09. Sep 2019   Business Recht Steuer

„50 % Frauenanteil im Vorstand dauert bis 2067“

Helen Pelzmann Credit Andi Bruckner
Helen Pelzmann ©Andi Bruckner

Wien. Beratungsmulti EY hat erneut den Frauenanteil in Österreichs Vorständen gemessen. Er steigt – aber sehr langsam, so EY-Partnerin Helen Pelzmann.

Konkret ist die Anzahl von weiblichen Vorstandsmitgliedern in Österreichs börsennotierten Unternehmen (Stichtag 31. Juli 2019) im Vergleich zum Anfang des Jahres (Stichtag 1. Jänner) von 13 auf 15 gestiegen, so die Untersuchung.

Insgesamt vergrößerte sich der Anteil der weiblichen Vorstände damit von 6,3 auf 7,3 Prozent. Oder anders ausgedrückt: Die im Wiener Börse-Index WBI notierten Unternehmen haben insgesamt 15 weibliche Vorstandsmitglieder – denen 190 männliche gegenüberstehen.

In Deutschland gibt es laut EY übrigens eine ähnliche Entwicklung: Der Frauenanteil in DAX-, MDAX- und SDAX-Unternehmen stieg im Vergleich zum Jahresbeginn auf niedrigem Niveau von 8,2 auf 8,7 Prozent.

„Der Trend ist ein Lichtblick“

Die Ergebnisse stammen aus dem „Mixed Leadership Barometer“ des Prüfungs- und Beratungsmultis EY, der dafür regelmäßig die Strukturen von Vorständen und Aufsichtsräten der im Wiener Börse Index gelisteten Unternehmen analysiert.

„Der leicht positive Trend ist ein Lichtblick auf dem Weg zu ausgewogenen Führungsgremien, täuscht aber nicht über das immer noch eindeutige Missverhältnis hinweg. Die Vorstände in den börsennotierten Unternehmen in Österreich sind immer noch zum Großteil reine Männerclubs“, so Helen Pelzmann, Partnerin (EY Law) und Verantwortliche für die Initiative „Women. Fast Forward“ bei EY Österreich.

Nach wie vor werden vier von fünf Unternehmen ausschließlich von Männern gelenkt, so Pelzmann weiter: „Wenn die Zahl der Frauen weiter so langsam steigt, wird es bis zum Jahr 2067 dauern, bis in den Vorstandsgremien 50 Prozent Frauen und 50 Prozent Männer sitzen“

Zwei Gründe sind ausschlaggebend

Dafür, dass derzeit nicht mehr Frauen in den Unternehmen in Verantwortung sind, sei laut Pelzmann vor allem auf zwei Gründe zurückzuführen:

  • Zum einen gibt es für Vorstände anders als für Aufsichtsräte keine gesetzliche Frauen-Quote. Dadurch sei der Druck nicht so groß, Vorstandsposten mit Frauen zu besetzen.
  • Zum anderen wäre dies aber auch bei einer Quote gar nicht so leicht: „Weil in der Vergangenheit zu wenig für die Förderung weiblicher Managementtalente getan wurde, gibt es derzeit nicht übermäßig viele weibliche Führungskräfte mit der Erfahrung und Qualifikation, um ein börsennotiertes Unternehmen zu führen“, so Pelzmann.

Besonders viele Chefinnen in IT, Retail und Finanzbranche

  • Die meisten Frauen sind momentan in den Chefetagen von IT-Unternehmen anzutreffen, wo ihr Anteil bei 17 Prozent liegt.
  • An zweiter und dritter Stelle folgen die Konsumgüterbranche (14%) und Finanzbranche (11%).
  • Keine einzige Vorständin gibt es in fünf Branchen: Automobil, Energie, Immobilien, Telekommunikation und Transport.

