14. Mrz 2019   Business Steuer Veranstaltung

Warum 5G allein für die Digitalisierung nicht reichen soll

Wien. Bei der 2. Glasfaser-Finanzierungs-Enquete von CMG/aggfa in Kooperation mit PwC wurde die Wichtigkeit des Ausbaus von Glasfasernetzen betont.

Die Versteigerung von 5G-Mobilfunk-Frequenzen spülte dem österreichischen Staat jetzt rund 188 Millionen Euro in die Kasse. „Aber entgegen der von der Politik gerne getrommelten Annahme wird 5G keinesfalls alle Lücken in der Breitbandversorgung schließen“, meint Heinz Pabisch, Leiter der Action Group Gigabit Fiber Access (aggfa) in der CMG. Die CMG-AE, kurz für Computer Measurement Group – Austria & Eastern Europe, positioniert sich als offenes Forum für Technologiebegeisterte.

Bei der 2. Glasfaser-Finanzierungs-Enquete von CMG/aggfa in Kooperation mit dem Beratungsriesen PwC wurde unter anderem festgestellt, dass „neue Kooperationsmodelle zwischen privaten Geldgebern und der öffentlichen Hand der einzig gangbare Weg“ sei, um langfristig sei eine flächendeckende Verfügbarkeit von HighSpeed-Anbindungen aller Haushalte und Unternehmen zu erreichen.

Und dazu brauche es unbedingt den Ausbau der Glasfaser-Intrastruktur, denn „gibt es in der Fläche keine Glasfaser, wird es dort auch kein 5G geben“, betonte Pabisch. Die Versorgung mit Glasfaser-Infrastruktur müsse als Daseinsvorsorge betrachtet werden, so eine der Kernbotschaften bei der Glasfaser-Finanzierungs-Enquete.

Trennung von Infrastruktur, Betrieb und Dienstleistung notwendig

„Eine flächendeckende Glasfaser-Infrastruktur wird nur gemeinsam von öffentlicher Hand und privaten Investoren zu stemmen sein“, attestierte Thomas Hillebrand, Senior Advisor von PwC. Die Lösung des Problems könnten sogenannte Public-private-Partnership-Modelle (PPP) sein.

„Es gibt kein perfektes Finanzierungsmodell für alle drei Ebenen. Deshalb ist die klare Trennung von Infrastruktur, Betrieb und Services notwendig, weil dadurch unterschiedliche Laufzeiten und somit unterschiedliche Typen von Investoren angesprochen werden“, ergänzte Hillebrand. Die Markt- und Baurisiken der Glasfaser-Infrastruktur könnten durch Einbindung der Gemeinden, Entwicklung von geeigneten Garantiemodellen und Initiativen der öffentlichen Hand sowie der EU entschärft werden.

EU-Regularien erfordern beträchtliches Know-how

Grundsätzlich sei die Finanzierung von Glasfaserinfrastruktur unter Investoren gefragt, weil sie eine Art Monopol darstellen. Allerdings seien kleinteilige und langsam wachsende Netze über den Kapitalmarkt nicht finanzierbar, weil Anleger Groß-Projektfinanzierungen bevorzugen. „Die Einhaltung von EU-Regularien wie zum Beispiel das Beihilfenrecht und die Maastricht Konformität erfordert einen großen Aufwand und ein beträchtliches Know-how“, analysierte Stefan Resch, Director Projektfinanzierungen bei PwC Österreich. Die Nutzung der Netze müsse im Sinne eines Open Access-Modells zu gleichen Bedingungen an Betreiberunternehmen angeboten werden.

Für die Gemeinden im ländlichen Raum werde sich an der Finanzierungsfrage dadurch grundsätzlich nichts ändern, sodass auch andere Möglichkeiten der Finanzierung und Förderung in Betracht gezogen werden müssen, forderte Nicolaus Drimmel, stv. Generalsekretär beim Österreichischen Gemeindebund. Open Access-Modelle bieten Endkunden den Vorteil, aus einer Vielzahl von Anbietern und Diensten wählen zu können.

30 Mio. Euro für Infotech aus Oberösterreich

Wie im Zuge der Glasfaser-Finanzierungs-Enquete bekannt wurde, erhält das oberösterreichische Breitbandunternehmen Infotech für den weiteren Glasfaser-Netzausbau ein Darlehen in der Höhe von 30 Mio. Euro. „Dabei handelt es sich um die erste internationale Projektfinanzierung für Breitband und Glasfaser in Österreich“, gab Steffen Leiwesmeier, Head of Financing Digital Infrastructure bei der Hamburg Commercial Bank im Rahmen der Finanzierungs-Enquete bekannt. Mehr als 30 Gemeinden im Innviertel seien im Projekt „Cybercity“ eingebunden und versorgen im Endausbau 20.000 Haushalte und Geschäftskunden mit Breitband-Anschlüssen.

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