09. Dez 2019   Business Motor

Diese Autos sind keine Abgas-Killer mehr

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BMW 5 ©BMW

Neue Abgasnorm. Ab 2020 ist Euro-6d-TEMP Pflicht: Tests zeigen eine beachtliche Schadstoffreduktion. Für die CO2-Bilanz setzen die Hersteller verstärkt auf Mildhybrid und geschlossene Produktions-Kreisläufe.

Autos mit Verbrennungsmotor, allen voran Diesel-Motoren, gelten gemeinhin als Luftverpester. Und tatsächlich haben sie in den vergangenen Jahrzehnten einen beachtlichen Teil zur Umweltverschmutzung beigetragen. Doch es ist Besserung in Sicht: Moderne Pkw sind viel umweltfreundlicher als ihr Ruf.

So ist die Schadstoffbelastung, zumindest bei Neuwagen, längst nicht mehr so hoch wie noch vor zehn Jahren. Denn die meisten der neueren Fahrzeuge, vor allem Modelle von Opel, BMW und Mazda, aber auch anderen Herstellern, verfügen bereits über die Abgasnorm Euro 6d-TEMP.

Der deutsche Automobilklub ADAC hat dies getestet und ist zu dem Ergebnis gekommen: Euro-6d-TEMP-Diesel stoßen durchschnittlich 76 Prozent weniger NOx aus als Euro-6b-Diesel und sogar 85 Prozent weniger als Euro-5-Diesel. Getestet wird jetzt übrigens während der Fahrt und nicht am Prüfstand – schließlich ist der Abgasskandal noch in schlechter Erinnerung. Fazit des Automobilklubs: Die Abgasnorm Euro 6 bringe in ihrer neuesten Version Euro-6d-TEMP nun endlich die Verbesserung, die mit der Umstellung auf Euro 6 schon 2015 erwartet wurde.

Die gute Nachricht: Ab Jänner 2020 müssen alle neu eingeführten Modelle die Euro-6d-Norm erfüllen, das heißt, die Schadstoffbelastung durch Autos sollte also deutlich abnehmen.

Was ist mit den alten Diesel?

Ältere Modelle, vor allem Diesel, die über Euro 5 oder noch geringere Abgasnormen verfügen, sind aktuell in vielen Städten von Fahrverboten betroffen und außerdem nicht besonders umweltfreundlich. Doch auch für dieses Problem gibt es eine Lösung.

Bei solchen alten Dieseln kann man nämlich in den meisten Fällen Euro 6 nachrüsten lassen. Das kostet ungefähr 1.500 bis 5.000 Euro und ist in einer AU-berechtigten Fachwerkstatt innerhalb eines halben Tages vollbracht.

Feinstaub und CO2 als große Baustellen

Freilich ist mit sauberen Abgasen erst ein Teil des Problems aus der Welt geschafft. So ist beispielsweise die Überschreitung von Feinstaub-Grenzwerten in vielen Städten an mehreren Tagen im Jahr schon beinahe üblich geworden. Schuld daran sind aber nicht nur die Abgase, sondern vor allem auch der Abrieb von Reifen, Bremsbelägen und Straßenoberflächen: Daran würde selbst ein 100 %-Anteil von Elektroautos wenig ändern. Ein weiterer bedeutender Verursacher ist die Industrie. In ländlichen Gegenden trägt außerdem auch die Landwirtschaft zur Feinstaubbelastung bei, dazu kommen die Heizungen u.a.

Eine Herausforderung bleibt auch der klimaschädliche CO2-Ausstoß: Fortschritte in der Motortechnik gibt es, vor allem alternative Antriebe sind ein großer Schritt in die richtige Richtung. Einen beachtlichen Beitrag können schon jetzt die neuen 48-Volt-Mildhybrid-Antriebe leisten, wie sie etwa BMW beim neuen 5er jetzt erstmals einsetzt: Das System ist seit November 2019 Serienausstattung bei den Modellen 520d, 520d xDrive, 520d Touring und 520d xDrive Touring.

Versprochen wird eine Senkung des Normverbrauchs um bis zu 0,3 Liter pro 100 km. Zeitweise lässt sich ein damit ausgestatteter neuer 5er sogar wie ein reines Elektroauto betreiben – der Verbrennungsmotor wird stillgelegt.

