Frauen verdienen weniger, sind seltener Boss

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Frauentag 2019. Frauen arbeiten mehr, ihr Einkommen steigt: Schließt sich die Lücke zu Männern? Neu Erkenntnisse von Statistik Austria, Deloitte u.a.

Zum Internationalen Frauentag am 8. März 2019 hat die Statistik Austria aktuelle Daten zur Beschäftigungsentwicklung und dem Lohnniveau von weiblichen im Vergleich zu männlichen Beschäftigten veröffentlicht.

Immer mehr Frauen sind erwerbstätig

Grundsätzlich steigt die Erwerbsbeteiligung von Frauen ständig und hat auch 2017 weiter zugenommen:

  • Lag die Erwerbstätigenquote der 15- bis 64-jährigen Frauen 1997 noch bei 58,4%, stieg sie bis 2007 auf 63,5% und erreicht mittlerweile 68,2% (2017).
  • Der Anteil erwerbstätiger Frauen war damit 2017 um fast 10 Prozentpunkte höher als vor 20 Jahren und nähert sich damit der Erwerbstätigenquote der Männer (76,2%) schrittweise an.

Die verstärkte Teilnahme der Frauen am Arbeitsmarkt sei jedoch in erster Linie auf die steigende Zahl von Teilzeitbeschäftigten zurückzuführen:

  • Im Zeitvergleich erhöhte sich die Teilzeitquote der Frauen von 28,7% (1997) auf 41,2% (2007) und 47,7% (2017), das ist ein Anstieg von insgesamt 19 Prozentpunkten.
  • Bei Männern hat Teilzeitbeschäftigung langfristig ebenfalls zugenommen, sie ist mit einem Anteil von 11,9% (2017) aber von vergleichsweise geringer Bedeutung.

Der Trend zu Teilzeit setzt sich bei den Frauen auch aktuell fort: Im 3. Quartal 2018 waren 8.900 mehr unselbständig erwerbstätige Frauen vollzeitbeschäftigt als im 3. Quartal 2017; bei den Teilzeitstellen gab es dagegen ein Plus von 22.700. Im Gegensatz dazu verzeichneten unselbständig erwerbstätige Männer im Jahresvergleich einen Rückgang bei der Teilzeitbeschäftigung (einem Zuwachs von 61.800 Vollzeitstellen stand ein Minus von 17.100 Teilzeitjobs gegenüber).

Damit hat sich der Aufschwung am Arbeitsmarkt bei Frauen weniger ausgewirkt als bei Männern: Mit rund 44.700 zusätzlichen Stellen profitierten Männer insgesamt stärker vom Beschäftigungszuwachs als Frauen mit rund 31.600 Stellen.

Wieviel Frauen verdienen

Die hohe Teilzeitquote bei den Frauen spiegelt sich laut Statistik Austria auch in niedrigeren Einkommen wider:

  • Insgesamt verdienten Frauen 2017 um 37,3% brutto pro Jahr weniger als Männer.
  • Gegenüber einer Differenz von 40,7% im Jahr 2007 hat sich der Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern verringert, liegt aber nur um einen Prozentpunkt unter dem Niveau von 1997 (38,3%).
  • Beschränkt man den Vergleich auf ganzjährig Vollzeitbeschäftigte, dann lagen die mittleren Bruttojahreseinkommen der Frauen 2017 um 15,6% unter jenen der Männer; 2007 waren es noch 21,6%.

Spitzenverdiener sind männlich

Deutliche Unterschiede zeigt auch ein Blick auf die Einkommensverteilung. Frauen waren selbst bei ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung in den unteren Einkommensklassen überdurchschnittlich oft vertreten, während der Anteil der Männer bei den höheren Einkommen deutlich überwog:

  • Bezogen auf jene 10% ganzjährig Vollzeitbeschäftigter mit den niedrigsten Einkommen (unter 24.906 Euro brutto pro Jahr) lag der Frauenanteil 2017 bei 57%.
  • Unter den 10% mit den höchsten Einkommen (mehr als 80.865 Euro brutto pro Jahr) waren Frauen mit 19% dagegen klar unterrepräsentiert (Männer-Anteil: 81%), so die Statistik Austria.

Österreichs Frauen im Europa-Vergleich

Im EU-Vergleich liegt Österreich weiterhin deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Vergleicht man gemäß der Definition von Eurostat die durchschnittlichen Bruttostundenverdienste von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft, dann betrug der Gender Pay Gap in Österreich 2017 konkret 19,9%, in der EU waren es im Durchschnitt dagegen 16,0%. 2007 lag der geschlechtsspezifische Lohnunterschied noch bei 25,5%.

