11. Sep 2019   Bildung & Uni Recht Steuer Tools

Mit VATReturns geht Linde in die Digital-Offensive

Daniel Wagner Credit Louai Abdul Fattah
Daniel Wagner ©Louai Abdul Fattah

Wien. Informationsanbieter Linde hat „VATReturns“ gestartet, das erste aus einer Reihe neuer Legal Tech- und Tax Tech-Produkte.

Konkret hat der Linde Verlag gemeinsam mit dem Buchhaltungs-Start-up Abacus jetzt VATReturns als Tool zur EU-Vorsteuererstattung auf den Markt gebracht: Es hat 10.000 Regeln für alle EU-Länder an Bord, so die Entwickler von Abacus.

Linde-Partner Abacus ist ein Start-up aus dem Finanz- und Buchhaltungsbereich. Seine Software konnte schon bisher u.a. Belege automatisiert einlesen, sagt Abacus-Geschäftsführer Patrick Sagmeister. Nun baut man sozusagen entlang der Wertschöpfungskette aus und will den Usern ein großes Stück weiterhelfen, was die richtige steuerliche Behandlung angeht.

Das nötige Know-how im grenzüberschreitenden Steuerrecht steuert der dritte Partner im Bunde bei, nämlich Beratungsmulti KPMG. Seine flächendeckende Präsenz mache es möglich, die erwähnten rund 10.000 Steuerregeln in VATReturns darzustellen. Abacus wiederum liefert die Dokumentenerkennung inklusive KI. Da diese durch Maschinenlernen mit der Zeit besser wird, erhofft man sich nicht nur eine entsprechend hohe Erkennungsquote, sondern auch fortgeschrittene Möglichkeiten, bei der steuerlichen Einstufung eines Belegs zu helfen.

Es kommt noch mehr

Linde sieht VATReturns als Startschuss für weitere Tax Tech Innovationen, die man gemeinsam mit Start-ups wie Abacus und Partnern wie KPMG auf den Markt bringen will.

Gordan Gajski, Leiter Digitale Medien bei Linde, betont die Bedeutung des Themas – und nennt gleichzeitig die Bedingung, die das Unternehmen an die Neuentwicklungen stellt: In erster Linie sollen die Linde-Kunden davon einen Nutzen in Form von Zeit und Geld  haben. Und natürlich soll die Neuentwicklung sich in absehbarer Zeit rechnen. Spannend sind aus Sicht von Linde dabei die Bereiche KI, Blockchain, Kryptowährungen und Steuern sowie auch Recht (Legal Tech).

Zeit ist bis 30. September 2019

Warum VATReturns als erstes Produkt im Spätsommer 2019 gestartet wurde, ist leicht erklärt: Am 30. 9. ist EU-Vorsteuertermin, erläutert KPMG Tax Director Kristin Krippner. Das neue Produkt gebe kleinen und mittleren Unternehmen die Möglichkeit, sich auf einfache Weise die Vorsteuer aus der EU zurückzuholen, ohne die zahlreichen Regeln selbst beherrschen und dann manuell darum ansuchen zu müssen – worauf derzeit viele verzichten.

Außerdem überprüft das Tool auch die erforderlichen Rechnungsinformationen, also UID, Steuernummer, EU-Sitz etc. Auch immer weiter gehende Vorschläge zur korrekten Einordnung, also zur Erkennung des steuerlichen Sachverhalts – von der Tankstellenrechnung (Kfz) bis zum Werbeaufwand – sind geplant.

Per „Dashboard“ zeigt die Software die Summe der Ansprüche und ermöglicht ein laufendes Monitoring. Zielgruppe von VATReturns sind sowohl die Unternehmen selbst wie auch ihre Steuerberater, heißt es. Dabei geht es weniger um die Unternehmensgröße als um die Anzahl der anfallenden Auslandsbelege.

Auch wenn die Software mit Texterkennung und immer ausgefeilteren Einordungsvorschlägen dem User möglichst viel Arbeit abnehmen soll, am Ende entscheidet weiterhin der (steuerpflichtige) Mensch. Und in diesem Entscheidungsprozess wollen „unsere kluge Kunden bestmöglich unterstützt werden“ sagt Daniel Wagner, Leiter Marketing & Innovation im Linde Verlag. Mit nützlichen Tools inmitten der aktuellen Digitalisierungs-Hysterie Vertrauen beim User zu schaffen sieht er als wichtige Aufgabe eines Fachverlags.

 

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