21. Jan 2019   Finanz

China auf 30-Jahres-Tief, US-Börse flau wie 1931

Finanzmärkte. Wie geht es weiter an den Börsen? Der letzte Dezember war jedenfalls der schwächste seit 87 Jahren, so Investmenthaus Feri.

Deutliche Verluste sind zum Jahresausklang die absolute Ausnahme, heißt es in einer aktuellen Analyse des Geldhauses: Nicht so im abgelaufenen Jahr. Schlechter als im Dezember 2018 war die Wertentwicklung des US-Leitindex S&P 500 in einem Dezembermonat nur im Jahr 1931.

Damit sind die Vorzeichen für das Börsenjahr 2019 alles andere als gut, meint Feri: Zwar haben sich die Märkte zu Beginn des neuen Jahres wieder etwas erholt. Doch darin sieht man vor allem eine technische Gegenbewegung, ausgelöst durch die Zusicherung der US-Notenbank, die Zinswende zu drosseln oder notfalls sogar komplett zu stoppen.

Blicke man hingegen auf die fundamentalen Daten, deute vieles darauf hin, dass sich die Märkte, ausgehend von den USA, in einem strategisch negativen Zyklus befinden. Wichtige Vorlaufindikatoren signalisieren, dass die US-amerikanische Wirtschaft an Dynamik verliert.

Erste Bremsspuren zeigen sich bereits im Immobilienmarkt. Auch die Auftragslage und die Gewinnschätzungen der US-Unternehmen lassen nach. Hinzu kommt die Haushaltssperre, der sogenannte Shutdown, der das Land lähmt. Setze Präsident Trump weiterhin auf Konfrontation, könne dies ernste realwirtschaftliche Folgen haben und die Konjunktur des Landes zusätzlich bremsen. Unter diesen Voraussetzungen fehlt den Märkten derzeit die Phantasie, um an eine echte Fortsetzung der Börsenavancen zu glauben, so Feri.

Dazu kommen schlechte Nachrichten von anderen großen Volkswirtschaften: Die chinesische Wirtschaft hat im Jahr 2018 laut neuesten Zahlen nur ein Wachstum von 6,6 Prozent geschafft, das niedrigste seit rund 30 Jahren, so das amtliche Statistikamt der Volksrepublik. Sowohl der Handelskrieg mit den USA wie auch hausgemachte ökonomische Probleme scheinen sich auszuwirken.

Dazu muss man außerdem noch wissen, dass die chinesische Regierung Wachstumsziele für ihre Provinzen vorgibt und die Konjunkturzahlen dann sozusagen als Vollzugsmeldung einsammelt. Seit Jahren wundern sich Ökonomen über die dabei erzielten Punktlandungen – man wird sehen, wie sich das Bild nun in der schwächeren Konjunkturphase zeigt.

Tiefe Zinsen belasten die Stimmung

Eine Mitschuld daran, dass das Anlagejahr 2018 auch in der Breite der Assetklassen so ungewöhnlich schlecht verlaufen ist, haben auch die unverändert sehr niedrigen Zinsen, heißt es es in der Analyse. Anders als etwa beim Ausbruch der Finanzkrise 2008, stehen Zinspapiere heute nicht mehr als Ausgleichsposition für schwache Aktienmärkte zur Verfügung. Damit machen sich die Konsequenzen der ultra-lockeren Geldpolitik, durch die die Zinsniveaus jahrelang künstlich nach unten manipuliert wurden, jetzt schonungslos bemerkbar.

Bis sich die Zinsen hinreichend normalisiert haben, werde es im günstigsten Fall voraussichtlich Jahre dauern. Im ungünstigen Fall drohe der Eurozone eine monetäre „Japanifizierung“, bei der das Wirtschaftswachstum durch wiederkehrende Liquiditätsspritzen (Q. E.) und dauerhaft tiefe Zinsen künstlich am Leben gehalten wird.

Vor diesem Hintergrund erscheinen Buy and Hold-Strategien in nächster Zeit nicht erfolgsversprechend, gefragt seien dynamische und taktische Ansätze der Vermögensverwaltung, um auf Opportunitäten reagieren und Chancen ergreifen zu können.

Weniger negativ sieht man es beim Bankhaus Krentschker in Österreich: Die für 2019 prognostizierte Konjunktur lasse erwarten, dass große Enttäuschungen über Unternehmensgewinne ausbleiben sollten, weshalb Aktien auf Grund stabiler Gewinne und mangels Anlagealternativen unverändert zu favorisieren seien.

Entsprechende Marktkorrekturen waren schon seit geraumer Zeit überfällig, so Krentschker: Aktuell werden die reduzierten Wachstumsaussichten sowie politische Unsicherheiten bei den Kursen eingepreist, vielfach zu hohe Bewertungen reduzierten sich somit.

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