25. Okt 2019   Business Finanz Steuer Tech Tools

Fintech verändert das Spiel

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Georg Ogrinz ©PwC Österreich

Digitalisierung. In der Finanzbranche und bei Technologieunternehemn ist Fintech (Finanztechnologie) definitiv angekommen. Daraus ergeben sich vielfältige Konsequenzen, so eine PwC-Studie.

Die Verbraucher sind bereit für die digitale Umstellung: Die Frage laute also nicht mehr, ob Fintech die Finanzdienstleistungsbranche verändern wird, sondern welche Unternehmen sie am besten anwenden und so eine führende Rolle übernehmen werden.

Das zumindest ist die Kernaussage des „Global Fintech Report 2019“ von PwC unter dem Titel „Crossing the lines: How fintech is propelling FS and TMT firm out of their lanes“, für den laut den Angaben weltweit rund 500 Führungskräfte von Finanzdienstleistern und Unternehmen aus den Bereichen Technologie, Medien und Telekommunikation befragt wurden. (Anm. d. Red.: Die Studienautoren meinen hier mit „Fintech“ generell digitale Finanztechnologien und nicht, wie häufig zu lesen, die Fintechs, also Start-ups im Finanzbereich.)

Wofür Fintech bereits im Einsatz ist

„Fintech wird von Unternehmen eingesetzt, um die betriebliche Effizienz zu optimieren, die Kosten zu senken, das Kundenerlebnis zu verbessern und die Attraktivität der Produkte und Dienstleistungen zu steigern“, erklärt Georg Ogrinz, Leiter des Bereichs Banking & Capital Markets Consulting bei PwC Österreich.

Von etablierten Konzernen des Finanzwesens bis hin zu Start-ups oder kleinen Technologie-Marktteilnehmern könne jeder profitieren, so Ogrinz: „Unternehmen, die bisher auf Fintech verzichteten, drohen allerdings im internationalen Wettbewerb zurückzufallen.“

Knapp 50 % haben Fintech integriert

  • Die Studie zeige, dass 47 % der befragten Technologieunternehmen und 48 % der Finanzdienstleister Fintech bereits vollständig in ihr strategisches Betriebsmodell eingebettet haben.
  • Außerdem bieten 44 % der Technologieunternehmen und 37 % der Finanzdienstleister bereits Produkte und Dienstleistungen an, die Fintech-Lösungen integrieren.

Unternehmen, die Fintech bereits in ihre Business-Strategie implementiert haben, seien klar im Vorteil. Dies müsse sich freilich in den Unternehmenszielen widerspiegeln. Die wirklich großen Veränderungen müssen von oben nach unten erfolgen und von Geschäftsführung, Vorstand sowie allen Führungskräften getragen werden, so die Studienautoren.

Schlüssel zur Kundenbindung

Die befragten Führungskräfte der Finanzdienstleister sind der Meinung, dass der Einsatz von Fintech zur Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit und Geschwindigkeit ihrer Services der Schlüssel zu einer starken Kundenbindung ist.

Verbraucher erwarten vor allem Einfachheit und Schnelligkeit. Es bestehe aber das Risiko, dass die Finanzdienstleister möglicherweise nur die Erwartungen der Kunden erfüllen, sich aber nicht abheben – insbesondere im Wettbewerb mit digital stark intuitiven Technologieunternehmen.

Geeignetes Personal gesucht

80 % der Technologieunternehmen und drei Viertel (75 %) der Finanzdienstleister gaben im Zuge der Studie an, neue Arbeitsplätze im Bereich Fintech schaffen zu wollen. Schwierigkeiten gibt es allerdings noch in der Besetzung solcher Positionen:

  • 42 % der Unternehmen haben nach wie vor Probleme, geeignete Spezialisten zu finden.
  • 73 % der Finanzdienstleister akquirieren derzeit neue Mitarbeiter aus dem Technologiesektor – umgekehrt sind es 53 %.

Hier benötige jeder die Expertise des anderen. Für den zukünftigen Erfolg beider Branchen ist es wichtig, Wege zu finden, um qualifizierte Personen aus der Technologiebranche in den Finanzdienstleistungssektor zu holen und umgekehrt. „Ein weiterer wesentlicher Erfolgsfaktor wird die Weiterqualifizierung bzw. das Upskilling sein“, so Roland Schöbel, Leiter Advisory und Financial Services bei PwC Österreich.

Es braucht branchenübergreifende Fusionen

Über drei Viertel der befragten Unternehmen, die im Zuge ihrer Fintech-Strategie eine Akquisition, eine strategische Allianz oder ein Joint Venture andenken, fassen derzeit Unternehmen der eigenen Branche dafür ins Auge. Weniger als die Hälfte (44% der Technologieunternehmen; 47 % der Finanzdienstleister) visieren Unternehmen mit Fintech-Spezialisierung an.

„In einer Zeit, in der Finanzdienstleister bestrebt sind, ihre technologischen Fähigkeiten zu optimieren und im Technologiesektor Produkt- und Regulierungs-Know-how benötigt wird, um am Markt zu bestehen, verpassen Unternehmen Chancen, wenn sie nicht branchenübergreifend aktiv sind“, warnt Schöbel.

In China nehme die Konvergenz bereits zu: Bei den je vier größten Playern aus Technologie und Bankenwesen haben sogar schon Aufsichtsbehörden versucht, diese zur Zusammenarbeit zu bewegen – man könnte das eine arrangierte Zweck-Ehe nennen, heißt es. Das Technologieunternehmen liefere die technischen Voraussetzungen und das Unternehmen aus der Finanzbranche das Endprodukt.

75 % wollen verstärkt in Fintech investieren

Drei Viertel der befragten Führungskräfte von Finanzdienstleistern und Technologieunternehmen gaben an, in den nächsten zwei Jahren verstärkt in Fintech zu investieren. Mehr als 90 % sind sehr oder eher zuversichtlich, dass Fintech in den nächsten zwei Jahren ein Umsatzwachstum erzielen wird.

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