Berücksichtige man Merkmale wie Branche, Beruf, Bildungsniveau, Alter, Dauer der Unternehmenszugehörigkeit, Voll-/Teilzeit, Art des Arbeitsvertrags, Region und Unternehmensgröße, so können im Modell üblicherweise weniger als die Hälfte des Gender Pay Gap erklärt werden, so die Statistik Austria. Das heißt, auch wenn sich Frauen und Männer hinsichtlich der genannten Merkmale nicht unterscheiden, bleibe  ein großer Teil des Gender Pay Gap (13,6%) unerklärt.

Soziale Risiken treffen Frauen stärker als Männer

In Summe führen die niedrigeren Erwerbseinkommen – sowie Versicherungsverläufe, die vor allem durch Kindererziehung Lücken aufweisen – auch zu niedrigeren Pensionen und anderen sozialen Risiken.

  • Laut der Erhebung EU-SILC 2017 waren 22% der alleinlebenden Pensionistinnen, aber nur 13% der alleinlebenden Pensionisten armutsgefährdet.
  • Ein-Eltern-Haushalte – das sind fast ausschließlich Frauen mit ihren Kindern – haben mit 31% das höchste Armutsrisiko aller Haushaltstypen.

Der Anteil der Frauen in der Politik

An einen wichtigen Augenblick in Sachen Gleichstellung von Mann und Frau erinnert heute, am 4. März 2019, eine Veranstaltung im österreichischen Parlament: Es jährt sich die erste Sitzung der Konstituierenden Nationalversammlung der Ersten Republik zum 100. Mal. Der 4. März 1919 war damals auch der Tag des Einzugs der ersten weiblichen Abgeordneten in das Parlament.

Frauen durften in Österreich erstmals am 16. Februar 1919 bei den Wahlen zur Konstituierenden Nationalversammlung (nach dem Fall der Habsburger-Monarchie) wählen und auch gewählt werden. Genau acht weibliche Parlamentarier zogen daraufhin am 4. März 1919 in den ersten Nationalrat ein, der damals wie heute insgesamt 183 Abgeordnete hatte. Der Frauenanteil lag damit 1919 bei rund 4 Prozent.

Seither hat sich einiges getan, wie Zahlen des Instituts für Parlamentarismus und Demokratiefragen zeigen: Derzeit liegt der Anteil der Frauen in Österreichs Nationalrat bei 37 Prozent, 2017 waren es 31 Prozent. Und auch die Bundesregierung ist zu rund einem Drittel weiblich besetzt, wovon in der Ersten Republik noch keine Rede war. Was es aber auch in der Zweiten Republik noch nicht gegeben hat: die erste Bundeskanzlerin bzw. erste Bundespräsidentin Österreichs.

Frauen in der Chefetage

Wie es mit der Chancengleichheit in österreichischen Unternehmen steht – insbesondere was den Aufstieg von Frauen in Führungspositionen betrifft – hat sich der Big Four-Beratungsmulti Deloitte angesehen.

Zuletzt ist der Anteil der Frauen in den Vorständen der großen Unternehmen ja gesunken, wie Big Four-Branchenkollege EY festgestellt hat. Zwar ist EY selbst ein schlechtes Beispiel für Frauen in der Chefetage, sinkt der Anteil der Partnerinnen bei EY in Österreich doch deutlich – aber der Blick auf die aktuellen Studien ist spannend.

Konkret sehen laut Deloitte 93% der befragten Unternehmen Vorteile von weiblicher Führung, aber nur bei einem Fünftel gibt es echte Chancengleichheit. Gleichzeitig wird Kinderbetreuung weiterhin als Frauensache angesehen: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist laut 68% die größte Hürde für Frauenkarrieren. Immerhin haben laut der Deloitte-Umfrage die Unternehmen viel vor: Bei fast zwei Drittel steht die Erhöhung des Frauenanteils in Führungsteams auf der Agenda.

Für die Studie hat Deloitte zwischen Jänner und Februar 2019 österreichweit 442 Personen in leitender Funktion zum Thema Frauen und Führung befragt. Zu beachten ist dabei freilich, dass die Studie zwar den Eindruck erweckt, die gesamte Wirtschaft zu beleuchten – doch wie bei Big Four-Untersuchungen meist der Fall wurden nur größere Unternehmen befragt (der für die Beratungsriesen relevante Markt).

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