12. Dez 2019   Recht

Wirtschaftskanzleien: Zwei Deals und ein voestalpine-Bußgeld

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Philip Hoflehner Credit ©Taylor Wessing / David Sailer

Rechtsmarkt. Taylor Wessing berät wefox beim Pakt mit „DIE Maklergruppe“. Wolf Theiss hilft beim TAG-Verkauf. Und voestalpine fasst mit Gleiss Lutz 65,5 Mio. Euro. Kartell-Bußgeld aus.

Wirtschaftskanzlei Taylor Wessing hat die deutsche wefox-Gruppe bei der gesellschaftsrechtlichen Durchführung eines Zusammenschlusses mit den Gesellschaftern von „DIE Maklergruppe“ Versicherungsmakler GmbH beraten.

Beide treten ab sofort gemeinsam unter der Marke wefox am österreichischen Markt auf. Die bisherigen Geschäftsführer Rainer Vogelmann (44) und Matthias Lindenhofer (44) leiten weiterhin die operativen Geschicke von wefox Austria. Wefox wurde von Taylor Wessing vertreten, Lead-Partner war Philip Hoflehner (Corporate). Ebenfalls im Team: die Rechtsanwälte Philipp Samonigg (Corporate), Michaela Petritz-Klar (Tax) und Brigitte Sammer (Employment).

DIE Maklergruppe wurde von Jörg Zehetner und Thomas Haberer von KWR Karasek Wietrzyk Rechtsanwälte vertreten.

Bereits im Jahr 2017 waren die DIE Maklergruppe und wefox eine enge Kooperation eingegangen. Man sei auf Lösungen für die Digitalisierung des Maklergeschäfts spezialisiert, etwa in Sachen Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD).

Wolf Theiss berät TAG-Aktionäre bei Verkauf

Die Aktionäre der TAG Systems S.A. wurden beim Verkauf der des Unternehmens und Aufbau eines Joint Venture mit der Austriacard Gruppe von Wirtschaftskanzlei Wolf Theiss beraten.

TAG Systems ist ein in Andorra ansässiger auf Zahlungsverkehr spezialisierter Kartenproduzent, der Personalisierungs- und Fulfillment-Dienstleistungen durch Servicebüros in Spanien, Polen, Großbritannien, Nord- und Südamerika erbringe.

Das Signing der Transaktion hat am 9. August 2019 stattgefunden und unterlag der Zustimmung der Regierung von Andorra, heißt es weiter. Das Closing erfolgte am 4. Dezember 2019.

Wolf Theiss habe die TAG Aktionäre bei der Strukturierung der Transaktion und beim Aufsetzen und Verhandeln aller Transaktions-Dokumente unterstützt. Unter der Leitung von Partnerin Sarah Wared (Corporate/M&A) waren unter anderem Partner Hartwig Kienast (Corporate/M&A) sowie Associate Vilma-Reeta Kivilahti (Banking/Finance) im Wolf Theiss-Team vertreten.

Die neue Gruppe, deren Präsenz in Europa sich von Großbritannien über Österreich bis nach Griechenland und die Türkei erstreckt, verfüge nunmehr über drei Produktionsstätten und acht Personalisierungszentren in der Region sowie über zwei weitere Personalisierungszentren in Nord- und Südamerika.

Rekord-Bußgeld für Stahlkartell mit voestalpine

Das deutsche Bundeskartellamt hat über drei Stahlhersteller ein Rekord-Bußgeld von insgesamt 646 Millionen Euro verhängt: Thyssenkrupp, Ilsenburger Grobblech (Salzgitter) und der börsenotierte Stahlkonzern voestalpine aus Österreich. Letzterer ist in Form seiner Tochter voestalpine Grobblech GmbH betroffen.

Die drei Anbieter sollen Aufpreise für bestimmte Grobblechsorten vereinbart haben, und zwar vom Jahr 2002 bis 2016. Ebenfalls am Kartell beteiligt waren die Dilliger Hüttenwerke, die allerdings als Kornzeuge auftraten und straffrei ausgingen.

Die Vorwürfe

Die im Grundsatz brancheneinheitlichen Aufpreise und Zuschläge machten etwa 20-25 Prozent des Gesamtpreises für „Quartobleche“ aus und waren bis Mitte 2016 in Preislisten der betroffenen Quartoblechhersteller enthalten und veröffentlicht, so das Bundeskartellamt. Derartige Bleche werden u.a. im Kraftwerksbau, im Schiffbau u.a. eingesetzt.

Hintergrund der Absprachen sei das gemeinsame Verständnis und Ziel der Unternehmen gewesen, mit ihren Kunden möglichst nur über die Basispreise und nicht über diese Aufpreise und Zuschläge zu verhandeln. Insgesamt habe die Bedeutung des traditionellen Preissystems im relevanten Zeitraum aber abgenommen.

Zum 1. Juli 2016 habe thyssenkrupp eine neue Preisliste mit Aufpreisen und Zuschlägen herausgebracht, die von dem im Technikerkreis besprochenen Preismodell und den daraus abgeleiteten Preisen deutlich abweichen. Hierdurch endete die Geltung des im Technikerkreis besprochenen Preismodells insgesamt, so die Behörde.

Österreichs voestalpine hat laut Bundeskartellamt in dem Verfahren Kooperationsbereitschaft gezeigt und kommt daher vergleichsweise glimpflich davon, nämlich mit einer Strafe von 65,5 Millionen Euro. Die voestalpine wurde in dem Verfahren von der deutschen Wirtschaftskanzlei Gleiss Lutz vertreten. Für die Strafe sei bilanziell bereits vorgesorgt.

Mitte 2018 hatte der Stahlkonzern mit Hauptsitz in Linz übrigens noch mehr Glück: Damals trat die voestalpine im sogenannten Spezialstähle-Kartell in Deutschland als Kronzeuge auf und ging straffrei aus. Auch damals wurde sie von Gleiss Lutz vertreten und verteidigte sich mit der Aussage, dass die inkrimierten Praktiken längst vergangenen Zeiten angehört hätten.

 

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