten bei den Europawahlen, auch fundamentale Daten wie ein abgeschwächtes Wachstum und zu erwartende Zinserhöhungen das Geschehen an den Märkten bestimmen, heißt es.

Ein Update der Finanzplanung

Grundsätzlich empfehlen die Privatbanker von Krentschker zum Jahresauftakt ein „Update” der Finanzplanung. Sie empfehlen, die Veranlagungsziele generell schriftlich zu formulieren. In einer Art „Vermögensbilanz“ sollte jeder Anleger seine Allokation – also Barbestand, Anleihen- und Aktienanteil, Immobilien und andere Vermögenswerte – überprüfen. Ein etwaiger Finanzberater sollte dabei helfen – idealerweise auch unterstützt durch diverse Tools.

Denn in der Geldanlage gehe es niemals um Glück, sondern um die richtige Strategie. Zu der gehöre es auch, die Illusion aufzugeben, den richtigen Ein- oder Ausstieg erwischen zu können. Ob man noch rasch einen Technologietitel kaufen oder in chinesische Aktien einsteigen soll, mögen zwar spannende und unterhaltende Themen sein. Doch allein der Umstand, dass etwa über einen Zeitraum von 30 Jahren nahezu zwei Drittel aller Kurszuwächse am US-Markt (S&P500-Index) an lediglich 15 einzelnen Handelstagen erzielt wurden, sollte Investoren davon überzeugen, dass derartige Überlegungen bloß schlaflose Nächte verursachen, heißt es bei Krentschker.

Volatile Kurse

Starke Kurs-Volatilitäten, die sich 2018 bereits angekündigt haben und sich vermutlich 2019 fortsetzen werden, erfordern vom Anleger Gelassenheit und Vertrauen. Für 2019 orten Konjunkturforscher Wolken am Himmel, welche das Wachstum eintrüben: So wird für die USA nur mehr eine Wachstumsrate von 2,5%, für Europa von 1,8% prognostiziert.

Die Inflation wird in den USA nach 2,5% im Jahr 2018 auf 2,3% für 2019 geschätzt. In Europa liegt der Consensus 2018 bei 1,5%, für 2019 bei 1,7%. Die zurückgenommenen Wachstumsprognosen halten die Notenbanken in den USA und Europa aber aktuell noch nicht auf, an der Zinsschraube zu drehen bzw. eine straffere Zinspolitik anzukündigen. Es sei sehr wahrscheinlich, dass im Jahr 2019 mindestens zwei weitere US-Zinsanhebungen folgen werden – mit Überraschungspotenzial für mehr.

Bei der Europäischen Zentralbank EZB steht 2019 das Ende der Ära von EZB-Präsident Mario Draghi und seiner ultralockeren Geldpolitik an. Die EZB wird nach Einschätzung von Krentschker erst im 4. Quartal 2019 beginnen, aktiv die Zinsen langsam zu erhöhen. Dabei darf man aber nicht übersehen, dass die EZB schon seit Monaten dabei ist, die Geldpolitik schrittweise zu ändern: Die Anleihenkaufprogramme enden bekanntlich mit Jahresende. Danach werden nur mehr Anleihen ersetzt, wenn in der EZB-Bilanz Tilgungen anstehen: Das Volumen steigt also nicht mehr.

Sparzinsen bleiben niedrig

Die Sparer werden von den Zinsbewegungen laut Krentschker nicht so schnell profitieren. Vor Ende 2020, wenn nicht sogar noch später, werde sich an dieser Front nichts tun. Erst wenn sich der Interbankensatz von -0,4% langsam in Richtung 0% bewegen wird, sollten Sparbücher wieder mehr als Mikro-Erträge abwerfen. Bis das Sparbuch also wieder so hoch verzinst sein wird, dass es die Inflation abgilt und die Kaufkraft des Geldes erhält, werden noch viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte vergehen, so die Einschätzung bei Krentschker.

30-jähriger Zinstrend vorüber?

Eine sinkende Kaufkraft drohe auch Investoren, die zuletzt stark auf Anleihen gesetzt haben. Rund um den Globus stellt sich angesichts der aktuellen Bedingungen nämlich die Frage, ob der 30-jährige Trend sinkender Zinsen nicht überhaupt zu Ende ist.

Wer sein Kapital erhalten möchte, muss Änderungen in seiner Vermögensaufteilung vornehmen, wenn der Ertragsanteil bisher vorwiegend von den Anleihen gekommen ist, rät Krentschker. Renditen von rund 2% nach Steuern und Kosten und somit Zuwächse im Sinne des Kaufkrafterhaltes werden mit hohen Anleihenbeständen nicht mehr möglich sein, lautet die Einschätzung. Der renditebewusste Anleger sollte daher – abhängig von Anlagehorizont und der persönlichen Risikobereitschaft – eine Umschichtung in Aktien vornehmen.

Die Megatrends 2019 sind keine Überraschung

An den Börsen werden abseits der volkswirtschaftlichen Faktoren weiterhin die Megatrends maßgeblich sein, so Krentschker: Life Style und Healthcare bleiben wichtig, gerade auch für die wachsende konsumfreudige Mittelschicht Chinas. Die voranschreitende Digitalisierung und das Modewort Künstliche Intelligenz (AI = „Artificial Intelligence“) machen weiter von sich reden, das Geschäft mit Daten als dem sprichwörtlichen neuen Gold ebenso.

Link: Bank Krentschker

 

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