22. Nov 2019   Business Recht Steuer

Kunstmarkt braucht Finanzpolizei

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Gernot Schuster ©feelimage / Deloitte

Art & Finance. Unsicherheit und fehlende Transparenz drücken die Verkäufe am Kunstmarkt: Deloitte empfiehlt Innovation, „ArtTech“-Start-ups – und schärfere Bekämpfung der Geldwäsche.

Das Interesse von Investoren an Kunst als Wertanlage ist weiterhin hoch, schreiben die Autoren des aktuellen „Art & Finance“ Reports von Deloitte: Globale Unsicherheiten seien aber zunehmend auch am Kunstmarkt spürbar (Anm.: Deloitte versteht in diesem Zusammenhang unter dem Begriff Kunst vor allem die bildende Kunst, es sind aber auch „Collectibles“ in den Statistiken enthalten, Schmuck, Uhren etc.).

Insgesamt entwickle sich der Markt im Vergleich zum weltweiten Vermögenszuwachs nur sehr schleppend. Andere klassische Veranlagungsformen sind meist attraktiver. Doch es gibt auch neue Chancen: Technologische Entwicklungen, angepasste Regularien sowie Investmentpakete mit sozialem Mehrwert könnten für Wachstum sorgen.

Auktionen mit moderner und chinesischer Kunst brechen ein

Laut der Analyse von Deloitte gemeinsam mit ArtTactic ist Kunst als Veranlagungsform zwar weiterhin beliebt, die globalen wirtschaftlichen Unsicherheiten wirken sich aber bremsend auf den Markt aus. So verzeichnen die Auktionen der drei größten Auktionshäuser Christie’s, Sotheby’s und Philips im ersten Halbjahr 2019 ein Minus von 20,3 % im Jahresvergleich. Besonders getroffen hat es dabei u.a. moderne Kunst und Impressionisten, sowie auch chinesische und asiatische Kunst.

„Der Kunstmarkt bleibt von der globalen wirtschaftlichen Entwicklung nicht verschont. Die Stimmung hat sich eingetrübt und das wirkt sich auch auf Investitionen in Kunst aus“, erklärt Gernot Schuster, Partner bei Deloitte Österreich: „Darauf muss die Branche reagieren. Neue Chancen liegen bei Technologie, regulatorischen Veränderungen und Investitionsmodellen mit sozialem Mehrwert.“

Mangelnde Transparenz hemmt Wachstum

Trotz des wirtschaftlichen Abschwungs nehme der Anteil der High-Net-Worth Individuals weiter zu. Deren Interesse an Kunst als Anlageform ist zwar groß, der Markt wächst aber dennoch nur sehr verhalten. Laut Studie liegt das vor allem an der mangelnden Transparenz und dem daraus resultierenden Misstrauen. Das bestätigen demnach drei Viertel der befragten Sammler. Bei den Privatbanken geben sogar 85 % die Gefahr von Geldwäsche als größtes Problem für die Marktreputation an.

„Der Kunstmarkt braucht mehr Transparenz. Nur so kann das Vertrauen von neuen Investoren gewonnen werden. Entsprechende neue Regularien können hilfreich sein. Die EU-Richtlinie zur Bekämpfung von Geldwäsche ist ein Schritt in die richtige Richtung“, betont Schuster.

Gleichzeitig besteht laut Deloitte aber die Gefahr von Überregulierung: Bei der Entwicklung von neuen Richtlinien sollte der Gesetzgeber eng mit Kunst- und Finanzexperten zusammenarbeiten, es sei Augenmaß gefragt.

Sozialer Mehrwert als Anreiz

Eine weitere Herausforderung für den Markt ist die neue junge Generation von Sammlern. Sie verfolgen nicht mehr nur ein rein finanzielles Interesse, sondern wollen auch einen gesellschaftlichen Beitrag leisten. Dementsprechend werden Social-Impact-Investments wichtiger: Für 65 % der befragten Sammler ist es wichtig, dass Vermögensberater Produkte anbieten, die die Anlage in Kunst mit einem sozialen Aspekt verbinden.

„Das zunehmende Bewusstsein für Nachhaltigkeit macht auch vor dem Kunstbereich nicht Halt. Nachhaltige Investitionen müssen gesellschaftliche und ökologische Aspekte berücksichtigen. Hier schlummert viel Potenzial, das mit neuen Investitionsprodukten gehoben werden kann“, so Schuster.

Technologie als Chance

Neben sozialen Aspekten bieten auch neue Technologien Chancen für Wachstum am Kunstmarkt. Die überwiegende Mehrheit aller Befragten glaubt an den positiven Effekt von technologischen Innovationen auf Kunst- und Finanzdienstleistungen. So könne beispielsweise mittels der Blockchain die Nachverfolgbarkeit und Echtheit von Kunstwerken leichter sichergestellt werden.

„Am Kunstmarkt hat man das Potenzial neuer Technologien erkannt. Nun braucht es spürbare Investitionen in innovative ArtTech-Start-ups, die Blockchain, Artificial Intelligence und Data Analytics für Sammler anwendbar machen. So können auch in einem unsicheren Umfeld neue Wachstumsfelder erschlossen werden“, meint Schuster.

Der sechste Art & Finance Bericht wurde laut den Angaben von Deloitte zusammen mit dem in London ansässigen, auf den Kunstmarkt spezialisierten Research-Unternehmen ArtTactic erstellt. Im Zeitraum April bis Juni 2019 wurden 54 Privatbanken und 25 Family Offices sowie 105 Kunstsammler und 138 Kunstfachleute befragt.

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