18. Apr 2019   Bildung & Uni Recht Tools

So decken Unis wissenschaftliche Plagiate auf

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Universitäten. Plagiieren ist durch die Digitalisierung einfacher geworden – der Nachweis von Plagiaten aber auch. An Österreichs Universitäten ist Plagiatssuche heute Routine. Allein die Uni Wien hat bis jetzt 26 Titel aberkannt.

„Ein Plagiat liegt eindeutig vor, wenn Texte, Inhalte oder Ideen übernommen und als eigene ausgegeben werden“, bringt das Universitätsgesetz von 2002 die Sachlage auf den Punkt: Aufsehenerregende Fälle wie rund um die Universität Klagenfurt im Jahr 2006 oder die Aberkennung des Doktortitels für einen steirischen Landesrat 2017 haben die Thematik auch in Österreich in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Wie wird in Österreich nach Plagiaten gesucht?

Die Tools heißen Safe Assign, Plagscan und Co

Es gibt mehrere Programme, deren Algorithmen es erlauben, nach Wortgleichheit, einfachen Übersetzungen und Satzumstellungen in wissenschaftlichen Arbeiten zu suchen: „Safe Assign“, „iThenticate“ oder „Plagscan“ sind einige davon.

Die Software vergleicht die Arbeit mit digitalisierten Büchern und digitalisierten Zeitschriften, aber auch mit Dokumenten, die anderswo im Internet und bei Verlagshäusern in elektronischer Form zu finden sind (auch Nachrichtenportale wie Extrajournal.Net können zu diesem Zweck gescannt werden, insbesondere die dort veröffentlichten Fachbeiträge und Gastkommentare, Anm. d. Red.).

  • Findet sich in einer wissenschaftlichen Arbeit eine Textstelle, in der mehr als acht Wörter deckungsgleich mit einem Text anderen Ursprungs sind, schlägt das Tool Alarm und die Stelle wird vom zuständigen Betreuer überprüft.
  • Eine andere Möglichkeit, Plagiaten auf die Spur zu kommen sind auffällige Stilbrüche in Arbeiten: Niveau und Schreibstil passen nicht zur restlichen Arbeit.

Die Grenzen der automatischen Überprüfung

Nicht ganz so einfach ist der Nachweis eines Plagiats, wenn wissenschaftliche Arbeiten aus einer anderen Sprache übersetzt werden und in die eigene ohne Nennung der Quelle eingefügt werden. Insbesondere wenn dafür eine automatische Übersetzungssoftware verwendet wird, ist die Chance, dass das Plagiat durch eine ausgereifte Überprüfungssoftware entdeckt wird, durchaus gegeben.

Erfolgt die Übersetzung nicht wortwörtlich, sondern nur sinngemäß, wird es schwieriger und es braucht wohl einen erfahrenen Betreuer, der mit Materie gut vertraut ist, um einem solchen Plagiat auf die Spur zu kommen.

Den Studierenden, die beim Plagiieren ertappt werden, drohen in jedem Fall schwerwiegende Konsequenzen – und das auch noch nach Jahrzehnten: Allein an der Universität Wien wurden vom Studienjahr 2005/06 bis Studienjahr 2016/17 konkret 47 Verfahren eingeleitet. Im Zuge dessen wurden 32 wissenschaftliche Arbeiten für nichtig erklärt und 26 akademische Grade aberkannt. Auch Jahre später können Arbeiten überprüft werden und nachträglich für nichtig erklärt werden: Eine Verjährung gibt es nicht.

 

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