Pharmaindustrie in der Komplexitätsfalle?

05. Mrz 2019   Business
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Wien/Düsseldorf. Bis zu 8% des Gewinns der Pharmaindustrie werden durch zu komplexe Strukturen und Abläufe verbrannt, so eine Studie von A.T. Kearney.

18.000 Mitarbeiter und 9.,9 Milliarden Euro Wertschöpfung: Mit einem Anteil von 2,8% am Bruttoinlandsprodukt leisten die 150 heimischen Pharmaunternehmen einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaftsleistung Österreichs. Zudem wagte sich mit der Marinomed Biotech AG Anfang Februar auch ein neuer Player aufs Wiener Börsenparkett. Doch die Zeiten waren schon einmal besser, glaubt das Beratungsunternehmen A.T. Kearney, knabbern doch u.a. verschärfte Auflagen am Gewinn der Branche.

„Die Pharmaindustrie steht unter massivem Druck. Aufgrund steigender Komplexität verliert sie durchschnittlich jährlich 3 bis 8 Prozentpunkte ihres Gewinns vor Steuern“, so Markus Stricker, Partner bei Managementberatung A.T. Kearney. „Gründe hierfür sind sich verändernde Marktbedingungen, neue regulatorische Anforderungen und technologische Entwicklungen. Höhere Komplexität geht jedoch eindeutig zu Lasten profitablen Wachstums.“

Wenige Produkte und Märkte bringen Wachstum

Die Pharmaexperten von A.T. Kearney haben in der Studie „Complexity: The Big Challenge for Today’s Top Pharma“ errechnet, dass das Wachstumspotential eines durchschnittlichen Pharmaunternehmens sich aus weniger als zehn Produkten in maximal zehn Märkten schöpft. Im Schnitt verkauft ein Branchenvertreter jedoch mehr als 150 Produkte in Märkten, die sich über die ganze Welt verteilen.

Viele Unternehmen scheitern laut Studie daran, ihre Komplexität zu managen, weil sie deren Ursachen und Implikationen nicht ausreichend kennen. Besonders Firmen mit siloartiger Organisation und Kultur fehle es an einer transparenten, funktionsübergreifenden Perspektive auf die Komplexitäts-Herausforderung.

Sich mit der Anzahl an Verabreichungsformen und Verpackungen zu beschäftigen, ist laut Stricker ein guter Ausgangspunkt, um aus der Komplexitätsfalle auszusteigen. Wenn nur ein Arzneimittel eliminiert werde, könne die Komplexität schon signifikant reduziert werden, rechnen die Autoren vor.

Zu komplexe Organisationsstruktur

Ein wichtiger Faktor ist auch die Organisationstruktur: Pharmaunternehmen haben oft komplexe, mehrdimensionale Matrixorganisationen, die nur dann effektiv seien, wenn ihre Größe stimmt und ihr organisatorisches Setup mit Key Performance Indikatoren evaluiert werde.

Insbesondere durch die systematische Identifizierung und Streichung redundanter Aufgaben und die Zusammenlegung kleinerer Einheiten in den Kernfunktionen wie Vertrieb, Marketing und Operations lassen sich positive Effekte erzielen.

Voraussetzung dafür sind eine klare Strategie und Kostentransparenz. „Ein hohes Komplexitätsniveau bringt nicht nur Mehrkosten mit sich, sondern schwächt auch Serviceniveau und Agilität des Unternehmens“, so Stricker.

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