Juristische Professionen im chancenreichen Umbruch

13. Mrz 2019   Business Recht Tech Tools
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Gastbeitrag. Disruptive Digitalisierung stellt die Rechtsbranche vor Herausforderungen, gerade weil sie sich so lange dagegen gewehrt hat. Doch es bietet sich auch eine besondere Chance, schildert Max Kindler (Vorstand VUJ) in seinem Gastbeitrag.

Disruptive, viele Industrien zusehends digitalisierende Zeiten stellen die Rechtsbranche vor ganz besondere Herausforderungen, zumal sie sich lange und beharrlich gewehrt hat, ihre Mechanismen und Abläufe mit Hilfe moderner Technologien zu modernisieren und ihre eigenen Beiträge zur unternehmerischen Wertschöpfungskette bedingungslos zu maximieren.

Das heutige Wirtschaftsleben verlangt mehr als nur Absicherung für einen potenziell und zukünftig eintretenden Konfliktfall, während das Gros der Juristen nach wie vor nicht auf die Herstellung von Win-Win-Situationen gedrillt ist. Schon sehr bald wird künstliche Intelligenz mehr an rechtlichem Wissen zur Verfügung stellen, als eine ganze Rechtsabteilung oder Anwaltskanzlei zu verarbeiten imstande wäre. Vor diesem Hintergrund sind alle Juristen gut beraten, ihre Rollen im Unternehmensverbund oder gegenüber dem Mandanten zu überdenken und neu auszurichten.

Ein neues Selbstverständnis

Der gemeinsame Nenner, der alle juristischen Berufe eint, ist dabei, effizienter, agiler und kompetitiver zu werden. Erfolgreich werden dabei diejenigen sein, die Historien, Traditionen und bisweilen elitäres Selbstverständnis ersetzen durch Innovationsbereitschaft, neue Formen der Dienstleistung und vor allem durch die Lieferung eines messbaren und effizienten Wertbeitrages zum unternehmerischen Erfolg. Die dabei wahrgenommenen Limitationen einer Rechtsabteilung oder Rechtsanwaltskanzlei sind im seltensten Fall dem allgemeinen Rechtsrahmen oder gar Standesregeln geschuldet, sondern überwiegend das Ergebnis eines ins Leere laufenden Kultur- und Selbstverständnisses.

Unternehmensleitende Topmanager zeigen enden wollenden Respekt für Meinungen. Sie wollen Fakten in einer Welt, in der Erfolg an Ergebnissen gemessen wird. Juristen im Allgemeinen, Rechtsanwälte logischerweise mehr als Inhouse Counsels, laufen stets Gefahr, in ihrer Beratungstätigkeit das unternehmerische Kerngeschäft und die jeweils herrschende Unternehmenskultur in nicht ausreichendem Maße zu berücksichtigen und so in die Rolle der risikoaversen und Nein sagenden Pessimisten oder der reinen Konfliktlöser abzudriften.

Hinaus aus dem Elfenbeinturm

Ein Mix aus modernen Technologien, unternehmenskulturellem Feingefühl und bedingungslosem Hunger nach Herstellung von geschäftlichen Win-Win-Situationen bietet die geschichtlich nicht allzu oft vorkommende Möglichkeit, den Elfenbeinturm zu verlassen und das eigene Tun ausschließlich an der Maxime der Unterstützung des geschäftlichen Fortkommens auszurichten und sich so auch bei strategischen und kulturellen Entscheidungen unverzichtbar zu machen, die zuvor nur von der Seitenlinie beobachtet werden durften.

Die Rolle des Juristen im Wirtschaftsleben ist nicht allein aufgrund von stetig wachsender Regulierung und Kontrolle gesichert, sondern nur dann, wenn sich die Menschen in den verschiedenen juristischen Professionen bereit erklären, sich nicht nur auf die radikalen Veränderungen einzustellen und anzupassen, sondern die Veränderung selbst zu betreiben, um so ihrem tiefgehenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Stellenwert gerecht zu werden.

Über den Autor

Die Ausführungen von Dr. Max Kindler, LL.M., MBA stellen einen Befund dar, den der Autor auf Basis seiner langjährigen Tätigkeit als Rechtsanwaltsanwärter, Inhouse Counsel und General Counsel in mehreren privaten, börsennotierten und staatlichen Konzernen, sowie als gesamtverantwortlicher operativer Geschäftsführer in großen nationalen und internationalen Unternehmen sowie über diverse Aufsichtsrats- und Verwaltungsratsmandate im In- und Ausland gewonnen habe.

Aktuell arbeitet Kindler am Aufbau eines Unternehmens, das die Vorzüge einer businessorientierten Inhouse Abteilung (Rechtsabteilung) für den österreichischen KMU-Markt und somit die jeweils effizientesten und effektivsten juristischen Lösungen vorausschauend verfügbar macht und Recht wieder näher ans eigentliche Kerngeschäft heranrückt und zu dessen Unterstützung instrumentalisieren soll. Zudem ist Max Kindler als Berater zweier Legal Tech Start-Ups aus Schottland und Deutschland im Rahmen des „Legal Tech Hub Vienna“ tätig.

Max Kindler hat im Jahr 2014 gemeinsam mit Andreas Balog die Vereinigung österreichischer Unternehmensjuristen (www.vuj.at) gegründet. Extrajournal.Net berichtet laufend über die VUJ.

Link: Vereinigung österreichischer Unternehmensjuristen (VUJ)

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