Herstellung und Herkunft der Energie im Blickpunkt

Doch selbst bei reinen E-Autos bleibt die Frage, wie groß die CO2-Belastung durch ihre Produktion ist – und natürlich kommt es auch auf die Herkunft des Stroms selbst an, der möglichst aus erneuerbaren Quellen stammen sollte.

Die konsequente Elektrifizierung der Fahrzeugflotte führt dazu, dass ein großer Teil der CO2-Emissionen nicht mehr am Auspuff entsteht, sondern in der Lieferkette und in vorgelagerten Produktionsprozessen, heißt es etwa bei Audi: Das Unternehmen entwickelt deshalb gemeinsam mit seinen Zulieferern Maßnahmen zur CO2-Einsparung, die bereits während dieser Entstehungsphase greifen sollen. Im Fokus des 2018 gestarteten „CO2-Programms“ stehen demnach die in der Herstellung besonders energieintensiven Werkstoffe Aluminium, Stahl sowie Bestandteile von Batterien.

In 30 Workshops mit Zulieferern entstanden bisher 50 Maßnahmen, die zusammen ein Einsparpotential von 1,2 Tonnen CO2 pro Auto aufzeigen, so Audi.

Audi will bis 2050 CO2-neutral sein

Konkretes CO2-Reduktionspotential liegt laut Audi in geschlossenen Material-Kreisläufen, der sukzessiven Erhöhung von Sekundärmaterial, der Verwendung von Rezyklaten in Kunststoffbauteilen sowie dem Einsatz von Grünstrom.

Die Umsetzung dieser Maßnahmen will Audi mit seinen Zulieferern für kommende Aufträge vereinbaren. Sie sollen bis 2025 vollständig wirksam sein. Der Einsatz von Grünstrom ist laut den Angaben bereits seit 2018 fester Bestandteil in Lieferantenverträgen mit HV-Batteriezellenherstellern.

Das Unternehmen analysiere die Wirksamkeit dieser Maßnahmen auf Basis von Lebenszyklusanalysen und lasse sie durch unabhängige Dritte zertifizieren. Für das kommende Jahr plant Audi weitere Workshops dieser Art. Das umfassende Programm schließe neben direkten Zulieferern auch Sub-Lieferanten ein.

Bernd Martens, Vorstand für Beschaffung und IT der Audi AG: „Bereits im ersten Jahr des ‚CO2-Programms‘ haben wir mit unseren Partnern 50 konkrete Maßnahmen identifiziert, die zur konsequenten Dekarbonisierung unseres Unternehmens beitragen. Zudem schaffen wir mehr Transparenz in der Lieferkette“.

Aus Aluminium-Resten werden Alubleche für neue Audis

Im ersten Schritt liege der Fokus auf Aluminium, da die Herstellung des Werkstoffs viel Energie verbraucht. 2017 hat man am Standort Neckarsulm den sogenannten „Aluminium closed loop“ eingeführt: Die Aluminiumblech-Verschnitte, die im Presswerk anfallen, gehen direkt an den Lieferanten zurück, der sie aufbereitet und erneut verarbeitet. Die so hergestellten Alubleche verwende Audi anschließend wieder in seiner Fertigung. Allein im Jahr 2018 hat das demnach etwa 90.000 Tonnen CO2 bilanziell eingespart. Künftig will Audi den „Aluminium closed loop“ auf weitere Werke ausrollen.

Grünstrom-Nachweis wird verlangt

Von seinen Batteriezellen-Lieferanten fordert Audi den Einsatz von Grünstrom in der Zellenfertigung. Diese Anforderung sei ein fester und verbindlicher Bestandteil bei allen neuen Auftragsvergaben zur Belieferung mit HV-Batteriezellen. Vor der Auftragsvergabe müssen Lieferanten ein entsprechendes Grünstromkonzept vorlegen.

Audi will so letztendlich seinen Beitrag zum Erreichen der Pariser Klimaziele leisten und bis zum Jahr 2050 – also in drei Jahrzehnten – bilanziell CO2-neutral arbeiten.

 

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