26. Aug 2019   Business Finanz Recht Steuer

Wo Versicherer laut PwC der Schuh drückt

Thomas Windhager Credit Renee Del Missier PwC
PwC-Berater Thomas Windhager: Nicht alle Versicherer haben gut lachen (©Renee Del Missier / PwC)

Wien. Österreichs Versicherer sorgen sich wegen mancher Dinge: Die Niedrigzinsen sind bei weitem nicht das Schlimmste, so PwC.

Was sind die größten Sorgen der Versicherungsbranche und welche Herausforderungen werden als wahre Stolperfallen angesehen? Dieser Frage geht die aktuelle PwC-Studie „Insurance Banana Skins“ nach, die gemeinsam mit dem Centre for the Study of Financial Innovation (CSFI) umgesetzt wurde.

Die Analyse, die seit 2007 im Zweijahresrhythmus durchgeführt wird, basiert laut den Angaben auf 927 Befragungen in 53 Ländern, darunter 30 Befragte aus Österreich. Die heuer gewonnenen Erkenntnisse erinnern dabei an den im Juli veröffentlichten Solvency II-Marktbericht des Big Four-Konkurrenten EY, doch legt PwC den Fokus durchaus auf andere Aspekte.

Was die Assekuranzen bei uns beschäftigt

Die fünf größten Sorgen der österreichischen Versicherungsbranche sind demnach:

  • Regulierung. Für Österreichs Versicherer stelle das regulatorische Risiko die größte Herausforderung dar (weltweit: Platz 4), vor allem wegen der hohen Kosten für Bürokratie und Compliance-Maßnahmen. Die Befragten betrachten auch die zunehmende Marktkonzentration mit Besorgnis. Kleine Versicherungsunternehmen hätten aufgrund des regulatorischen Aufwands und Kostendrucks keine Überlebenschance. Dies führe zu einer Art Oligopolmarkt, der möglicherweise nicht mehr alle Kundenbedürfnisse befriedigt.
  • Veränderungsmanagement. Dass unzureichendes Veränderungsmanagement Versicherern Schaden zufügen könnte, liegt an zweiter Stelle (weltweit: Platz 3). Die Befragten zweifeln, ob die Branche über die nötige Anpassungsfähigkeit verfügt. Dabei ist die Fähigkeit zur Veränderung in Zeiten von neuen Technologien, neuen
    Vertriebskanälen und sich ändernden Märkten bzw. Kundenerwartungen wichtiger denn je, so PwC.
  • Technologie. Die notwendige Modernisierung von Unternehmen und Technologien stelle die drittgrößte Sorge für Österreichs Versicherungswirtschaft dar. Viele Branchenakteure setzen auf alte Geschäftsmodelle und IT-Infrastrukturen und werden neuen Herausforderungen nur unzureichend gerecht. Weltweit liege diese Sorge sogar auf dem ersten Rang.
  • Niedrige Zinssätze. Weit über dem internationalen Durchschnitt (Platz 10) machen sich österreichische Befragte Sorgen über niedrige Zinssätze. Sie geben an, dass diese die Renditen niedrig halten und Vermögensblasen erzeugen könnten.
  • Cyberkriminalität. Die Bedenken gegenüber Cyberkriminalität haben im Vergleich zu früheren Umfragewerten zugenommen, weltweit landet das Thema sogar auf Platz zwei. Aufgrund der Menge an wertvollen Daten, über die sie verfügt, ist die Versicherungsbranche ein verlockendes Ziel für Cyber-Angriffe.

Die großen Veränderungen

„Im Jahr 2017 belegte die Regulierung nur den dritten Platz und zu niedrige Zinssätze stellten die größte Herausforderung der heimischen Versicherungsbranche dar. Zwei Jahre später hat sich das Blatt gewendet und das regulatorische Risiko steht klar an erster Stelle der Sorgenagenda. Das ist auf neue Regulierungsbereiche
zurückzuführen, die seit 2017 eingeführt wurden, einschließlich der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und verschiedener neuer Verhaltensstandards auf der ganzen Welt“, meint Thomas Windhager, Leiter Insurance bei PwC Österreich.

Der Druck durch neue Rechnungslegungsstandards, insbesondere IFRS 17, habe die Problematik verschärft. Die Aufgabe, diese neuen regulatorischen Standards im vorgegebenen Zeitrahmen anzugehen und umzusetzen, erweise sich für Versicherer als echte Herausforderung.

Technologischer Wandel zwischen Chance und Risiko

Seit Beginn der Untersuchungsreihe 2007 war die Grundstimmung der globalen Versicherungsbranche noch nie so negativ wie in diesem Jahr. Ausschlaggebend dafür seien die Herausforderungen durch den technologischen und strukturellen Wandel und die Sorge, diese nicht erfolgreich zu bewältigen.

Insgesamt gehen die Ergebnisse der Studie mit einer weltweit wachsenden wirtschaftlichen Unsicherheit sowie stärkerer Regulierung einher. Trotzdem fühlen sich Versicherer besser auf diese Risiken vorbereitet als zuvor und sind zuversichtlicher, potenzielle Stolpersteine zu meistern, heißt es weiter.

Die Herausforderungen hinsichtlich Technologie, Cyberkriminalität und Veränderungsmanagement zählen weltweit zu den größten Sorgen. Auch der Anstieg des regulatorischen Risikos ist eine gemeinsame Sorge in allen Regionen.

In Europa ist die Besorgnis über die wirtschaftlichen Bedingungen, wie den Ausblick für die Weltkonjunktur und die Zinssätze, am höchsten. In den USA werde hingegen das politische Risiko am sorgenvollsten eingestuft, hauptsächlich ausgelöst durch die zunehmend populistische Politik. Auch der Klimawandel liege mit Ausnahme des asiatisch-pazifischen Raums in allen Regionen weit vorne.

 

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