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Anti-Kartell-Allianz der Anwälte: ECDA startet auch in Österreich

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Berlin / Wien. Das Anwaltsnetzwerk der ECDA will Kartellrechtsspezialisten europaweit bündeln. Ziel ist die Jagd auf Kartellsünder im Bund mit Prozessfinanzierern, so Wirtschaftskanzlei BBH.

Ein neues länderübergreifendes Netzwerk aus Kanzleien will europaweit Kartellschadensrechtsexpertise bündeln: Die Mitgliedskanzleien der European Cartel Damage Alliance e.V. (ECDA) bieten kartellgeschädigten Unternehmen und öffentlichen Organisationen europaweit rechtliche Unterstützung bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche.

Den Mandanten stehen dabei Experten aus rund 20 europäischen Ländern zur Seite, wie es heißt. Zu den Mitgliedern gehört eine große Wirtschaftskanzlei, nämlich Becker Büttner Held (BBH), die die Allianz mitbegründet hat. Österreich ist durch Angela Heffermann (Sattler & Schanda Rechtsanwälte, Wien) repräsentiert, die Schweiz durch Staiger Rechtsanwälte in Zürich.

Das Management Board der ECDA besteht aus Prof. Christian Held (BBH), Andreas Christensen (Advokatpartnerselskab, Kopenhagen), Miklós Rátky (Ràtky & Partners, Budapest) und Andrew Whitehead (Shakespeare Martineau, Birmingham). Das Büro der ECDA befindet sich am Sitz von BBH in Berlin (Magazinstraße 15-16).

Jagd auf Kartelle als Geschäftszweck

Hochspannungskabel, LKW, Zinsderivate – Kartelle sind auf keine bestimmten Wirtschaftsbereiche beschränkt, schildert BBH den Ansatz des neuen Netzwerks: Wo Wettbewerb bestehe, sei dieser oft durch Absprachen gefährdet. Der Schaden für die Kunden oder Konkurrenten kann hoch sein.

Ziel der ECDA-Kanzleien sind Beratungsleistungen, die Kartellgeschädigten Orientierung über Chancen und Risiken geben und sie bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche – auch vor Gericht – unterstützen sollen, heißt es weiter. „Durch die Zusammenarbeit nutzen wir Synergien, verschiedene Gerichtsstandorte und können auf Fälle mit europaweitem Ausmaß flexibel mit einer länderübergreifenden Beratung reagieren“, hebt der erste Vorsitzende der ECDA und BBH-Partner Christian Held hervor: „Kartelle sind selten rein nationale Konstrukte, sondern beinhalten in der Regel eine europäische Dimension.“

„Mit Kartell-Radar und Prozessfinanzierer“

Mit einem „Kartell-Radar“ seien die ECDA-Mitglieder dabei frühzeitig aktiv und können betroffene Unternehmen schon in einem frühen Stadium über ihre potentielle Anspruchsberechtigung informieren, heißt es. Müsse ein Fall gerichtlich ausgetragen werden, wollen die ECDA-Mitglieder mit dem Prozessfinanzierer Foris AG zusammenarbeiten.

Foris ist in Österreich u.a. als Financier hinter Sammelklagen des VKI und der AK gegen die Bawag im Fall von Zinsanpassungsklauseln bekannt. Auch die Sammelklagen-Plattform Cobin Claims hat mit ihm Gespräche in der aktuellen Datenschutz-Causa rund um die Post AG geführt.

Wirtschaftskanzlei Becker Büttner Held ist einer der größeren Player am deutschen Beratermarkt. In der Öffentlichkeit trat man bisher vor allem als Anbieter von Beratungsdienstleistungen für Energie- und Infrastrukturunternehmen auf: Den Kern der Mandantschaft bilden zahlreiche Energie- und Versorgungsunternehmen, vor allem Stadtwerke, Kommunen und Gebietskörperschaften, Industrieunternehmen sowie internationale Konzerne, wie es in der Selbstdarstellung heißt.

 

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