08. Nov 2019   Business Recht

Aufsichtsräte in Deutschland bekommen das 13-fache

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Studie. Der Corporate Governance Monitor 2019 zeigt, dass die Anforderungen an Aufsichtsräte deutlich gestiegen sind.

Immer komplexere gesetzliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen, technologischer Fortschritt, internationale Konflikte – die Aufsichtsräte heimischer Unternehmen sehen sich mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert.

Das geht aus dem  Corporate Goverance Monitor 2019 hervor, einem Forschungsprojekt der Johannes Kepler Universität in Kooperation mit dem Board Service Center unterstützt von der B&C Privatstiftung.

Aufgaben haben sich stark gewandelt

Der gesetzliche Auftrag und die Verantwortung von Aufsichtsräten haben sich demnach in den letzten zehn Jahren entscheidend gewandelt. Neben der Kontrollfunktion sind Aufsichtsräte auch in strategische Entscheidungsprozesse von Unternehmen eingebunden.

Gleichzeitig haben auch die Haftungsrisiken zugenommen. Daher seien auch die Anforderungen an die fachliche Qualifikation und der Zeitaufwand für Aufsichtsräte gestiegen.

Aufwandersatz hierzulande gering

Bei der Bezahlung liegt Österreich vergleichsweise weit zurück: „Unsere Erhebung der Kennzahlen zeigt klar, dass trotz der gestiegenen Intensität der Aufsichtsratstätigkeit der Aufwandersatz im internationalen Vergleich nach wie vor unterdurchschnittlich ist“, meint dazu Ewald Aschauer, Professor an der Johannes Kepler Universität Linz.

Und Wolfgang Hofer, Vorstandsmitglied der B&C Privatstiftung, weist darauf hin, dass eine höhere Vergütung im Wettbewerb um die besten Köpfe unerlässlich sei: „Denn für ein Unternehmen kann eine unattraktive Vergütung auch zu einem Risiko werden, wenn es den Aufsichtsrat nicht mit entsprechend kompetenten Fachleuten besetzen kann.“

In Deutschland um ein Vielfaches höher

Aus dem Corporate Governance Monitor 2019 geht hervor, dass in Österreich die durchschnittliche Vergütung für eine Person im Aufsichtsrat zwischen 14.000 und 23.000 Euro im Jahr beträgt – im Vergleich dazu liegt der Wert in Deutschland um ein Vielfaches höher: zwischen 68.000 und 171.000 Euro.

Erhebliche Unterschiede bestehen auch in der Vergütung des Aufsichtsrats im Verhältnis zu jener des Vorstands: Ein Vorstand verdient in Österreich im Durchschnitt das 24- bis 26-fache im Vergleich zur durchschnittlichen Aufsichtsratsvergütung, in Deutschland liegt dieser Wert beim 18-fachen.

Studienleiter Ewald Aschauer schlägt vor, dass sich die Gesamtvergütung für den Aufsichtsrat an der durchschnittlichen Vergütung eines Vorstandsmitglieds orientieren sollte. Derzeit werde nur 31,4 % einer durchschnittlichen Vorstandsmitgliedsvergütung für den gesamten Aufsichtsrat ausgegeben.

Aufsichtsräte tagen öfter als vorgeschrieben

Die gesetzliche Regelung sieht vor, dass der Aufsichtsrat mindestens vier Mal im Geschäftsjahr eine Sitzung abhalten muss. Der Durchschnitt liege sowohl in Österreich als auch in Deutschland bei fünf Sitzungen pro Jahr, bei höherer Marktkapitalisierung steige der Wert auf sechs Sitzungen pro Geschäftsjahr.

Zusätzlich zeige sich, dass etwa 79 % aller analysierten Unternehmen in Ergänzung zum Prüfungsausschuss mindestens einen zusätzlichen Ausschuss eingerichtet haben. Insbesondere in den größten Unternehmen werde die umfangreiche Arbeit des Aufsichtsrats in Ausschüssen vorbereitet und erledigt. In Deutschlands größten börsennotierten Unternehmen (DAX30) finden im Durchschnitt etwa 16 Ausschusssitzungen pro Geschäftsjahr statt, in Österreichs Unternehmen mit der größten Marktkapitalisierung sogar 21 Sitzungen.

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