08. Jan 2020   Business Finanz

Saudi Aramco auf Anbieb wertvollstes Unternehmen

Top-Liga. Der saudi-arabische Ölkonzern Saudi Aramco überholt die US-Riesen Apple, Microsoft, Alphabet (Google), Amazon und Facebook beim Börsewert.

Das wertvollste Unternehmen der Welt kam laut EY 2019 zum ersten Mal seit 10 Jahren nicht aus den USA: Platz 1 belegt jetzt Saudi Aramco. Der saudi-arabische Ölkonzern, der erst im Dezember an die Börse ging, sei demnach zum Jahresende 2019 fast 1,88 Billionen US-Dollar wert. Das sei mehr als der Gesamtwert aller zwölf deutschen Konzerne, die es unter die Top-300 der wertvollsten Unternehmen der Welt geschafft haben, heißt es.

Direkt hinter Saudi Aramco liegen derzeit mit Apple, Microsoft, Alphabet (Google), Amazon und Facebook sechs US-Konzerne. Europäische Unternehmen haben es dieses Jahr nicht unter die Top-10 des EY-Rankings geschafft: Das wertvollste europäische Unternehmen ist dieses Jahr der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé auf Rang 16. Mit der OMV (Platz 863) und dem Verbund (Platz 881) schafften es zwei Unternehmen aus Österreich unter die Top 1.000 der Studie.

Die Zahl der US-Konzerne unter den Top 100 ist im Vergleich zum Vorjahr von 55 auf 56 angestiegen und hat damit den höchsten Stand seit Beginn der Studie im Jahr 2006 erreicht.

„Europa spielt nur noch eine untergeordnete Rolle“

„Europa spielt an den Weltbörsen inzwischen nur noch eine untergeordnete Rolle. Seit dem Beginn der Finanzkrise Ende 2007 haben sich die Gewichte an den Weltbörsen massiv verschoben“, meint Gerhard Schwartz, Partner bei EY Österreich. Vor der Finanzkrise sollen noch 46 der 100 wertvollsten Unternehmen der Welt ihren Hauptsitz in Europa gehabt haben. Inzwischen habe sich die Zahl aber auf 23 halbiert. „Ganz oben geben andere Nationen den Ton an, in erster Linie die USA und China“, so Schwartz.

Die Gründe für das schwache Abschneiden Europas im Börsenranking seien vielfältig, so Schwartz: „Aus Sicht der Investoren sind derzeit vor allem Technologieunternehmen attraktiv. Die Investoren trauen den Digitalkonzernen zu, die Wirtschaft zukünftig noch stärker zu prägen. Sieben der zehn wertvollsten Unternehmen der Welt sind inzwischen Konzerne mit einem digitalen Geschäftsmodell.“

Industrieunternehmen unter „ferner liefen“

Europas Leitbranche sei immer noch die produzierende Industrie, die aber aus Sicht vieler Investoren aktuell wenig Wachstumspotenzial verspreche, so Schwartz. Das teuerste klassische Industrieunternehmen ist derzeit Toyota auf Platz 42, gefolgt von Boeing auf Rang 44. Davor platzieren sich in erster Linie Technologie-, Energie- und Gesundheitskonzerne. „Viele Industrieunternehmen stecken inmitten einer tiefgreifenden Transformation, sie sind noch auf der Suche nach einem überzeugenden und nachhaltig erfolgreichen Zukunftsmodell“, so Schwartz.

Der Vormarsch der Technologiekonzerne scheine laut EY unaufhaltsam zu sein: Ihre Zahl stieg im Top-100-Ranking gegenüber dem Vorjahr um zwei auf 25, ihr Wert wuchs um 42 Prozent auf 9,4 Billionen US-Dollar. 17 von ihnen haben ihren Hauptsitz in den USA. „Der technologische Fortschritt und insbesondere die Digitalisierung haben in den vergangenen Jahren die Börsenwerte von Technologieunternehmen massiv in die Höhe getrieben, während Industriekonzerne in die Defensive gerieten“, so Schwartz.

 

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