03. Jun 2019   Recht Tech Tools

„One-Stop-Shop für internationale Start-ups“

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Johannes Kautz ©DLA Piper / www.cornelisgollhardt.de

Law Firms. Johannes Kautz leitet den neuen Start-up Desk von Wirtschaftskanzlei DLA Piper: Im Interview schildert er die Trends bei der Gründer-Beratung.

Kautz ist Anwalt und Leiter des Start-up Desks im Wiener Büro der internationalen Wirtschaftskanzlei DLA Piper. Er berät Start-ups und junge Unternehmen von der Gründung über die Aufbau-Phase bis hin zum (hoffentlich erfolgreichen) Exit.

Extrajournal.Net: DLA Piper ist weltweit tätig und betreut Unternehmen verschiedener Größe. Sind Start-ups als Klienten für Anwaltskanzleien wichtig, obwohl diese naturgemäß am Anfang oft jeden Cent zweimal umdrehen müssen, auch was Rechtsberatung betrifft?

Johannes Kautz: Auf jeden Fall. Als Wirtschaftskanzlei möchten wir Unternehmen aus allen Bereichen des Wirtschaftslebens ansprechen, dazu gehört natürlich auch die New Economy. Nachdem Start-ups meist Beratungsbedarf in den unterschiedlichsten Rechtsgebieten, teilweise auch aus mehreren Jurisdiktionen haben, ist eine international tätige Wirtschaftskanzlei wie DLA Piper ein idealer Partner.

Klar: Am Anfang sind die finanziellen Möglichkeiten manchmal begrenzt, aber wir setzen auf langfristige Geschäftsbeziehungen und sehen das auch als Investition in die Zukunft. Innovative Start-ups sind oft echte Gamechanger und in Branchen tätig, in denen es ein enormes Wachstumspotential gibt.

DLA Piper hat schon bisher Start-ups beraten. Die neue Initiative gibt diesen aber nun sozusagen eine zentrale Anlaufstelle. Was sind die Vorteile für die Klienten bzw. aus Sicht der Kanzlei bei dieser Vorgehensweise?

Kautz: Die Vorteile für Start-ups liegen auf der Hand. Sie haben nur einen Ansprechpartner und bekommen trotzdem die Expertise aus allen relevanten Rechtsgebieten. Wir haben verschiedenste Praxisgruppen und ziehen dann bei Bedarf jeweils Spezialisten bei. Oft wissen Gründer am Anfang noch gar nicht so genau, welche Rechtsgebiete überhaupt relevant sind.

Ein Start-up Desk als One-Stop-Shop

Natürlich profitieren Start-ups auch von unserem Netzwerk aus Investoren, Finanzierungsgesellschaften und wirtschaftlichen Beratern. Sie bekommen so quasi ein Rundum-Servicepaket und müssen sich nicht an verschiedenste rechtliche und wirtschaftliche Berater wenden. Dieses One-Stop-Shop-Prinzip beschleunigt die Entscheidungsfindung und spart auch eine Menge an Kosten.

Wie sieht es in anderen Ländern von DLA Piper aus: Arbeitet man dort mit vergleichbaren Start-up-Desks? Können österreichische Start-ups auf die internationale Erfahrung des Netzwerks zurückgreifen?

Kautz: Natürlich, wir haben nicht nur ein hervorragendes Netzwerk mit mehr als 90 Standorten in über 40 Ländern, sondern auch ein einzigartiges internationales Accelerator-Programm, bei dem Start-ups zB kostenlosen Zugang zu Dokumenten haben, in denen wichtige rechtliche und wirtschaftliche Fragen erläutert werden. Wir bieten auch Tools an, mit denen häufig verwendete Standard-Dokumente selbst erstellt werden können.

Das kann eine vertiefende Rechtsberatung in komplexeren Fragen natürlich nicht ersetzen, aber auf diese Weise können wir Start-ups schon in der Frühphase bei der Expansion ins Ausland unterstützen und ihnen auch hilfreiche Kontakte vermitteln, zB nach Silicon Valley. Erst vor Kurzem haben wir auch eine länderübergreifende Praxisgruppe für Künstliche Intelligenz gegründet.

Wenn Sie generell das Umfeld für Start-ups in Österreich betrachten, würden Sie dann sagen, dass es sich in den letzten zwei oder drei Jahren verbessert oder verschlechtert hat? Gibt es Veränderungen, die Sie sich wünschen würden?

Kautz: Das Umfeld hat sich eindeutig verbessert. Mittlerweile gibt es in Österreich schon ein recht umfassendes Beratungs- und Förderangebot und es wird auch immer mehr Risikokapital investiert. Es gab bzw gibt in der Gesetzgebung schon sehr gute Ansätze. Bei den alternativen Finanzierungsformen wie Crowdfinanzierungen beispielsweise hat der Gesetzgeber vor einigen Jahren schon einen sehr praxistauglichen Rahmen geschaffen.

„Mehr Steuerbegünstigungen, weniger Lohnnebenkosten“

Trotzdem gibt es noch Luft nach oben, auch was die rechtlichen Rahmenbedingungen betrifft. Das Finanzierungsvolumen hat zwar stark zugenommen, im internationalen Vergleich hinken wir allerdings noch immer hinterher. Steuerliche Begünstigungen für Risikokapital wären wünschenswert und auch die Lohnnebenkosten müssen gesenkt werden.

Ein Problem ist auch die Regulierungsflut in vielen Bereichen. In Österreich wäre etwa eine Modernisierung der Gewerbeordnung längst überfällig. Die Überregulierung wird zwar oft auf EU-Vorgaben geschoben und es mag durchaus sein, dass hier manchmal auch über das Ziel hinausgeschossen wird; einheitliche europäische Vorschriften haben aber auch viele Vorteile. Daher sind in erster Linie die nationalen Gesetzgeber gefragt.

Im Trend liegen derzeit vor allem Blockchain sowie Künstliche Intelligenz und Machine Learning. In diesem Bereich gibt es auch aus rechtlicher Sicht die größten Herausforderungen, weil viele Fragen einfach noch ungeregelt sind.

Mag. Johannes Kautz ist Rechtsanwalt und Leiter des Start-up Desks im Wiener Büro von DLA Piper Weiss-Tessbach.

Link: DLA Piper

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