Frauenanteil in Österreichs Aufsichtsräten steigt weiterhin

Der Aufwärtstrend bei Österreichs Aufsichtsräten hält an: Seitdem mit 1. Jänner 2018 die gesetzliche Genderquote von 30 Prozent in Kraft getreten ist, stieg der Frauenanteil in den Kontrollgremien der börsennotierten Unternehmen deutlich von 18,7 auf 25,9 Prozent. Von den derzeit 579 Aufsichtsratsmitgliedern der im WBI notierten Unternehmen sind 150 Frauen.

Der Anteil weiblicher Aufsichtsratsmitglieder ist damit kontinuierlich gestiegen, in 38 der aktuell 62 gelisteten Unternehmen (61 %) sind inzwischen mindestens zwei Aufsichtsräte Frauen.

Nicht alle mögen die Frauenquote – aber sie wirkt

„Unabhängig davon, wie man zu Quotenregelungen steht: Der kontinuierliche Anstieg des Frauenanteils seit der Einführung im Jänner 2018 zeigt, dass die Quote Wirkung hat. Ein positiver Effekt ist sicher, dass das Thema deutlich stärker in den Mittelpunkt gerückt ist. In so gut wie allen Großunternehmen ist die Förderung von Frauen aktuell ein absoluter Schwerpunkt“, so Pelzmann.

Mittlerweile habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass gemischte Teams besser arbeiten und auch die wirtschaftliche Performance des Unternehmens positiv beeinflussen. Und auch die Veränderung der Arbeitswelt setze positive Impulse: „Teams organisieren sich zunehmend selbst, die Digitalisierung ermöglicht flexibles Arbeiten von jedem Ort. Das kommt gerade auch Frauen zugute, die es zunehmend leichter haben, Karriere und Familie zu verbinden“, so Pelzmann.

Jeder dritte Aufsichtsrat erfüllt Quote noch nicht

Trotz deutlicher Fortschritte bei der ausgewogenen Besetzung von Aufsichtsräten gibt es immer noch Aufholbedarf: Die Genderquote zeige zwar Wirkung, immerhin gibt es 42 weibliche Aufsichtsratsmitglieder mehr als zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Quotenregelung. Allerdings ist das Ziel noch nicht erreicht: Fast jedes dritte verpflichtete Unternehmen erfüllt die Genderquote im Aufsichtsrat noch nicht, so die Studie.

Am höchsten ist der Anteil weiblicher Aufsichtsratsmitglieder derzeit in der Energiebranche (33%), wo jedes dritte Aufsichtsratsmitglied eine Frau ist. Ähnlich hoch ist der Anteil in der Finanz- (30%), Transport- (30%) und Telekommunikationsbranche (27%).

Fast jedes 14. Vorstandsmitglied in Österreich ist eine Frau

Nach wie vor ist in 50 von 62 börsennotierten Unternehmen noch keine Frau im Vorstand vertreten. Immerhin drei der insgesamt neun Frauen in Vorstandsetagen leiten das Unternehmen als CEO:

  • Herta Stockbauer bei der BKS Bank,
  • Karin Trimmel beim Kräuterlikörhersteller Gurktaler und
  • Elisabeth Stadler bei der Vienna Insurance Group.

Sechs Frauen stehen dem Finanz-Ressort vor.

Der Frauenanteil bei EY

Mit Stichtag 1. August 2019 waren von den 36 Partnern von EY Österreich acht Frauen – das entspricht einem Anteil von 22,2 Prozent, in etwa auf Vorjahresniveau. Auf Management-Ebene liegt der Frauenanteil laut den Angaben aktuell bei 44,9 Prozent.

EY möchte den Frauenanteil auf Führungsebene weiter systematisch vergrößern und baut dabei auf Programme, die teilweise bereits seit mehreren Jahren schon bei der Einstellung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ansetzen, heißt es: Der Frauenanteil in der gesamten Belegschaft von EY Österreich liege momentan bei 56,2 Prozent.

 

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