Compliance: Korruptionsjäger setzen auf höhere Strafen

14. Feb 2019   Recht

London. Korruption wird weltweit immer strenger bestraft. Das zeigt der „Global Bribery and Corruption Outlook 2019“ von Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells.

Allein in den USA stieg 2018 demnach die Summe der verhängten Geldstrafen im Zusammenhang mit Korruption um rund 80% auf mehr als sechs Mrd. US-Dollar. In Singapur kletterte die Summe der Strafen um 25%. Auch in Europa wurden empfindliche Geldstrafen verhängt, so etwa in Deutschland in Milliardenhöhe.

Auch die verhängten Haftstrafen nahmen zu. 2018 mussten in den USA Straftäter wegen Korruption im Durchschnitt fünf Jahre hinter Gitter, so lange wie noch nie. Eine ähnliche Entwicklung gab es der Erhebung der Kanzlei zufolge im vergangenen Jahr in Großbritannien. Im südostasiatischen Stadtstaat Singapur, wo Korruption und Bestechung seit jeher streng geahndet werden, mussten Verurteilte 2018 im Schnitt vier Jahre in Haft, mehr als dreimal so lange wie im Jahr zuvor.

Neue Branchen im Fokus

In den Fokus der Ermittler rücken zudem neue Industriezweige. So gab es im vergangenen Jahr weltweit einen erheblichen Anstieg der Strafen im Energiesektor. Mit einem ähnlichen Trend ist in den nächsten Jahren in den Bereichen Technologie, Medien und Telekommunikation (TMT), Life Sciences sowie im Transportgewerbe zu rechnen, heißt es in dem Bericht weiter.

Aufschübe der Strafverfolgung nehmen zu

Zugleich gab es im Zusammenhang mit Korruption eine zunehmende Zahl von Fällen, bei denen es zu einem sogenannten Aufschub der Strafverfolgung (Deferred Prosecution Agreement, DPA) kam. Dabei werden Unternehmen ermutigt, in mutmaßlichen Fällen von Finanzkriminalität sich selbst anzuzeigen, mit den Behörden zu kooperieren und zugleich ihre Compliance-Prozesse zu verbessern. Gegen die Zahlung einer vereinbarten Geldstrafe werden dann die Untersuchungen fallengelassen.

Die USA wenden DPA seit vielen Jahren an, in Großbritannien gibt es die Möglichkeit seit 2014, in Frankreich seit 2016. Ein entsprechendes Gesetz ist derzeit auch in Deutschland in Vorbereitung.

„In Deutschland sind alle Trends zu beobachten, die es im Kampf gegen Korruption auch auf internationaler Ebene gibt: höhere Strafen, eine zunehmende Zahl von Vergleichen und die Bedeutung von Datenschutz“, sagt Désirée Maier, Mitherausgeberin des Berichts und Münchner Partnerin im Bereich Investigations, White Collar & Fraud. „Zudem steigt der Druck mit Blick auf die Durchschlagskraft möglicher Durchsuchungen durch die Staatsanwaltschaft.“

Compliance wird wichtiger

Es könne keinen Zweifel geben, dass die Behörden außerhalb der USA Korruption und Bestechung immer stärker Aufmerksamkeit schenken, um ein sichereres, robusteres und transparenteres System zu schaffen, meint Crispin Rapinet, Global Head Investigations, White Collar & Fraud bei Hogan Lovells in London. „Strafen in Rekordhöhe zeigen klar die Notwendigkeit einer fortwährenden, gegen Korruption gerichteten Compliance über zahlreiche Jurisdiktionen und Branchen hinweg.“

Für 2019 erwartet man bei Hogan Lovells folgende Trends:

  • Rechtliche Durchsetzung: Die individuelle Verantwortung wird noch stärker in den Fokus rücken – mit noch höheren Strafen.
  • Vergleiche: Der Trend zum Aufschub von Strafverfolgung wird anhalten. Beleg sind unter anderem das entsprechende Gesetzesvorhaben in Deutschland sowie eine immer größere Zahl der Anwendungen des Instruments in Großbritannien und den USA.
  • Anwaltsprivileg: Unternehmen müssen im Blick behalten, dass Dokumente in unterschiedlichen Jurisdiktionen einen unterschiedlichen Schutz genießen.
  • Datenschutz: Dieser Bereich wird für die Regulierungsbehörden immer wichtiger. Angesichts von Entwicklungen wie der Einführung der DSGVO sollten Unternehmen hier verstärkt auf Neuerungen achten, die Auswirkungen auf die internen Antikorruptions-Due-Diligence-Prozesse haben könnten.
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