Interview: Die Pläne der neuen Wolf Theiss-Chefs

11. Feb 2019   Business Personalia Recht Tech
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Wolf, Gritsch, Oberzaucher, Schneider ©Wolf Theiss

Law Firms. Wolf Theiss ist die größte Anwaltskanzlei Österreichs – doch die Verfolger werden stärker. Die neuen Kanzlei-Chefs über ihre Pläne in Wien und Zentraleuropa (CEE).

Generationswechsel bei Österreichs führender Wirtschaftskanzlei Wolf Theiss: Andrea Gritsch (37), Sebastian Oberzaucher (40) und Claus Schneider (46) wurden im Dezember 2018 zu neuen Mitgliedern des Management Boards ernannt, dem weiterhin auch Namenspartner Richard Wolf angehört.

Im Interview mit Extrajournal.Net nehmen die neuen Chefs zu ihren Plänen für die Kanzlei und Trends in der Rechtsberatung Stellung (Anm.: Das Interview wurde schriftlich mit Andrea Gritsch und Claus Schneider geführt).

Extrajournal.Net: Wolf Theiss positioniert sich als Leading CEE Law Firm: Wenn Sie einen Blick in die Vergangenheit der Kanzlei werfen und die Situation heute mit der vor 10 oder 5 Jahren vergleichen: Wie teilt sich das Geschäft auf, wie geht es weiter?

Antwort: Wolf Theiss hat sich über die letzten 60 Jahre von einer kleinen Wiener Kanzlei in ein äußerst erfolgreiches Rechtsberatungsunternehmen in der CEE/SEE Region entwickelt. Damit einher geht ein überproportionales Wachstum unserer Standorte und Mitarbeiter in den ost- und südosteuropäischen Märkten.

Vor dem Hintergrund aktueller makroökonomischer Kennzahlen und Wachstumsprognosen in der Region sind wir von den Erfolgsaussichten dieser Strategie überzeugt und werden auch in den nächsten 5 bis 10 Jahren verstärkt in dieser Region investieren.

Welche Tätigkeitsfelder sind in den kommenden 12 bis 24 Monaten aus Ihrer Sicht besonders von Veränderungen geprägt, worauf richtet sich das Augenmerk der Klienten?

Natürlich gibt es bestimmte Rechtsgebiete, die derzeit in aller Munde sind und die auch in den kommenden Monaten verstärkt nachgefragt sein werden (zB Finanzierungen, Datenschutz, Compliance etc). Unabhängig davon wird von unseren Kunden aber immer mehr Priorität auf die Art der Leistungserbringung gelegt: Termintreue, Verlässlichkeit und Effizienz bei der Abwicklung von Projekten und Transaktionen, jederzeit verfügbare Kapazitäten auch bei großen Projekten, Kostenkontrolle, nahtlose länderübergreifende Beratung in Expertenteams, die das Geschäft des Klienten verstehen.

Gibt es Veränderungen in der Struktur bzw. im Aufbau der Kanzlei, die aus jetziger Sicht einmal nötig sein könnten?

Proaktive Zukunftsplanung für die Weiterentwicklung des Erfolgskurses der Kanzlei hat oberste Priorität. Dies bedingt eine kompromisslos serviceorientierte Beratungsausrichtung und Betreuung unsere Mandanten (insbesondere auch unter Berücksichtigung der oben genannten Prioritäten von Kunden), strategische Entwicklung bestehender und zukünftiger Geschäftsfelder und ganz wesentlich den Aufbau und die Eingliederung neuer Partner in unserer Region. Wir werden künftig noch stärker in integrierten Teams mit komplementären Skillsets grenzüberschreitend tätig sein.

Wie entwickeln sich die Anforderungen an den Nachwuchs bei Wolf Theiss, wie viele Mitarbeiter nehmen Sie in Österreich jährlich ungefähr neu auf, wie viele in den CEE-Büros?

Wesentliche Voraussetzung ist ein Interesse an den Industrien und Märkten unserer Mandanten, Bereitschaft sich mit Trends und Herausforderungen der Branche zu befassen, die Fähigkeit sich in unsere Mandanten hineinzuversetzen und deren Bedürfnisse zu verstehen. Kommunikation, vernetztes Denken und Teamgeist sind in einer stark technologisierten und projektorientierten Welt enorm wichtig.

Bei der Auswahl unserer Juristen achten wir neben den juristischen Kenntnissen natürlich auch auf Technologie-Interesse und die Motivation, Legal Tech-Lösungen zu verstehen und anzuwenden. Nicht jeder Jurist wird in Zukunft programmieren müssen, aber Routineprozesse werden immer mehr von spezieller Software unterstützt werden, deren Benützung eine andere Art von Denken und Arbeiten bedarf. Wer dieses Know-How mitbringt und sich für Innovation interessiert, ist bei uns jederzeit willkommen.

Nachwuchs rekrutieren wir zumeist über unser Praktikumsprogramm und Karriereveranstaltungen, wo wir schon früh Talente identifizieren und mit Kandidaten in Kontakt treten. Im Jahr 2018 haben wir im Wiener Büro etwa 15 Rechtsanwaltsanwärter und  juristische Mitarbeiter aufgenommen. Unsere Auslandsbüros haben sich im vergangenen Jahr vor allem in Bukarest, Budapest und Sofia personell verstärkt. Unsere größeren Auslandsstandorte stellen etwa 8-10 Nachwuchstalente pro Jahr ein, unsere kleineren CEE/SEE Büros im Durchschnitt etwa 2-3 neue Mitarbeiter pro Jahr.

Wir rechnen auch im kommenden Jahr mit einer ähnlichen Entwicklung. Derzeit verfügt Wolf Theiss insgesamt über rund 340 Juristen, davon rund 100 in Österreich.

Wolf Theiss ist Österreichs größte Anwaltskanzlei. Wirft man allerdings einen Blick auf die Zahlen, so stellt man fest: Vor 10 oder auch noch vor 5 Jahren waren Wolf Theiss und der große Konkurrent Schönherr die einzigen heimischen „Law Firms“ mit rund 100 Juristen oder mehr in Österreich, mit großem Abstand zur Konkurrenz. Heute hat sich die 100er-Gruppe auf fünf Kanzleien vergrößert: Binder Grösswang, CHSH und Freshfields stießen neu dazu. Dahinter folgt ein ebenfalls gewachsenes Feld von rund 10 Kanzleien in der Größenordnung 50-80 Juristen. Hat die relative Bedeutung von Wolf Theiss abgenommen?

Diese Entwicklung spiegelt zunächst das heimische Marktpotential in der Rechtsberatung wieder – ein erfreulicher Trend. Darüber hinaus ist die ähnlich bleibende Anzahl der Juristen für Wolf Theiss das Resultat unserer Fokussierung auf Effizient und Profitabilität. Aus Unternehmenssicht geht es uns nicht primär um Ressourcenaufbau sondern um gezielten Ressourceneinsatz.

Mit anderen Worten beschäftigen wir uns mit Fragen der optimalen Teamzusammenstellung (wobei es uns aufgrund des einheitlichen Ausbildungsprogrammes innerhalb der Gesamtkanzlei leicht fällt, kombinierte Teams aus Kollegen aus dem In- und Ausland zusammenzustellen), Aufgabenverteilung und Einbindung von nicht-juristischer Expertise (wie z.B. Projektmanagement) und automatisationsunterstützter Software (darunter Dokumenteautomatisation, interaktiven Kommunikationstools, etc).

Link: Wolf Theiss

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